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Schon früher war erwähnt, daß Gallienus, als er von ſeinem Angriffe auf Poſtumus abließ, den Gedanken hegte, bei günſtiger Gelegenheit den Kampf gegen dieſen zu erneuern und den Weſten ſeiner Herrſchaft wieder zu unterwerfen. Hauptſächlich wohl aus dieſem Grunde und wohl weniger, wie Zoſimus meint, aus Beſorgnis vor einem Einfall des Poſtumus in Italien, hatte er deshalb im weſtlichen Theile der oberitaliſchen Ebene ein ſtarkes Heer unter einem bewährten Führer zurückgelaßen. So konnte er der Entwicklung der Dinge in Gallien ruhig zuſehen und gegründete Hoffnung hegen, bei den in der letzten Zeit des Poſtumus und nach deſſen Ende dort entſtandenen Wirren durch einen raſchen Stoß das verlorene Gebiet wieder an ſich zu reißen. Allein er hatte ſich in der Geſinnung des Mannes, dem er den Befehl über jenes Beobachtungsheer anvertraut hatte, gänzlich getäuſcht. Aureolus, früher Feldherr in Illyricum, war zwar ein erfahrener Krieger und hatte der Sache des Gallienus ſchon manchen Dienſt geleiſtet, war aber keineswegs ſein Freund und harrte ſchon ſeit langer Zeit nur auf den günſtigen Moment, offen ſeinen Abfall zu erklären.*) Jetzt, da der Kaiſer ſich mitten im Kampfe mit den Gothen befand, der Weſten und Oſten des Reichs ihm gänzlich fremd, ja feindſelig gegenüberſtanden, glaubte er, an der Spitze eines erprobten Heeres, in einer den Mittelpunkt des Reichs, Italien und Rom, beherrſchenden Stellung, den Zeitpunkt, die Maske abzuwerfen, gekommen und ließ ſich daher am Ende des Jahres 267 in der Nähe Mailands von ſeinen Legionen zum Kaiſer ausrufen. Wie gefahrdrohend die Nachricht dieſer Erhebung dem Gallienus geſchienen haben mag, ergibt ſich daraus, daß er auf ſie hin ſofort vom gothiſchen Kriege, der noch keineswegs beendet war, abließ, ſeinen Feldherrn deſſen Weiterführung anvertraute und eiligſt nach Italien eilte, um der Empörung im Stammlande des Reichs, deren Nichtbewältigung dem völligen Verluſte des Thrones identiſch war, Herr zu werden.
Noch einmal zeigte der Kaiſer Spuren von Thatkraft. Das Heer des Uſurpators ward geſchlagen und dieſer gezwungen, ſich nach Mailand zu werfen, wo er eingeſchloßen und ſo hart bedrängt wurde, daß im März des Jahres 268 der Fall der Stadt und damit das Ende des Aufruhrs zu erwarten ſtand, als infolge einer unter den bedeutendſten kaiſerlichen Heerführern entſtandenen Verſchwörung der Stahl des Mörders das Leben des Gallienus ereilte und dadurch eine ganz veränderte Lage der Dinge herbeigeführt ward. Denn mit ſeinem Nachfolger auf dem Throne des Weltreichs begann eine Reihe von Herrſchern, die vermöge ihrer hervorragenden Eigenſchaften und Verdienſte dem wankenden Römerſtaate noch einmal einen feſten Halt gaben und ſein ferneres Beſtehen, das in Gallienus Tagen mehr als zweifelhaft geworden ſchien, noch auf geraume Zeit ermöglichten, bis er dann, zwei Jahrhunderte ſpäter, im Weſten unter dem fortgeſetzt ſiegreichen Vordringen der germaniſchen Volksſtämme zuſammenbrach, während der Oſten, in immer größere Entartung und Entfremdung vom römiſchen Weſen gerathen, zuletzt durch nichts mehr als den Namen daran erinnerte und ſeinen ſiechen Körper noch mehr als ein Jahrtauſend hinſchleppte, bis auch ſein letztes Stück unter dem Joche der Osmanen verſchwand.
Marcus Aurelius Claudius**) war der Name des ungewöhnlichen Mannes, der nun den
*) Ich folge hier ganz der überzeugenden Beweisführung Bernhardts p. 81 sdd. und Excurs VI. betreffs der Würdigung des früheren Aufſtandsverſuchs des Aureolus und ſeiner Stellung zu Gallienus.
) Was den Namen des Claudius betrifft, ſo ſchließe ich mich durchaus der Ausführung Bernhardts p. 121 Anm. an. Hinzuzufügen wäre nur noch, daß ſein Gentilname Aurelius durch die zahlreich mit dieſem Namen vorkommenden


