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noch von Poſtumus Zeiten her Theilhaber am Imperium, Marius kraft Erwählung des Heeres und Beiſtimmung der Victorina an des ermordeten Poſtumus Stelle getreten, und Laelianus, der ſich noch immer am Rhein als Kaiſer gerirt. Indes ſie verſchwinden ſämmtlich ſchon in Jahresfriſt vom Schauplatz der Geſchichte: nach kurzer Regierung fällt Marius, augenſcheinlich in einem Soldatenaufſtande, Laelianus, der am Rhein die von Poſtumus errichteten Caſtelle, welche auf die Kunde von deſſen Tode die Grenzvölker theilweiſe genommen und zerſtört hatten, wieder herzuſtellen ſuchte, wird ebenfalls von ſeinen mit der harten Arbeit unzufriedenen Kriegern erſchlagen, wohl nicht ohne geheime Mitwirkung ſeitens des Victorin, und dieſer ſelbſt, der nun die Herrſchaft des ganzen Weſtens wieder in ſeiner Hand vereinigt, wird nach kurzer Zeit ein Opfer ſeiner zügelloſen Ausſchweifungen, da ihn ein gewiſſer Atticianus, Rechnungsführer beim Heere, weil er ſeine Gattin verführt hatte, ſchon 267 zu Cöln ermordete. Victorina, von deren großem Einfluße ſchon oben die Rede geweſen, war es, die nun den erledigten Thron des Weſtens von Neuem beſetzte. Der Senator C. Pius Eſuvius Tetricus, Statthalter von Aaquitanien, einer ihrer Verwandten, wurde mit Hülfe eines großen Geldgeſchenkes dem Heere als der tauglichſte Herrſcher empfohlen und in ſeiner Abweſenheit zum Imperator ausgerufen. Wohl mit Widerſtreben, wie ſich wenigſtens aus ſeinem ſpäteren Verhalten ſchließen läßt, nahm er den Purpur zu Burdigala an, um an ſechs Jahre unangefochten die Herrſchaft des Weſtens zu behaupten. Seine Gönnerin Victorina ſcheint noch bis zum Frühling des Jahres 268, wie die Acclamation des Senats bei Claudius Gothicus Thronbeſteigung zu beweiſen ſcheint(H. A. Claud. 4.), ihre einflußreiche Stellung behauptet zu haben, verſchwindet dann aber vom Schauplatz der Geſchichte. Ob ihr Ende ein natürliches geweſen ſei, ſtellt Trebellius Pollio dahin, doch iſt bei der keineswegs unedlen Sinnesweiſe des Tetricus wohl kaum anzunehmen, daß er ſeiner Wohlthäterin mit Undank gelohnt und ſie etwa aus dem Wege habe räumen laſſen. Auch er beſtrebte ſich, gleich Poſtumus, die von ihm regierten Länder der Segnungen eines dauernden Friedens theilhaftig zu machen, wobei ihm ſehr zu Statten kam, daß die Herrſcher des Geſammtreichs während der erſten Jahre ſeiner Regierung zu ſehr im Oſten beſchäftigt waren, als daß ſie an eine Wiedererwerbung des Weſtens hätten denken können. Indeſſen hatte er doch im Inneren, da er den Künſten des Friedens mehr als denen des Krieges zugeneigt war und nicht hinlängliche Energie beſeßen zu haben ſcheint, öfters Aufſtände ſeiner Heere zu bekämpfen, die ſich augenſcheinlich nach einer thatenreicheren Herrſchaft ſehnten. Dennoch aber überdauerte ſeine Regierung die des Gallienus und Claudius, bis endlich Aurelian nach Bezwingung des Oſtens auch ſeinem Reiche ein Ende machte(274).
Schon bevor Tetricus den Imperatorentitel angenommen hatte, ein Ereignis, das ganz in den Beginn des Jahres 268 zu ſetzen iſt, war im Orient das glänzende Geſtirn Odenaths untergegangen. Nach ruhmvoller ſiebenjähriger Regierung ward der Beſieger Sapors das Opfer eines Familienzwiſtes, zu deſſen blutigem Ausgang wohl nicht blos die von den Quellen angeführte äußere Veranlaſſung, ſondern auch der Neid und die Herrſchbegierde ſeiner nächſten Verwandten beigetragen haben mögen. Zu Emeſa fiel 267 der Kaiſer mit ſeinem älteſten Sohne Herodes von der Hand ſeines von ihm ſchwer beleidigten Neffen Mäonius, nach ihm aber beſtieg, mit raſcher Beſeitigung der Uſurpation des Mörders, ſeine geiſtes⸗ und willensſtarke Gemahlin Zenobia den Thron von Palmyra, um, eine neue Semiramis, in jeder Hinſicht eine Zierde deſſelben zu werden.


