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die Donauländer mußten die Raubgier und Zerſtörungswuth der neuen Gegner nur zu ſchwer empfinden. Die ſchimpfliche Tributzahlung an die Sieger, zu der in Folge dieſer Niederlage der römiſchen Waffen Decius Nachfolger Gallus ſeine Zuflucht nahm, gab die Veranlaſſung zu ſeinem baldigen Sturze durch Aemilian(253), der indes, kaum in den Beſitz des Purpurs gelangt, ihn ſchon wieder an Valerian verlor, den die Stimme von Volk und Heer als Decius würdigſten Nachfolger bezeichnete.
Dieſer neue Beherrſcher des Reichs war ein Mann, der in ruhigeren Zeiten wohl ſeinen Platz auf dem Throne rühmlich ausgefüllt haben würde; ein würdiger Greis, erfüllt von Wohlwollen für ſeine Unterthanen und dem beſten Willen, ſeiner hohen Stellung zu genügen. Eine Menge ſeiner Regierungshandlungen legen Zeugnis ab von dieſem Beſtreben. Allein dieſe eiſerne Zeit erheiſchte einen Charakter von eiſerner Willenskraft und Beharrlichkeit, von rückſichtsloſer Energie— und das war es eben, was Valerian fehlte und ſeine Regierung ſtatt zu einer ſegensreichen zu einer unſeligen machte, wie es auch weſentlich dazu beitrug, daß ein Zuſtand, wie er unter ſeinem Sohne und Nachfolger eintrat, überhaupt möglich wurde. Er ſelbſt verweilte nur kurze Zeit nach ſeiner Thronbeſteigung im Weſten und eilte, nachdem er eben jenen Sohn, den P. Licinius Valerianus Gallienus, zum Mitregenten für die abendländiſche Reichshälfte ernannt hatte, ſchon 255 in den Orient, um perſönlich die Oberleitung des gegen Sapor geſammelten Heeres zu übernehmen und dieſen furchtbaren Feind aus den Oſtprovinzen zu vertreiben. Wie ſehr ihn dieſe ſchwierige Aufgabe in Anſpruch nahm, beweiſt der Umſtand, daß nur ein einziges Mal während ſeines Aufenthalts im Oſten er ſein Augenmerk anderen Reichsangelegenheiten zuwendete. Es war dies bei Gelegenheit des ſpäter noch zu erwähnenden Gotheneinfalls vom Jahre 259. Damals erſchien der alte Kaiſer noch einmal perſönlich von Syrien aus in Kleinaſien und betrieb die Leitung von Anſtalten zur Vertreibung der frechen Eindringlinge, um ſchon bald wieder zu den Vorbereitungen zu ſeinem letzten Perſerfeldzuge zurückzukehren, aus dem er nicht mehr heimkehren ſollte.
Während ſo der Vater ſein greiſes Leben an die Beſchirmung von Roms Oſtgrenzen ſetzen mußte, war der Fortbeſtand der Römerherrſchaft im Weſten unter der Regierung ſeines Sohnes nicht minder in Frage geſtellt. In Gallienus hatte ein Regent den Thron beſtiegen, in deſſen Verdammungsurtheile die Zeugniße der alten Quellen übereinſtimmend lauten und die jammervollen Zuſtände des Reichs unter ſeiner Regierung, die unaufhörlichen Erhebungen von Thronprätendenten ſollen hauptſächlich in der tiefen Verachtung ihren Grund gehabt haben, die ſeine Perſönlichkeit bei den Unterthanen genoß. Wenn nun auch die Anſchuldigungen, welche man gegen ihn erhebt, im Großen und Ganzen viel Wahres enthalten mögen, ſo drängt ſich uns doch bei einer genaueren Betrachtung von ſeinem Thun die Ueberzeugung auf, daß er beßer war, als ſein Ruf. Denn auch gar manche gute Eigenſchaften treten neben ſeinen Laſtern und Mängeln an ihm zu Tage, wie ſeine Toleranzedicte in Betreff der Chriſten, ſeine Freude an griechiſcher Geiſtesbildung, ſeine Liebe zur Muſik und Dichtkunſt, in der er ſelbſt nicht ohne Erfolg ſich verſuchte, zu beweiſen ſcheinen, und dafür, daß ihm eine edlere Anſchauungsweiſe des menſchlichen Daſeins nicht ganz fremd war, dürfte wohl ſein vertrauter Verkehr mit dem größten Philoſophen ſeiner Zeit, dem Neuplatoniker Plotin, hinreichendes Zeugnis ablegen. Daneben gibt er, wenn er ſich einmal aus ſeinem Genußleben aufzuraffen vermag, oft Proben hohen perſönlichen Muthes, wie denn ſelbſt ſein Ende nicht unrühmlich für ihn iſt, und man muß daher ſagen, daß er in der Geſchichte unter die Zahl der Fürſten gehört, denen die Sünden
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