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seines Probejahrs am Gymnasium zu Culm wurde er an dieser Anstalt bis Ostern 1887 be- schäftigt, wo er als Hülfslehrer nach Hersfeld versetzt wurde.
Die Sommerferien dauerten 4 Wochen vom 2. Juli an.
Am 27. Juni unternahm die gesamte Schülerschar, begleitet von fast sämtlichen Lehrern, einen größern Turngang. Die Schüler der untern Klassen zogen mit denen der obern Klassen zusammen aus, trennten sich an den Wehneberger Höfen von denselben und kehrten über Mannsdriesch u. s. w. vormittags zurück, während jene ihren Marsch nach Rotenburg fort⸗ setzten. Dort wurde in dem schönen Park Emanuelsberg zweistündige Rast gemacht, und dann noch der Ahlheimer bestiegen. Die herrliche Aussicht von dieser Bergkuppe, die zu der schönsten des Hessenlandes gehören dürfte, lohnte reichlich die allerdings nicht geringen An- strengungen. Gegen Abend kehrten wir mit der Eisenbahn von Rotenburg in bester Stimmung und sehr befriedigt von dem Ausflug zurück.
Der 2. September wurde in herkömmlicher Weise durch einen Schulaktus gefeiert. Der Oberprimaner Stöltzing sprach über die Vorgänge bei Belfort im Jahre 1871. Die für den Nachmittag geplanten Turn- und Wettspiele mußten leider des ungünstigen Wetters wegen aufgegeben werden. Dagegen vereinigten sich die Schüler der obern Klassen unter Beteiligung fast sämtlicher Lehrer des Abends zu einer festlichen geselligen Zusammenkunft, die sich durch Ansprachen und Vorträge der Gymnasiastenkapelle zu einer schönen Feier des Nationalfestes gestaltete.
Am 9. September fand unter Vorsitz des Königlichen Kommissars, Herrn Provinzial- schulrats Dr. Lahmeyer, die Reifeprüfung für die Gymnasialabiturienten statt; allen wurde das Zeugnis der Reife zuerkannt.
Das Sommersemester schloß am 24. September. Bei der Schlußandacht entließ der Direktor die scheidenden Lehrer Prorektor Professor Meyer, Dr. Wolscht, Borzucki und Dr. Roßmann aus ihrem Verhältnis zur Anstalt. Während die drei zuletzt genannten, alle noch am Anfang ihrer praktischen Thätigkeit stehend, mit den besten Wünschen für ihre Thätigkeit in neuen Amtern entlassen werden konnten— Dr. Wolscht geht als ordentlicher Lehrer an das Realprogymnasium zu Biedenkopf, Borzucki als wissenschaftlicher Hülfslehrer an das Gymnasium zu Hadamar, Dr. Roßmann in der gleichen Eigenschaft an das Real- gymnasium zu Wiesbaden— war für den ersten Oberlehrer und Prorektor Professor Meyer der Abschied von der Anstalt zugleich das Scheiden aus dem Amte, ein Scheiden, immer schwer, aber doppelt schwer, wenn es vor der Zeit eintreten muß, weil die körperlichen Kräfte zur Erfüllung der Amtspflichten nicht mehr ausreichen. Der Unterzeichnete sprach dem schei- denden Kollegen, der schon vorher erfreuliche Beweise der Verehrung von seinen Schülern em- pfangen hatte, mit den herzlichsten Wünschen für eine glückliche Zeit der Muße, für die treuen und erfolgreichen Dienste, die er während 11 ½ Jahre dieser Anstalt und 32 Jahre dem Staat überhaunpt geleistet, im Namen der Anstalt und zugleich im Namen der vorgesetzten Behörden warmen Dank und Anerkennung aus und überreichte ihm die Entlassungsurkunde. Se. Majestät der Kaiser und König lohnte die Verdienste des treuen Staatsdieners durch Ver- leihung des Roten Adlerordens IV. Klasse.
Im Laufe des Sommersemesters erwarb der Kandidat Otto Heermann durch eine geschichtliche Abhandlung, die er bald darauf wesentlich erweitert in Buchform unter dem


