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aus der einfachen, vom Geiſte mit dem Bewußtſein innerer Nothwendigkeit erzeug⸗ ten Idee erſt abzuleitendes, gleichviel welches, Merkmal aufzunehmen wagt, von dem wiſſenſchaftlichen Standpunkte aus als unſtatthaft zurückgewieſen werden muß. Aus keinem andern Grunde halten wir auch das deutſche Wort gleichlaufend, wiewohl man ſich deſſen in den meiſten Lehrbüchern zu bedienen pflegt, keineswegs für dem Bezeichneten angemeſſen, und haben es deßhalb hier dem Griechiſchen Namen parallel nicht einmal erklärend zur Seite ſetzen können. Denn wenn man auch davon abſehen wollte, daß die grammatiſch⸗logiſche Beziehung des beſtimmen⸗ den Begriffes zu dem beſtimmten in dieſem Ausdrucke unklar und ſchwankend iſt, ſo iſt doch das Merkmal, woran man zunächſt durch dasſelbe erinnert werden ſoll, nämlich das der ſtets gleichen Entfernung, wie man ſich dieſe auch immer vorerſt denken mag, gerade ein ſolches, das ſelbſt erſt der Ableitung und Begrün— dung bedürftig erſcheint, und darum eine vorgreifende Aufnahme desſelben in den Namen nicht ſehr zu loben. Hier wenigſtens wollen wir jeden Nebenbegriff von gleicher Entfernung, als der erſt am Schluſſe der Theorie mit der nöthigen Prä⸗ ciſion begründet werden kann, aus der Idee der Parallelen in dem Grade noch ausgeſchloſſen wiſſen, daß, wenn Jemand darauf beſtände,*) ſich in einer Ebene zwei Gerade zu denken, die ſich einander ohne Ende näherten, ohne ſich jemals zu treffen, wir ihm gern erlaubten, auch ſolche einſtweilen, bis etwa zur Einſicht des Unmöglichen, in den Begriff der Parallelen aufzunehmen. Eben ſo wenig iſt es vonnöthen, bei Convergenten zunächſt an den, wie immerhin zu beſtimmenden, Begriff ſtetiger Annaherung bis zum gemeinſchaftlichen Punkte hin zu denken, ſon⸗ dern nur ſoviel, daß zwei Gerade, von nicht gemeinſchaftlichen Punkten auslaufend, in einem gemeinſchaftlichen zuſammenſtreichen.
2. Daß aber Convergenten nicht nur, vermöge der erwaͤhnten, dem Ver⸗
*) Vergleiche Hoffmanns Critik p. 210. ff.


