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dieſes zuerſt in ſeinen wichtigſten Beziehungen und Verhaͤltniſſen; ſie ſtellt ihn auf einen Schauplatz, wo die Schickſale und Thaten der Völker und Menſchen vor ihm vorübergehen und zur menſchlichen Theilnahme auffordern; ſie oͤffnet ſeinem Blicke die Verkettung von Urſachen und Wirkungen, und bildet ſein Urtheil über den Werth menſchlicher That und Geſinnung. Unter dem geſammten hiſto⸗ riſchen Stoff iſt indeß die Geſchichte des Alterthums dem Knabenalter vorzüglich entſprechend, wegen der ſtärker hervortretenden Individualität der Handelnden und der größeren Einfachheit der politiſchen Verhältniſſe. Cäſars Schriſten aber ent⸗ halten zugleich Special⸗Geſchichte und empfehlen ſich auch in dieſer Hinſicht für die Jugend. Unter ihnen hat man jedoch, und nicht mit Unrecht, den Commen— tarien über den Galliſchen Krieg den Vorzug auf Schulen eingeräumt; daher denn ausſchließlich in Beziehung auf dieſe hier einige Andeutungen folgen mögen.
Was Cäſar innerhalb acht Jahre als Statthalter in Gallien unternahm und ausführte, das hat er in ſeinen Commentarien vom Galliſchen Krieg für ſeine Mitbürger und für ſeinen eigenen Nachruhm aufgezeichnet. Die Erzählung ſchrei⸗ tet fort am Faden der Ereigniſſe. Ohne kunſtvolle Anlage erſcheint das Ganze nach und nach entſtanden, ſo wie er jedesmal das Volll achte und Denkwürdige aus friſcher Erinnerung, eigenen gelegentlichen Notizen und den Berichten ſeiner Untergebenen niederſchrieb, immer mit ſtyliſtiſcher Gewandtheit und in anſpruchloſer Anmuth. Der Inhalt iſt großentheils Kriegsgeſchichte. Bei der Klarheit der Dar⸗ ſtellung ſetzt indeß einige Kenntniß des Römiſchen Kriegsweſens, gelegentlich mitge⸗ theilt, den Knaben in Stand, den kriegeriſchen Operationen ohne Mühe zu folgen. Vor Ermüdung aber durch Einförmigkeit des Stoffes ſichert der häufige Wechſel des Schauplatzes, der Laͤnder und Bölker, der ſich geſtaltenden Verhältniſſe und Verwickelungen. Eingeſtreut ſind überdieß geographiſche und topographiſche Nach⸗ richten, Beſchreibungen der Länder und ihrer Merkwürdigkeiten, ſowie der Sit⸗
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