Aufsatz 
Einige Worte über den Wert der Kommentarien Cäsars vom Gallischen Kriege für die Jugend und die Schule
Entstehung
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fenen Gemüthes veredelte Sprache und Darſtellung auszeichnet, beide alſo bei dem jungen Leſer eine im richtigen Denken und in ſchicklicher Rede wohlgeübte Gei⸗ ſteskraft vorausſetzen.

Wenn wir bisher die ſtyliſtiſchen Vorzüge Caͤſars hauptſächlich ins Auge faßten, um danach ſeinen Werth für claſſiſche Schulbildung zu beſtimmen, ſo dür⸗ fen wir doch auch den Inhalt ſeiner Schriften hier nicht unberückſichtigt laſſen. Denn ſobald wir dem Knaben die Faͤhigkeit zutrauen, eine Schrift zu verſteben, den behandelten Stoff in den Kreis ſeiner Vorſtellungen aufzunehmen und geiſtig zu verarbeiten, darf uns dieſer nicht gleichgültig ſeyn; wir werden vielmehr einen ſolchen wählen, der an ſich lehrreich und wiſſenswürdig, zugleich der Stufe der geiſtigen Entwickelung des Zöglings angemeſſen, und für dieſe Stufe dem Zwecke ächt menſchlicher Bildung förderlich ſey. Nur ſo wird die Bekanntſchaft mit dem Schriftſteller, mit dem von ihm behandelten Gegenſtande und mit der Art der Behandlung dem Zöglinge ſelbſt als ein würdiges Ziel ſeines Fleißes erſcheinen, und ihm einen ermunternden und bildenden Genuß gewähren. Bei dem Dichter nun, den wir ihm vorlegen, bedingen ſich Inhalt und Form gegenſeitig. Der Inhalt erfreut durch die Darſtellung, und dieſe durch die Angemeſſenheit für ih⸗ ren Stoff. Es iſt das reine Wohlgefallen am Schönen, und die erhöhte Em⸗ pfͤnglichkeit des Gemüthes für dasſelbe, was ſeinen Zweck in ſich ſelbſt hat. An ders verhält es ſich mit dem Proſaiſchen Schriftſteller. Bei ihm liegt der Zweck der Darſtellung nicht in ihr ſelbſt, ſondern er tritt wie von außen hinzu, als Be⸗ lehrung, als Mittheilung eines wiſſenswürdigen, dem Menſchen nach mannichfacher Beziehung wichtigen Stoffes. Dem früheren Alter aber iſt, wie es ſcheint, kein Stoff belehrender Mittheilung angemeſſener, als der hiſtoriſche. In nicht minderem Grade, als derſelbe die jugendlichen Gemüther anſpricht, dient er auch dem hoheren Zwecke humaner Bildung. Die Geſchichte führt den Knaben aus dem beſchränk⸗ ten Kreiſe ſeines Daſeyns in das öffentliche Leben der Menſchen, und zeigt ihm