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bieket, würde ihm weder gedankenreiche Kürze, noch der Schmuck beredter Dar⸗ ſtellung gemäß ſeyn. So wie die Form der Darſtellung, ſo iſt endlich auch der Inhalt der Schriften Cäſars der Faſſungskraft des reiferen Knaben wohl ange⸗ meſſen, und überſchreitet nicht den Kreis und das Maß ſeiner Begriffe und Vor— ſtellungen.
Bei dieſen eigenthümlichen Vorzügen der Schriften Cäſars dürfen wir mit Recht von einer vertrauteren Bekanntſchaft mit ihnen einen heilſamen, die geiſtige Cultur des Zöglings ſördernden Einfluß erwarten. Der Lehrer aber, der nicht etwa geneigt iſt, den Römiſchen Schriftſteller als bloße Beiſpielſammlung zu Grammatik und Woͤrterbuch zu behandeln, wird dieſen Einfluß auf alle Weiſe zu beſördern und zu ſichern ſuchen. Nicht nur wird er Sorge tragen, daß das logiſche Gefuͤhl des Knaben für Richtigkeit, Beſtimmtheit und bündigen Zuſam⸗ menhang des Ausdrucks und der Rede an dem claſſiſchen Vorbild entwickelt, geübt und bis zur Klarheit des Urtheils geſchaͤrft werde, ſondern er wird ihn auch ver⸗ anlaſſen, das Adäquate in Gedanken und Bezeichnung, die lichtvolle Anordnung und gefaͤllige Abrundung der Sätze und Perioden, das ſchickliche Ebenmaß ihrer Glieder, und überhaupt die Schönheit der Sprache und Darſtellung wahrzuneh⸗ men und mit Wohlgefallen zu empfinden. Zu dem Ende wird er ſich insbeſon⸗ dere erinnern, daß die eigene Mutterſprache es zunächſt iſt, durch die der Schüler die Gedanken des fremden Autors nach Form und Inhalt klar und vollſtändig zu erfaſſen fähig wird; daß daher eine Ueberſetzung voll Sprachfehler, voll ſprach⸗ widriger, dem fremden Idiom ſclaviſch abgeborgter Wendungen und Redensarten, daß eine ſchielende und unklare Bezeichnung der Gedanken und ihrer Verknüpfung, daß Haͤrte und ſchwerfällige Bewegung der Rede keineswegs im Stande ſi nd, die Vorzüge des claſſiſchen Vorbildes zur Anſchauung zu bringen und der Seele einzuprägen. Dieſes beherzigend wird der Lehrer, bei den Verſuchen ſeiner Schuͤ⸗ ler, Cäſax in die Mutterſprache zu übertragen, auf die Wahl des Ausdrucks, auf


