— 4—
für den Zweck claſſiſcher Schulbildung, nicht leicht einen angemeſſeneren Schrift⸗ ſteller geben, als Cäſar. Mit einer reinen, edlen und correcten Sprache verei⸗ nigt Cäſar eine einfach ſchöne Darſtellung. Sein Ausdruck iſt klar, beſtimmt und bündig. Die Gedanken ſind nicht nur logiſch richtig verbunden, ſondern auch die Uebergänge natürlich und ungeſucht. Die Rede, leicht fortfließend, bewegt ſich bequem in mannigfaltigen Wendungen und Satzformen. Im Bau der Sätze, in ihrer Gliederung und ihrem äußeren Umfange herrſcht hinlängliche Abwechſelung. Der öftere Wechſel von einfacheren und zuſammengeſetzteren Sätzen, von leichteren und ſchwereren Conſtructionen gewaͤhrt der geiſtigen Thätigkeit des Schülers wün⸗ ſchenswerthe Ruhepuncte, ohne abzuſpannen, und zugleich genugſame Anregung, ohne zu ermüden. In den längeren Perioden erleichtert die lichtvolle Anordnung und die ſchickliche Folge der verknüpften Vorſtellungen die Auffaſſung ihrer logi⸗ ſchen Beziehung und die Ueberſchaulichkeit des Ganzen. Cäſars Darſtellung be⸗ wegt ſich gleichmäßig im Tone klarer Beſonnenheit, jedoch immer lebendig und anziehend; zuweilen wird ſie bis zur Wärme eines am Gegenſtande theilnehmen⸗ den und von ihm ergriffenen Gemüthes belebt*). Nie aber läßt ſie ſich von der Begeiſterung und der Staͤrke der Empfindung hinreißen, um ſich in redne⸗ riſche Fülle zu ergießen; noch auch ſucht ſie durch kurze und gedrängte Züge ei⸗ nen Totaleindruck hervorzubringen, den in ſich aufzunehmen ſchon eine geübte Gei⸗ ſteskraft und ein reich begabtes Gemüth vorausſetzt. Von Beidem gleich ent⸗ fernt, iſt Cäſars Schreibart hauptſächlich für anſchauliche und klare Auffaſſung des Dargeſtellten berechnet. Deſto leichter vermag auch dernminder Geübte zu ſolgen. Bei den Schwierigkeiten, welche noch die Sprache ſelbſt dem Knaben dar⸗
*) Man leſe z. B. die ſchoͤne Beſchreibung des ſoldatiſchen Wettſtreites zwiſchen den Genturionen Pulfio und Varenus, b. g. V. 44. und man wird geſtehen, auch Livius konnte von Caͤſar lernen.


