Aufsatz 
Eratosthenes von der Verdoppelung des Würfels. Ein Brief an Ptolemäus Euergetes übersetzt, kritisch berichtigt und erläutert
Entstehung
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lange Zeit hatte ſeine Aufloͤſung die Griechiſchen Geometer beſchaͤfftigt, wie uns der Brief des Eratoſthenes an Ptolemaͤus belehrt, den wir hier, ſo weit er die Geſchichte des Problems betrifft, in einer Ueberſetzung mit⸗ theilen. 5) 3

»Dem Koͤnige Ptolemaͤos wuͤnſcht Eratoſthenes Gluͤck und Wohlſein. Von den alten Tragoͤdiendichtern,) ſagt man, habe einer den Minos, wie er dem Glaukos ein Grabmal errichten ließ, und hoͤrte, daß es auf allen Seiten hundert Fuß haben werde, ſagen laſſen:

Zu klein entwarfſt du mir die königliche Gruft. Verdopple ſie; des Würfels doch verfehle nicht.*)

Man unterſuchte aber auch von Seiten der Geometer, auf welche Weiſe man einen gegebenen Koͤrper, ohne daß er ſeine Geſtalt veraͤnderte,

⁵5) Der überſetzung liegt Bernhardy's Text zu Grund, wo wir anders zu leſen wünſch⸗ ten, haben wir es angemerkt. Ueber die Geſchichte des Problems hat man eine be⸗ ſondre Schrift von Reim er, die ſchon oben erwähnt wurde. Da ſie uns nicht zur Hand war, kennen wir nur ſoviel von ihr, als Jakobs daraus in ſeinen Animadver⸗ ſionen mittheilt, was auch hinreicht, das Verfahren des Eratoſthenes zu erläutern.

6) Euripides im Polyidos. Dieſem hat nämlich Valckenar die folgenden Verſe zu⸗ erkannt und ſie zugleich hergeſtellt. Ob einer unſer Dramaturgen ſchon verſucht hat, ſich aus dem Fragment mit Hülfe der Erzählung Apollodors III, 3, eine Idee des Trauerſpiels zu bilden? Mich dünkt, er möchte hierbei in nicht geringere Verlegenheit gerathen, als der Kretiſche Architekt über ſeine Aufgabe. Denn der Tod des Königs⸗ ſohnes im Honigfaß, ſeine Wiederbelebung, und die Art, wie er der eben erlernten Wahrſagekunſt wieder verluſtig wird, eigneten ſich eher zu einem ſatyriſchen Drama. Oder war der Polyidos ein ſolches?

²) Die zunächſtfolgenden Worte ſind in die Ueberſetzung nicht aufgenommen, denn ſchon dadurch, daß ſie ſich nicht grammatiſch in den Zuſammenhang fügen, verrathen ſie die Randgloſſe. überdieß, wäre ihr Inhalt aus der Fabel des Dichters genommen, müßte man dieſem etwas abgeſchmacktes zutrauen; enthielten ſie die eigene Bemerkung des Erxatoſthenes, ſo müßte man es um nichts ſchicklicher finden, wenn dieſer ſeinem Kö⸗ nige, dem er ſchwereres begriffen zu haben zumuthet, noch beſonders darüber belehrte, daß die doppelte Seite das Vierfache im Quadrat und das Achtfache im Würfel gäbe.