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habe ihnen der Gott geweiſſagt, ſondern um den Hellenen ihre Geringſchaͤ⸗ tzung der Wiſſenſchaften und ihre Vernachlaͤßigung der Geometrie zur Be⸗ ſchaͤmung vorzuhalten.« Und dieſen Vorwurf werden wir ſchon darum ge⸗ gruͤndet finden, daß Griechen noch damals von Loxias dunkeln Spruͤchen Heilmittel gegen koͤrperliche Übel erwarteten, deſto mehr aber den Gott preiſen, wenn er, die Zeit erkennend und ſich uͤber ſich ſelbſt erhebend, wirk⸗ lich die Abſicht hatte, die Griechen zur Heilung ihrer Gebrechen von der Pythia Gaukelſpiel an den Ernſt der Wiſſenſchaft zu verweiſen. Faſt aber ſollte man auch bei Euripides eine dverſteckte Abſichtlichkeit vermuthen, wenn er im Polyidos, einem ſeiner untergegangenen Stuͤcke, das mathematiſche Problem dem alten Koͤnige Minos in den Mund legt. Denn anzunehmen, der Dichter habe nur erſt, wie Bernhardy meint, durch das Orakel der Delier von dem Problem Kunde erhalten, und es den Kre⸗ tiſchen Heros, man wuͤßte nicht wozu, wiederholen laſſen, iſt eben nicht wahrſcheinlicher, als wenn man aus dem Fragmente ein wohl gar vorho— meriſches Alter des Problems folgern wollte. Auch liegt der Tod des Dich⸗ ters ſchon zu fern von der Zeit, wo Plato in der Academie lehrte, in welche Zeit wir doch wohl die Noth und Verlegenheit der Delier ſetzen muͤſſen. ⁴) Und doch iſt auf der andern Seite der Polyidos vielleicht nur einige De⸗ cennien aͤlter als das Orakel, und beide ſtehen mithin zu nahe, um nicht dieſes Zuſammentreffen fuͤr mehr als zufaͤllig zu halten; ja wer ſollte ſich nicht gern auch hier den Dichter im Einverſtaͤndniſſe mit dem Gotte wuͤn⸗ ſchen.— Uebrigens war keiner von beiden Erfinder des Problems; ſchon
*) Platos erſte Reiſe nach Steilien fällt um 389, die zweite 364 vor Chr. Setzt man zwiſchen beide die Ankunft der Delier, die ſeinen Rath begehrten, ſo war damals Eu⸗ ripides ſchon 15 bis 20 Jahre todt; er ſtarb nämlich 406.


