Aufsatz 
Ein Beitrag zu einer Biographie Max von Schenkendorfs / von Drescher
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Sie finden in diesen Gedichten die Bilder, welche in den letzten Jahren Tag und Nacht meiner Seele vorgeschwebt haben. Der Kunstwerth ist gering, aber meine ehrliche deutsche Meinung muss doch sich daraus kundgeben, und diese bewirkt mir dann wohl ein nachsichtiges Urtheil.

Es war so viel geschehen im Kriege da bildeten die Menschen sich ein, sie hätten es gethan und gemacht, ganz vergessend, dass Gott nicht in gemachten Tempeln wohnt. Dieser Hochmuth ist nun von Rechtswegen bestraft, und alle sind gefallen, damit keiner sich rühmen darf. Es thut einem deutschen Herzen freilich weh, dass die Stämme unsers Volks, die nach so langer Trennung ihre Arme sehnsüchtig einander entgegenbreiteten, auf's neue so teuflisch verhetzt sind. Das soll uns aber den Blick auf das Ziel nicht trüben, oder uns gar an unserm Ziele irre machen. Rückwärts geht Gott und die Zeit nicht also in Gottes Namen vorwärts. Vorn ist Bahn, und zu thun ist noch genug. Wir erleben doch noch, oder unsre Kinder erleben's, ein freies glückliches Vaterland. In Ihre Gewogenheit mich empfehlend mit hoher Verehrung Ihr

unterthäniger Max Schenkendorf.

II. Abschriften aus K. Baedekers Autographensammlung.

An Landrath Baersch. Karlsruh den 11 Junius 1816.

Mein sehr verehrter und geliebter Freund und Br.!

Die beiden freundlichen Zuschriften mit welchen Sie mich, seit ich das holde Moselthal ver- lassen, wahrhaft erfreut haben, habe ich deshalb zu beantworten gezögert, weil ich so gerne Ihnen einiges Bestimmte über mich mitgetheilt hätte. Aber noch immer hängt die Decke über meinem Schicksal, wie sie über dem Herzen der Kinder Mosis hängt. Auch auf Ihren Brief Koppe hat dieselbe Geschichte auch in Coblenz debitirt und auf einen den ich ihm geschrieben, kann sich Hr. v. Reiman nicht besinnen dass er mich in Coblenz gesprochen, und dass ich aktenmässig von Sack zu Solms versetzt bin. Sie erkennen die Säcke! Ich habe gleich nach meiner Ankunft an den Kanzler geschrieben und werde meinem früheren Entschlusse getreu, so wie ich nur ein offizielles Wort vernehme den König um Remedur und den Ober-Praesidenten um Urlaub bitten. Früher kann ich weder das eine noch das andere, und nahmentlich kann ich dem Letzteren blos auf Privatnachrichten und Klätschereien hin keine Autorität über mich einräumen. In der Zeit der Formlosigkeit, und wann die Behörden den Anstand vergessen, ziemt es dem Einzelnen die Form wie die persönliche Ehre, die äussere wie die innere, und die Freiheit desto strenger aufrecht zu halten. Das ist von jeher meine Art gewesen, um so weniger kann ich mich in einem ent- scheidenden Zeitpunkt davon entfernen. Wir sehen uns aber gewis noch, denn meine Frauen müssen den Rhein sehen u. wahrscheinlich gehe ich, wenn ich nach Magdeburg muss, durch Westphalen. Dann erhalten Sie auch Ihre Schriften, die in einem Kasten im v. Grooteschen Hause stehen, und die ich nicht gerne von andern öffnen liesse, da sie ausser vielen Briefen meiner Frau die höhern Grade der Kgl. Kunst enthalten.

Es thut mir recht wohl nach der langen Trennung u. dem Herumschweifen die Familien- freuden wieder zu geniessen, um mich ganz in meine Liebsten wieder hineinzuleben, denn das ist immer nöthig und heilsam, weil der einzelne Mensch sich nur zu sehr in Angewöhnungen, Ansichten und Eigenheiten isolirt. Darum ist es nicht gut, dass der Mensch allein sey!