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giebt, unter welchen Voraussetzungen sein Sehnsuchtstraum sich verwirklichen könne.— Ebenso- wenig wie die Sehnsucht nach der Wiedererstehung von Kaiser und Reich war ihm die Idee der Freiheit zur vollständigen Klarheit erwacht, wofür sein berühmtes Lied„Freiheit, die ich meine“ ein unwiderlegliches Zeugnis ablegt.— Gerade diejenigen seiner Lieder, die allgemeine Ideen zum Gegenstand haben, zeigen uns den Dichter am meisten unter dem Einfluss der schwärmerischen Richtung der romantischen Schule, während in den Dichtungen, die sich an bestimmte Persönlich- keiten oder an pestimmte geschichtliche Ereignisse anlehnen, die Neigung zum Schwärmerischen entweder durch den Schwung hoher Begeisterung oder durch individualisierende, plastische Natur- malerei glücklich überwunden erscheint.— Aber trotzdem wir anerkennen, dass Schenkendorf nicht mit der Geistesklarheit und Geistesschärfe eines Arndt sein vorgestecktes Ziel verfolgt, so vermögen wir doch keineswegs in das Urteil einzustimmen, welches der bekannte Romantiker Eichendorff in seiner„Geschichte der poetischen Literatur Deutschlands“ ¹) über den Dichter dahin abgiebt:„Es ist einer der liebenswürdigsten und unschuldigsten Romantiker, der nichts fördert oder modifccirt, aber alle romantischen Elemente getreu und ohne irgend einen trübenden Hauch von Ironie oder Affectation in reiner Seele noch einmal wiederspiegelt. Es ist wie der Nachsommer der scheidenden Romantik, schon etwas herbstlich verblasst, mehr wehmütig als verheissend. Er gehört zu den Dichtern, die man beziehungsweise die passiven nennen könnte, weil sie weniger erfinden, als das Erfundene innig nachempfinden.“—„Mag man den Dichter einen„passiven“ nennen, insofern er bei der Schmach des Vaterlandes von der Vergangenheit ehrenhafter Grösse den Trost für die Zukunft borgt, seine Begeisterung ist eine ureigene, nicht anempfindelte, die ihn mit Feuer ergreifen lässt, was sein Lied gestaltet. Sein Lied ist Schöpfung des bestimmenden Augenblicks; daher das Unmittelbare und Gegenständliche, was den meisten seiner Schöpfungen den eigentümlichen Stempel aufdrückt. Uns erscheint der Vorwurf der Passivität ebenso ungerecht wie der Vorwurf des Mangels an Originalität. Nicht„mehr wehmütig wie verheissend“, sondern neu belebend weht es uns aus seinen Gesängen entgegen, die hohe Begeisterung mit versöhnlicher Milde in harmonischer Vereinigung durchdringt.“¹²)„Es ist die deutsche Gemütsinnigkeit, die Kraft in der Milde, der Mut in der Demut, das sich versenkende Naturgefühl, die Verehrung des Reinen, Zarten und Lieblichen in den Prauen, es ist die Erfüllung der Seele mit den schönsten Bildern der deutschen Vergangenheit und mit den tiefsten Ahnungen der Zukunft, es ist die christliche Frömmigkeit, die überall aus seinen Liedern uns anspricht.“ Uns ist der Dichter eine der erhabensten und edelsten Gestalten aus der Zeit der Freiheitskriege, die Gut und Blut für die heilige Vaterlandssache geopfert und durch ihr ganzes Leben und Streben, Denken und Dichten jener grossen Zeit den Stempel und das Siegel der Weihe aufgedrückt haben.
Und in diesem Sinne hat denn auch die Mitwelt in richtiger Würdigung seiner hervorragenden Geisteseigenschaften dem früh entschlafenen Freiheitskämpfer und Dichter die wohlverdiente An- erkennung nicht versagt. Dies beweisen unter anderem die zahlreichen Lieder, die von Freundeshand als Totenkränze auf sein Grab niedergelegt worden sind; dies beweist das am 11. Dezember 1861 vom deutschen Volke zu Koblenz dem Rheinhüter und Kaiserherold gesetzte Denkmal, mit welchem dem deutschen Manne eine Huldigung dargebracht und eine Schuld abgetragen worden ist, deren das Vaterland sich schon früher zu entledigen hatte. Und so möge denn dieses Denkmal, die Erz- büste des Dichters, dem Rheine zugewendet, getragen von einer Marmorsäule, auf der über Leier
1) 2 Bde., 2. Aufl., Paderborn, 1861, II pag. 142. 2) nach Hagen pag. 93, 94.


