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heroldes Kaspar Sturm ankaufen wollten? Die Stadtverwaltung hatte„kein Geld“. Und so brachte Herr C. Bindernagel das Opfer und kaufte den stattlichen Zweihänder für 45 Gulden, damit die Waffe, unter deren Schutz Luther 1521 hier einge- zogen war, nicht ins Ausland mußte. Und genau so stand es mit den überreichen Archivbeständen der Stadt, die 1260 einsetzen. In meiner Geschichte des Städtischen Archives zu Friedberg ³7) habe ich gezeigt, wie Dieffenbach alles daransetzte. um zu retten, was noch zu retten war. Jedoch verlorene Liebes- müh. Die Stadt regte sich nicht. Und heute ist denn auch der weitaus wertvollste Teil des Archives nicht mehr in Fried- berg. Dagegen eines unserer wertvollsten Stadtbücher, ein Kopialbuch des 14./15. Jahrhunderts, seit 1855 im Besitze des Britischen Museums in London!
Trotz dieser traurigen Zustände aber, trotz dieses geringen Gemeinsinns der Bürgerschaft und trotz jeden Mangels der Stadt- verwaltung für höhere Interessen ging Johann Philipp Dieffen- bach dennoch mutig und ohne Bitterkeit seinen Weg, voller Zuversicht, daß die Saat, die er gesäet, doch einmal aufgehen und Früchte tragen werde. Strahlend schaute dieser gütige Mann in die Zukunft und schloß sein Lebenswerk, die„Ge- schichte der Stadt und Burg Friedberg“, gleichsam segnend und betend mit folgenden Worten:
„Nur, wenn im Hause ein schönes Familienleben herrscht, kann Kirche und Schule Tüchtiges wirken. Wenn aber zu Hause kein Blick nach oben, keine Genügsamkeit, kein Fleiß, keine Ordnung bemerkbar ist; wenn Alles nur nach Genuß strebt; wenn oben Kurzsichtigkeit und Eigennutz lenken: dann kann weder Gutes gesäet werden, noch Blüthe zu Tage kommen. Möge der Himmel die Stadt vor solchem Treiben bewahren! Möge er sie zu einer wahren Blüthe gelangen lassen!“
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Neus 50 Jahre nach Johann Philipp Dieffenbachs Tod, steht Friedberg schöner da, wie je zuvor. Die ein- engenden Mauern sind gefallen. Südlich der Ludwigstraße und Ockstädter Landstraße etwa, wo mit dem„Inneren Mainzer- tor“ das(römische und) mittelalterliche Friedberg abschloß, ist ein stattlicher neuer Stadtteil entstanden. Seine schmucken Häuser gehen jetzt sogar auch über das Bereich des einst weit ausholenden Mauerringes der im Mittelalter kaum bebauten


