— 9
„Mainzertorvorstadt“³s⁸) hinaus, in die man, von Mainz und Frankfurt her, durch das„Aeußere Mainzertor“ ³) gelangte. Fürwahr, Friedberg hat sich in den letzten 15 Jahren prächtig entwickelt. Handel, Wandel und Gewerbe blühen, ohne daß dabei höhere Interessen verkümmerten. Man ist sogar auf dem besten Wege, all das wieder gut zu machen, was zu Dieffenbachs Leidwesen an den Altertümern aus der glanzvollsten Zeit Friedbergs gesündigt wurde
Den entscheidenden Schritt tat Gymnasialdirektor Dr. Th. Goldmann 1896 mit der Gründung des„Geschichts- Wund Altertumsvereins“ ⁴⁰) und des Museums, das sich aus kleinen Anfängen seit 1902 ⁴¹) unter der rührigen Leitung von Professor Paul Helmke ungeahnt entwickelt und nun(Usa- gasse 38) in 5 Räumen eine prähistorische ⁴²), römische, fränkische, mittelalterliche und neuzeitliche Abteilung aufweist. Die Be- strebungen des Geschichtsvereins ⁴3), nämlich 1) Förderung der Forschung auf dem Gebiete der Altertumskunde und Geschichte von Friedberg und der Wetterau, und 2) Erweckung und Pflege des Sinns für die Geschichte der Heimat, wurden von unserer Stadtverwaltung, besonders seit der ersprießlichen Tätig- keit von Herrn Bürgermeister Baurat a. D. Karl Stahl¹), stets einsichtsvoll gefördert. Die Stadt ist heute sogar Miteigen- tümerin der wertvollen Sammlungen unseres Wetterauer Museums, dessen Besucherzahl ständig wächst. Die Gründung der„Fried- berger Geschichtsblätter“ 1909 ⁴5) und die durch mich erfolgte Neuordnung des Stadtarchives 1907—10 stützte sich gleichfalls wesentlich auf das Wohlwollen von Stadtverwaltung und Bürgerschaft 46). Verhältnisse, die Dieffenbach schmerzlich vermißte.
Soll aber hier nun wirklich etwas Bleibendes und Zukunft- verheißendes geschaffen werden, dann muß ein Gebäude zur Verfügung gestellt werden, wo Museum und Archiv(nebst Bibliothek) gemeinsam Unterkunft finden können. Denn abge- sehen von den Ausgrabungen auf der Capersburg 4⁷) stehen zahlreiche weitere Funde aus der Wetterau für unser Museum in Aussicht. Und unser Archiv soll außerdem die reichen Fried- berger Bestände ⁴⁸) des Darmstädter Staatsarchivs zurückerhalten. Museum und Archiv haben aber nur dann Anspruch auf diese Berücksichtigung, wenn die augenblicklich mißlichen Raumver- hältnisse beseitigt sind. Versäumt Friedberg jetzt wider Erwarten den richtigen Zeitpunkt, dann bleiben Museum und Archiv trotz aller bisherigen Opfer für immer Stümpfe ohne Aeste.
Möge die Erfüllung der hier ausgesprochenen Hoffnung ein weiterer Beweis dafür sein, daß der guten alten Zeit, in der Dieffenbach lebte, tatsächlich eine bessere neue gefolgt ist.


