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die Betätigung an der Crefelder Armenschule. Fünf Jahre wirkte Dieffenbach segensreich in Crefeld. Aber der allgemach ver- stärkt einsetzende Druck des französischen Joches erweckte in Dieffenbachs treudeutschem Herzen ein unwiderstehliches Heim- weh nach dem alten Vaterland.„Sollte nicht einst die Stunde schlagen, wo der Funke, der in der Asche verborgen liegt, zur Flamme auflodert, um die unterdrückte Menschheit zu retten? Der Mensch verliert die goldene Hoffnung nicht.“ So schrieb der zum Manne herangereifte am 10ten April 1811 im„heiligen Köln“, auf dem Heimwege nach Gießen. Hier errichtete Dieffenbach alsbald, von verschiedenen Seiten aufgefordert und ermuntert, eine Mädchenschule und beschäftigte sich daneben von neuem emsig mit dem Studium der Theologie. Seiue Ab- sicht, zu promovieren, scheiterte, weil er den 21ten März 1812 als Erzieher des 1806 geborenen, späteren Großherzogs Ludwigs III. († 13ten Juni 1877) nach Darmstadt berufen und zum Rat ernannt wurde. Aus Brieten Dieffenbachs geht hervor, daß er es für seine Hauptaufgabe hielt, die Seele des Prinzen mit wahrhaft deutscher Gesinnung zu tränken. Die Schmeichler wollte er ihm von der wahren Seite zeigen, ohne daß der Glaube an die Mensch- heit erschüttert würde. Und weiterhin nahm Dieffenbach sich vor, seinen Zögling immer und immer wieder auf das„holde Antlitz unserer gütigen Mutter Natur“ hinzuweisen. Kenntnisse kamen nach Dieffenbachs Ansicht erst in zweiter Linie als Ziel in Betracht. Einen hübschen Einblick in Dieffenbachs Charakter gibt uns außerdem sein Tagebuch von 1812, wo sich gegen Ende des jahres folgender Eintrag findet:„Ich will nicht ver- gessen die Hand, die mich leitet, wie die liebende Mutter sorg- sam den Säugling führt. Menschen zu lieben, Gutes zu thun, treu der Pflicht zu leben, das vergesse meine Seele nicht“ Dennoch lastete die hohe Verantwortung dem Vaterlande gegen- über und die Unmöpglichkeit, begonnene Studien weiterzuführen, bald lähmend auf Dieffenbachs Schaffensfreude und heiterem Wesen. Dieffenbach war auch viel zu derb und offen, als daß er sich in der neuen glanzvollen Umgebung hätte dauernd wohl- fühlen können. Und so finden wir Dieffenbach am 18ten Juni 1815, nach dreieinvierteljährigem Aufenthalt in Darmstadt, wieder auf der Reise nach Gießen, wo ihm der Landesherr am 1ten Mai 1815 eine außerordentliche Professur für Geschichte übertragen hatte. Da diese Professur nicht mit Gehalt verbunden war, kam am lten April 1816 eine vom Erbprinzen Ludwig II. ausgesetzte Pension von alljährlich fünfhundert Gulden sehr gelegen, denn nun konnte Dieffenbach, am 10ten Mai 1816, seine 5ten Januar 1798 geborene Braut Theodore ¹³), Tochter des Gießener Botenmeisters Ludwig Schefer ¹⁴), als Gattin heimführen. In diesem Jahre er-


