Jern Philipp Dieffenbach der Jjüngere ¹⁰), Schulmann und
Historiker, wurde 2ten Juni 1786 zu Dietzenbach im Kreis Offenbach(Main) als neuntes Kind des dortigen Pfarrers Johann Philipp Dieffenbach des Mittleren ¹⁰) geboren. Seine Mutter, Sophia Magdalena Sparschneider, † 6. Januar 1841 zu Gernsheim, war die zweite Frau seines Vaters. Seit 1797 be- suchte Dieffenbach das Gymnasium in Darmstadt und verließ am 13ten April 1804 dies Pädagogium, um in Gießen Theologie zu studieren. Allein bald erhielt der blutjunge Student infolge von Streitigkeiten das Consilium abeundi und verlor überdies am 16ten März 1805 seinen Vater. Im Herbst 1805 durſfte freilich der unerfahrene, vom Schicksal plötzlich so hart angefaßte, nun mittellose Student wieder nach Gießen zurückkehren. Jedoch ein neuer Jugendstreich zwang dem kernigen Stürmer und Dränger im März 1806 den Wanderstab in die Hand. Zwei Krontaler, eine geborgte Flöte und etwas Weißzeug war all sein Hab und Gut. Köln, Deutz, Neuß, Crefeld, Düsseldorf, Solingen und Elberfeld berührte er planlos, in buntem Wechsel, auf die Hülfe eines Bruders, auf mitleidige Verwandte und deren Be- kannte angewiesen. Schier wollte er verzagen. Da fügte es ein glücklicher Zufall, daß Dieffenbach in Crefeld festen Boden unter die Füße bekam. Der dortige reformierte Prediger Heil- mann empfahl ihn nämlich anfangs Juni 1806 den Eltern seiner Schüler, und schon nach wenigen Wochen hatte Dieffenbach eine Privatschule ins Leben gerufen, die ihm sicheren Rückhalt gab. Mit Begeisterung übte Dieffenbach hier den Beruf eines Lehrers aus und vertiefte und erweiterte in rastlosem Eifer und mit eisernem Fleiß sein Wissen. Und so ist es erklärlich, daß die von Dieffenbach gegründete Anstalt sich bald eines guten Rufes rühmen durfte. Damals zog ihn die Geschichte,„die schönste der Wissenschaften“, wie er sie in seinen Tagebuch- aufzeichnungen(1811) nannte, für immer in ihren Bannkreis 1¹1¹). Eine Zeitlang hatte Dieffenbach auch noch, was seiner allge- meinen Bildung zugute kam, die Schriftleitung des Crefelder Wochenblattes 1ꝛ) Und außerdem förderte ihn als Schulmann
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