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dingungen abhängig zu denken ſei, welche Bedingungen ſie aber in den meiſten Fällen nicht ausſpricht, ſondern nur fühlen läßt, ſo daß alſo dr eigentlich jedesmal einen eine Bedingung enthaltenden ganzen Satz in ſich ſchließt.“ Ebenſo ſchreibt Roſt ³²) in der neueſten Ausgabe ſeiner Grammatik:„Der Grundbegriff der Partikel à*(ꝛ2) beſteht darin, daß ſie den Inhalt des Satzes, dem ſie einverleibt i*ſt, nicht an und für ſich, ſondern nur unter einer Vorausſetzung als gültig erſcheinen läßt und auf dieſe Vorausſetzung hindeutet.“ Auch Kühner ³³), Krüger ³¹²) und viele Andere ſind ähnlicher An⸗ ſicht.— Wir ſehen alſo: Männer, die in der Kenntniß des Geiſtes und der Geſetze der griechiſchen Sprache für Autoritäten gelten, haben die Bedeutung unſerer Partikeln dahin erklärt, daß ſie die Bedingtheit der Ausſage bezeichnen. Der Erſte, der dieſer allgemein herrſchenden Anſicht entgegen getreten iſt, iſt W. Bäumlein. Derſelbe geht davon aus, daß bei der Annahme, dν und e„ hätten die angeführte Bedeutung, in gar vielen Stellen der hypothetiſche Vorderſatz ergänzt werden müßte 35). Bäumlein bemerkt mit Recht, eine Ellipſe dürfe man nur da annehmen, wo ſie nothwendig, nicht, wo ſie nur einfach möglich iſt; nothwendig ſei aber eine Ellipſe nur anzunehmen, wenn die gram⸗ matiſche Conſtruction ein Satzglied oder einen ganzen Satz zu ihrer Ergänzung erfordere, und dieſes iſt nach ihm nur dann ſicher der Fall, wenn der regierende Satz zu ergänzen ſei, der regierte aber durch ſeine Conſtruction ſich als abhängig und unvollſtändig erweiſe. Wir erwidern darauf: Es iſt durchaus nicht nothwendig, in den Sätzen mit eine Ellipſe im obigen Sinne des Wortes an⸗ zunehmen; aber es iſt auch nicht nöthig, irgend einem Satze jedesmal alle die verſchiedenen Umſtände der Zeit, der Urſache, der Bedingung u. ſ. w., die ihn vollſtändig verſtändlich machen, förmlich bei⸗ zufügen, weil dieſe Umſtände ſchon in dem Vorhergehenden oder in der allgemeinen Erfahrung hin⸗ länglich enthalten ſind und darum leicht ergänzt werden können. Ein Satz kann grammatiſch voll⸗ ſtändig ſein und erhält doch ſein Verſtändniß erſt aus dem Zuſammenhange der Rede. So bedienen wir uns ja auch im Deutſchen vielfach unvollſtändiger Redensarten, z. B.: Ich dächte; ich wünſchte; man ſollte glauben; man könnte zweifeln; er wäre faſt geſtorben und dergl. Bei allen dieſen Redens⸗ arten iſt die förmliche Beifügung der Vorausſetzung, unter der man ſie macht, durchaus nicht er⸗ forderlich, weil ſie ſich von ſelbſt verſteht. Wenn Bäumlein ſodann a“y eine ſelbſtſtändige Bedeutung ³⁰) beilegen zu müſſen glaubt, ſo können wir dieſer ſeiner Anſicht durchaus nicht beipflichten; dy iſt viel⸗ mehr ein Correlativum, dem Gebrauche nach verwandt mit unſerm deutſchen„ſo“, welches zur An⸗ reihung des Nachſatzes an den Vorderſatz dient, der Bedeutung nach mit unſerm„dann“ in ſeiner Zurückbeziehung auf ein„wann“; es weiſt immer auf einen anderen Satz zurück, mag er nun aus⸗ drücklich daſtehen oder in Gedanken, ſei es aus dem Zuſammenhange oder aus der allgemeinen Er⸗ fahrung, ergänzt werden müſſen. Vergl. Roſt ³7). Dieſes gibt Bäumlein auch ſelber zu, wenn er S. 83 von einer natürlichen Correlation zwiſchen„ und der Bedingung ſpricht. Auch Hartung 3) bemerkt:„In dieſer Annahme(daß àr in den hypothetiſchen Sätzen ſeine häufigſte und vorzüglichſte Anwendung finde) kann uns das nicht ſtören, daß die Partikel oft auch in einzeln ſtehenden Sätzen auftritt. Denn wir wiſſen, daß allen reſponſiven Partikeln ein ausgebreiteter elliptiſcher Gebrauch zuſteht, und es iſt nicht ſchwer zu erkennen, daß zu Sätzen, wie oun à„ ,olyy und anderen, ein Vorderſatz, etwa ed 5z0½1etc. in Gedanken ſupplirt wird. Nicht einmal das kann uns irre machen,
32) Griechiſche Grammatik von Dr. Val. Chriſt. Friedr. Roſt, ſiebente Auflage(1856) S. 607. 33) Ausführliche Grammatik von Kühner§. 453. 34) Griechiſche Sprachlehre von Krüger, zweites Heft, S. 310. 35) Unterſuchungen über die griechiſchen Modi und die Partikeln ²ey und dy von W. Bäumlein S. 51 ff. 36) S. 53. 37) S. Seite 607. 38) Partikellehre von Hartung, II. Thl., S. 224. 2


