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schulsaale. Oberlehrer Lindemann hatte sich dabei die Aufgabe gestellt, die hemmenden und fördernden Einflüsse des öffentlichen Lebens auf die Erziehung der Jugend nachzuweisen und zwar im Hinblicke auf das Familienleben, wie auf die gewerblichen, finan- ciellen und ästhetischen, religiösen und politischen Verhältnisse. Die Deklamationen der Schüler O. Müller(Kl. V), A. Martin(Kl. III) und M. Graf(Kl. I) und der Vortrag einer drei- stimmigen Motette vom Gesangschore waren bestimmt, den patriotischen Charakter des Fest- tages zu weiterer Geltung zu bringen.
Die schriftlichen Michaelisprüfungen fanden in den Tagen vom 14. bis 16. September statt. Eine mündliche Prüfung wurde, den diesbezüglichen Bestimmungen des Gesetzes ent- sprechend, nicht abgehalten. Die Censurverteilung und der Semesterschlufs erfolgten zugleich mit der Entlassung der oben erwähnten drei Schüler aus Kl. Ie am 22. September.
Alsbald nach Beginn des Winterhalbjahres mufste wegen des immer drückender em- pfundenen Raummangels an den Stadtgemeinderat der Antrag gestellt werden, daſs wenigstens für die fünfte, stärkste Klasse ein geräumigeres Zimmer aufserhalb unseres interimistischen Schulgebäudes beschafft werde. So unbequem für alle Beteiligten das Auseinanderliegen der Unterrichtslokale auch erscheinen mufste,— unter den obwaltenden ungünstigen Verhältnissen konnte es dennoch nur mit Dank begrüfst werden, dals durch das Entgegenkommen des Schul- ausschusses uns ein allerdings bescheidenes Zimmer im Erdgeschoſs der Bürgerschule eingeräumt, wurde. Freilich erweist sich das schon seit mehr als Jahresfrist nachdrücklichst geltend ge- machte VSTrlangen der Realschulkommission nach Errichtung eines eigenen neuen, zweckent- sprechenden Gebäudes als eine füglich nicht länger von der Hand zu weisende Forderung. Zwar hat der Stadtgemeinderat in öffentlicher Sitzung vom 19. Januar ds. J. durch Beschluls anerkannt,„daſs man den Neubau einer Realschule bei der gegenwärtigen Sachlage für höchst zweckmäſsig und wünschenswert erachte und zur Ausführung eines solchen nach den vorliegen- den Plänen verschreiten wolle,“ allein die im Interesse gedeihlichen Fortbestandes und erspriefs- licher Weiterentwickelung sehnlich zu erhoffende endgiltige Entscheidung der Baufrage steht noch immer aus. Wir glauben aber, dem Ziele unserer Wünsche durch die bereits gepflogenen Verhandlungen näher gerückt zu sein, und beschränken uns an diesem Orte lediglich darauf. an die bereits in dem 5. und 6. Jahresberichte enthaltenen Bemerkungen zu erinnern. Für die weitere Entwickelung der Anstalt, ja für deren Bestand überhaupt ist die alsbaldige und entscheidende Beschlufsfassung der städtischen Behörden geradezu eine Lebensfrage. Wenigstens legen die Befunde wiederholter Untersuchungen des von der Anstalt bereits seit Michaelis 1876 benutzten Privathauses— Gutachten des Kgl. Bezirksarztes Herrn Dr. med. Riedel vom 20. Oktober 1882 und des Herrn Maurermeisters Lifsner hier vom 24. Februar 1883— den dringenden Wunsch nahe, es möge der Mietskontrakt, welcher mit dem 1. Oktober nächsten Jahres abläuft, nicht über diese Frist hinaus verlängert werden.— Über die fernere Benutzung der dem hiesigen Turnvereine zugehörenden Turnhalle durch die Realschule ist inzwischen unter den bisherigen Bedingungen der Vertrag erneuert worden.
Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war Gott sei Dank im Ganzen ein verhältnismäſsig nicht ungünstiger. Seit ihrem Bestehen hat die Schule noch kein einziges ihrer Glieder durch den Tod verloren. Mit um so innigerer Teilnahme erfüllte uns die Nach- richt von dem erschüttéernd plötzlichen Hinscheiden eines früheren wackeren Schülers, des erst an vergangenem Ostern zum Postdienste übergegangenen Gustav Kothe in Reichenau. Die


