Aufsatz 
Das Wort. Eine Rede
Entstehung
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Wen der Vater nicht zieht D, wem es der Vater nicht gegeben hat †d), wer das eherne Stirnband um das verdonnerte †rt) Haupt trägt, in deſſen Ohren wird der Geiſt zu Fleiſch, wie im Munde des Midas das unachaſten Brod zum unkaubaren Metallſtück.

Kein Menſch kann für die Wirkung des Wortes einſtehen; denn weder der Hi⸗ rende kann denken, was er will, noch der Sprechende die beſondern Bedürfniſſe des Hörenden erkennen und befriedigen: der Glaube, ſpricht der Apoſtel, iſt nicht Je⸗ dermanns Ding tirt), und Chriſtus: Der Wind bläſet, wo er will, und du höreſt ſein Sauſen wohl, aber du weißt nicht, von wannen er kommt, und wohin er fährtz alſo iſt ein jeglicher, der aus dem Geiſt geboren iſt. Auch hier pflanzt der Menſch nur und begießt, aber Gott giebt das Gedeihen, deſſen Welt nach dem Wohlgefallen ſeiner Gnade alſo bereitet ſteht, daß aus Böſem Gutes und aus Gutem Böſes hervorgeht; von welchem, durch welchen und für welchen alle Dinge ſind, deſſen Rath wunderbar iſt, und es herrlich hinausführtz denen aber, die ihn lieben, dienet Alles zum Beſten.

Allein für menſchliches Handeln gilt die Norm, daß das Gute nur durch das Gute gewirkt werde, und uns iſt die Aufgabe geſtellt, nur das gute Wort zu ſprechen, nur auf das gute Wort zu hören, das heißt dasjenige zu ſprechen, und auf dasze⸗ nige zu hören, was wir als ein gutes erkannten; denn Alles, was nicht aus Glauben kommt iſt Sünde tirtt), ſagt Paulus. Unſer unabläſſiges Streben muß dahin gehen, in unermüdlichem Jagen nach der Heiligung die Wahrheit ſo klar als möglich zu ſchauen, ſo klar und angemeſſen für die Hörenden als mög⸗ lich zu ſprechen, und unſer Inneres ſo empfänglich für ſie als möglich zu machen. Iſt der Menſch ſich bewußt, dahin aus allen Kräften getrachtet zu haben, und fördert gleichwohl das Reich ſeines Mörders vom Anfange her, ſo wird Gott un⸗ ſerer Schwachheit gnädig ſeyn, und wir mögen mit dem Apoſtel uns beruhigen: Un⸗ ſer Troſt iſt der, daß wir ein gutes Gewiſſen haben.

1) Joh. 6, 44.

†t) Joh. 6, 66. ttt αᷣεαᷣινττο⁹. / †††) 2 Theſſ. 3, 2. ttitt) Röm. 14, 23.