Aufsatz 
Geschichte des evangelischen Gymnasiums A.B. in Hermannstadt
Entstehung
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Jedenfalls hätte dieser reiche Bücherschatz in den späteren Zeiten eine grössere Sorgfalt ver- dient, als ihm oft zu teil wurde. Nach ihrem gegenwärtigen Bestande zählt die Bibliothek von Druckwerken aus der Zeit bis 1480 75 Werke mit 96 Bänden, aus der Zeit von 1480 90 93 Werke mit 105 Bänden und von 1491 1500 101 Werke mit 109 Bänden. ¹) Zur Aufnahme der Bibliothek wurde die an die Schule angrenzende Kapelle des heil. Märtyrers Stefan eingerichtet.

Zum Andenken an die Verdienste Huets liess Deidrich eine Denktafel mit der Inschrift: Instauratori scholae Cibiniensis Domino Alberto Huttero Judici Regio Cibiniensi prudentissimo nobilissimoque viro literarum literatorumque amantissimo maecenati suo colendo M. Georgius Deidritius, setzen. Eine zweite Denktafel lautete: Instauratum consule D. Ioanne Bavaro; judicibus: Regio: D. Alberto Huttero, sedis: D. Luca Enyeter, Pastore: R. D. Petro Lupino, Rectore: M. Georgio Deidritio Anno S. MDXCII. In der Vorhalle war unter dem Emporium ein Denkstein mit Huet's Wappen und der Inschrift: Porta patens esto, nulli claudaris honesto. Arma: Toga: Patriique Lares aucta per Albertum Huet, Judicem regium Cibiniensem 1595.²) Diese Bibliothek wurde bis zum Jahre 1865 in der Kapelle aufbewahrt. Bei der Erweiterung der Unterrealschule zu einer vollständigen Realschule wurde die Kapelle zu Schulzimmern adaptiert und die Bibliothek in dem östlichen, über der Sakristei gelegenen Teil der Kirche unter- gebracht, dann im Jahre 1879, um sie allgemeiner zugänglich zu machen und in geregelter Weise zu verwalten, der Brukenthal'schen Bibliothek einverleibt.

Deidrichs Wirksamkeit an der Schule dauerte nicht lange. Seine Berufung zum Rektor hatte den Lektor Lucas Hermann verdrossen. Dass der Rektor bei den Jesuiten Messe gehört, dass er beim Papst gewesen, vom Kardinal Madrucius eine Korallenbetschnur erhalten hatte, die ihm so wertvoll war, dass er lieber Vater und Mutter verlieren wollte, als diese, konnte Hermann ihm nicht vergessen, um so weniger als Deidrich meinte, er sei in Rom gewesen und habe dem Papst die Füsse geküsst»teils aus Neugierde, teils aus Unterwürfigkeit.« Der Lektor warf ihm vor: also bist du ein Abtrünniger geworden, denn dieses durftest du nimmermehr thun. Er verfasste Schmähschriften gegen den Rektor, erzählte weiter, was er von demselben über die Begegnung mit dem Papst wusste, und wo er konnte, redete er Böses über»den Lotter- schalk, den groben Pauren, den Wassermeister im Granatkleidchen, den losen Schelm«. Selbst am Kirchengestühl fand der Rektor einmal die Worte: qualis est ille magister. Da klagte endlich der Rektor seinen Kollegen wegen Verleumdung an. Der Spruch des Kapitels(vom 13. Mai 1593) lautete dahin, dass Deidrich, nachdem er durch Eid und Unterschrift seinen rechten Glauben, die Augsburger Konfession bekräftigt habe, von dem Angeklagten beleidigt worden sei; dieser(Luk. Hermann) wurde als Verfasser von Schmähschriften, als böswilliger Verleumder seines Amtes entsetzt. Er blieb es auch trotz des Versuchs, durch fürstlichen Befehl eine Er- neuerung des Prozesses zu erreichen. ¹)

Der Prozess, der auf das Privatleben des Rektors einige Schatten warf, kostete auch ihn sein Amt. Schon im Januar 1593 ist Leonhard Basilius Rektor der Schule. Deidrich kam im Jahre 1594 als Pfarrer nach Tekendorf, wurde aber im Jahre 1598 seines Amtes entsetzt. Basilius verliess die Schule schon im Jahre 1594 und nun scheint die Stelle des Rektors einige Jahre unbesetzt geblieben zu sein, wohl aus Mangel an geeigneten Männern. Indessen schritt man fort in der besseren Einrichtung der Hermannstädter Schule. Zur Vergrösserung der im Jahre 1545 neu gebauten Schule wurden die zwei anstossenden Häuser des Georg Dahlert und Stephan Serrator

¹) Ver.-Arch. XIV.

²) Schwarz II, S. 25.

³) Ver.-Arch. XVII, S. 35.