seiner Disputationen und Reden, auch ein fünf Bogen umfassendes Gedicht, Hodoeporicon, das eine Beschreibung der Länder und Städte, die er auf seiner Reise kennen gelernt hatte, enthielt und dem Königsrichter Albert Huet gewidmet war, veröffentlicht hatte, erwarb er 1589 die Magisterwürde. Von Strassburg zog er zuerst nach Wien und unternahm dann eine Reise nach Italien. In Rom wurde er durch einen besonderen Zufall bekannt. In eine lockere Gesellschaft geraten, wurde er mitverhaftet. In dieser Verlegenheit schickte er einem ihm vielleicht von seinem Aufenthalt in Klausenburg bekannten Prior ein lateinisches Gedicht, welches die erwünschte Wirkung hatte. Er erhielt nach einigen Tagen nicht nur seine Freiheit zurück, sondern wurde auch vom Papst zur Audienz befohlen, welcher ihm bei dieser Gelegenheit sein Missfallen über die Vertreibung der Jesuiten durch den Siebenbürger Landtag aussprach. Doch muss Deidrich viele Gnade bei dem Papst gefunden haben, denn dieser liess ihm sein Bildnis ins Stamm- buch malen und schrieb darunter die Widmung: Sixtus V. Pont Opt. Max. scribebat Georgio Deidritio filio suo charissimo. An diesen Aufenthalt in Rom knüpfte sich später der Prozess Deidrichs mit dem Lektor Lucas Hermann. ¹)
Als Deidrich im Jahr 1591 in sein Vaterland zurückkehrte, erhielt er das Rektorat in Hermannstadt. Gewiss hat er in dem Geiste, wie er in Strassburg unterrichtet worden war, auch an der Hermannstädter Schule gewirkt.
In seinen Bemühungen, das Hermannstädter Gymnasium immer mehr zu einem Gymnasium academicum zu erheben, wurde Deidrich vorzüglich durch den Königsrichter Albert Huet, der sich wie um sein Volk, so auch um die Schule unvergessliche Verdienste erworben hat, auf das kräftigste unterstützt. In der Erinnerung an diese Verdienste hat der Platz, auf dem die Schule steht, in unseren Tagen den Namen»Huet Platz« erhalten. Alle Fortschritte, die das Schulwesen Hermannstadts in jener Zeit machte, die passende Unter- bringung der Bibliothek, die Vergrösserung des Schulgebäudes, die Schaffung der Schulgesetze sind seinem Einflusse zu danken. Noch als ein Greis im Alter von 65 Jahren hielt er am 29. März 1602 in dem Auditorium der Schule eine Rede über das Thema: Schola est semi- narium reipublicae. Er sagt in seiner Rede: Dici non potest quanto ferar amore, zelo, quanto animus flagret, spiritus exultet erga artes liberales adeoque totam philosophiam. Quid vero dicam de sacra scriptura, quam a pueritia ABC-darius per catechesin hausi firmissimeque sum complexus. Haec sunt, quae me animant et huc in publicum protrahunt atque officinam hanc mordicans defendere colere me frequentare jubent. Dicturus itaque sum pro hac hora de Schola, quae in valvis januae ejusdem inscribitur Seminarium reipublicae. De qua, quid sen- tiendum, quid utilitatis generi humano adferat, quanti facienda, aestimanda quantum colenda, paulo fusius declamabo. Bei seinem Tode im Jahr 1607 hinterliess er der Schule seine reiche Bibliothek und eine Summe von 900 fl. zur Unterstützung von Jünglingen auf Universitäten. Auch andere Privatbibliotheken gingen durch Vermächtnis in den Besitz der Schule über, so die von Johann Bayer, Mathias Miles, Lucas Unglerus, Andreas Oltard, Martin Huet, Gallus Lutsch und Simon Rihelius; bei der Einführung der Reformation wurde das Dominikaner- kloster aufgehoben, seine Büchersammlung ging in die Stadtbibliothek und dann mit dieser in das Eigentum der Schule über. So war die Schulbibliothek sowohl durch die Anzahl als auch durch den Wert der dort angesammelten Bücherschätze immer bedeutender geworden. Die in ihr enthaltenen Bücher aus der Zeit von 1469— 1500 werfen auf Richtung und Ausdehnung der gelehrten Studien im Lande ein helles Licht. Die meisten von den wertvollen Incunablen der Bibliothek waren wohl schon damals vorhanden, manche sind vielleicht später dazugekommen.
¹) Seivert Nachrichten.


