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wenn Ihr mich für würdig halten solltet, dieses Amt zu versehen, meinen Dienst Euch nicht versagen, wenn ich nicht durch meine kirchlichen Geschäfte daran verhindert wäre. Für Aus- wärtige wollten wir aber mit Gottes Hilfe sorgen. Für die bessere Einrichtung der Studien, für gute Lehrer und für die Erziehung einiger Jünglinge zu dem exangelischen Kirchenamte aus Kirchengütern könnten wir leicht Fürsorge tragen..
Es kommt vor Allem darauf an, ob Ihr Eure Kirchen reformiren wollt und die Absicht habt. dass im Gymnasium die Theologie und die Sprachen vorgetragen und gelehrt werden. Habt Ihr beschlossen, dieses zu thun, so erübrigt, dass Ihr die Sache nicht verschiebt, damit nicht Gott über Euch, wie es zu drohen scheint, seinen Zorn ergiesse, wie er ihn über Deutschland ergossen hat. Dieses ist mein Rath über die Angelegenheiten, welche mir Eure hochansehnlichen Herren vorgebracht haben. Ich unterwerfe übrigens meine Einsicht gerne einer bessern. Ich bitte aber Gott durch Jesus Christus, dass er, wass er durch den heiligen Geist in Euch anfing, auch vollende. Amen. Vieles, wass ich in Bezug auf diesen Rathschluss noch weiss, übergehe ich. Ich habe es theilweise gestern dem Herrn Bürgermeister mitgetheilt, theilweise wäre es dann auseinanderzusetzen, wenn Ihr Euren Vorsatz ausführen sollt. Ich will aber nicht, dass Euch unbekannt bleibe, dass Gott auf viele Art zu Euch gesprochen hat und auch jetzt noch spricht, dass Ihr unter allen Umständen Euren Vorsatz in Angriff nehmet, damit er nicht über Euch, wie über Ungarn und Deutschland(wie ich gesagt habe) seinen Zorn ergiesse. Weiterhin ermahne ich Euch, dass Ihr den Versuchungen des Satans nicht nachgebet, sondern ihnen widerstehet; dann wird er von Euch fliehen, wie der Apostel Jacobus sagt. Vieles übergehe ich wegen der Schwäche meiner Kräfte(ich bin noch sehr schwach), was der Prophet Haggaeus und Zacharias in dieser Beziehung sagen, auch das, was sich findet bei Nehemias cap. 4 und Epheser cap. 6. Euer Hochansehnlichen ergebenster Doctor Franz Stancarus.« ¹)
Diese Ratschläge in Bezug auf die Einrichtung der Schule überstiegen die Kräfte der Hermannstädter, sie sind in diesem Umfange nie ausgeführt worden und gingen auch über die Bedürfnisse jener Zeit hinaus, ebensowenig hat die Anwesenheit des Stancarus den Fortgang der Reformation in dem Sinne der Honterus'schen Schrift aufgehalten, wiewohl die unter dem Superintendenten Hebler durch Stancarus und Davidis veranlassten Streitigkeiten oft störend auf den Frieden wirkten.
In Hermannstadt ist in den nächsten Jahren auf beiden Gebieten in Kirche und Schule ein wesentlicher Fortschritt bemerkbar. Derselbe ist einerseits dem Umstand zu danken, dass an der Kirche und Schule Männer von hervorragender Bedeutung wirkten, andererseits dem Umstande, dass der Beschluss der Nationsuniversität aus dem Jahre 1547 nunmehr zur Durchführung gelangte. Die Hermannstädter wählten den Bartholomäus Altenberger zum Stadtpfarrer und im Jahre 1549 Paul Wiener zum Prediger. Wiener war früher Domherr in Laibach gewesen, wurde aber wegen seiner Hinneigung zum Protestantismus von dort ver- trieben, er suchte und fand ein Asyl in Hermannstadt. Nach Altenbergers Tode wurde er 1552 zum Hermannstädter Stadtpfarrer und am 6. Februar 1553 zum ersten Bischof der evangelischen Kirche gewählt. An der Schule wirkte vom Jahre 1551— 1554 Mathias Hebler, ein Mann von gründlicher und ausgebreiteter Gelehrsamkeit, von hervorragender Beredsamkeit und uner- schütterlichem Mute. ²) Er war aus Karpfen gebürtig, kam nach Beendigung seiner Studien in Wittenberg, wo er auch die Magisterwürde erworben hatte, im Jahre 1551 nach Her- mannstadt und diente hier zuerst als Kollege des Rektors Martin Calvus(Glatz), der ebenfalls ein
¹) Originaltext mitgeteilt im Ver.-Arch. XVII, S. 98 und 99. ²) Seiverth, Nachrichten.


