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Formelzwang und Scheinwesen des Mittelalters zu befreien, das alte System der Studien zu stürzen und einer neuen Methode des Lernens und Lehrens Bahn zu brechen. Wenn dieses auch nur der Reformation vollständig gelang, so sind doch die Humanisten die eigentlichen Begründer der neuen Pädagogik, durch sie sind zahlreiche neue Gedanken und Bestrebungen erweckt worden, die für das Schulwesen ausserordentlich fruchtbar wurden. Durch sie ist das Studium der griechischen und hebräischen Sprache möglich geworden, ihr Verdienst ist es, die Interpretation der römischen und griechischen Schriftsteller in den Kreis der Universitäten und Gelehrtenschulen überhaupt eingeführt zu haben. Doch machten sich die Wirkungen dieser Thätigkeit selbst an den Schulen, welche den Stätten, wo diese Männer gelebt und gelehrt hatten, örtlich näher lagen, erst nach längerer Zeit bemerkbar. Umso erklärlicher ist es, wenn wir in dem entfernten Sieben- bürgen erst später diesen Spuren begegnen. Doch sind zahlreiche Beweise dafür, dass dieser Hauch eines neuen Geistes auch hieher drang und seine Wirkungen auch auf die Hermannstädter Schule äusserte. Das lehrreichste Zeugnis hiefür bietet die Matrikel der artistischen oder philosophischen Fakultät in Wien. Von den mehr als 200 in dem Zeitraum von 1386— 1526 immatrikulierten Siebenbürgern, deren weitaus grösster Teil aus Sachsen besteht, sind 36 geradezu als Hermann- städter angeführt und mancher mag sich noch dazu unter dem allgemeinen Namen»Siebenbürger« bergen. ¹) Viele von ihnen erwarben akademische Grade, manche von ihnen hielten an der Uni- versität Vorlesungen. Dieser zahlreiche Besuch der Wiener Universität wäre nicht möglich ge- wesen ohne eine entsprechende Vorbildung auf der Schule der Vaterstadt. Von den Männern, die damals an der Hermannstädter Schule als Rektoren gewirkt haben, war auch einer Thomas Wal an der Wiener Universität thätig. Von seinem äusseren Lebensgang haben wir aus seinen eigenen Aufzeichnungen genauere Nachrichten. ²) Sein Vorgänger war Simon von Apoldia, von welchem Wal, wie er schreibt, am 26. Dezember 1517 das Rektorat der Hermannstädter Schule übernahm. Ein geborener Hermannstädter, wurde er am 30. Juni 1511 in die artistische Fakultät in Wien immatrikuliert, wo er, am 12. Januar 1516 in die juristische Fakultät übergehend, bis zum 18. Juni 1516 blieb. Am 5. März 1515 erhielt er die Magisterwürde. Neben seinen philo- sophischen und juristischen Studien verfolgte er, wie man aus seinen Aufzeichnungen entnimmt. auch öffentliche Vorgänge mit Aufmerksamkeit und stand, im Juli 1516 nach Hermannstadt zurückgekehrt, mit den humanistischen Kreisen Wiens in regem Briefwechsel. Am 26. Dezember 1517 übernahm er das Rektorat der Hermannstädter Schule, das er aber schon zwei Jahre später, 1519, an seinen Nachfolger Magister Clemens von Oppeln übergab. Seine Liebe zu den humanistischen Studien führte ihn wieder nach Wien zurück, wo er am 2. Mai 1520 anlangte, zum Examinator der Baccalaureanden gewählt und 1521 Prokurator der ungarischen Nation wurde. Er hielt an der Universität Vorlesungen über die Satiren des Horaz und die Tristien des Ovid. Gewiss hat er in demselben Geiste, wie er später an der Wiener Universität lehrte, auch in seiner Stellung als Hermannstädter Rektor gewirkt. Im Jahre 1524 folgte wieder ein Schüler der Wiener Hochschule Joh. Mildt in dem Rektorat.)) Die Schriften Luthers gegen die Hierarchie und ihre Anmassungen, welche schon im Jahre 1519 Hermannstädter Kaufleute von der Leipziger Messe nach Hause brachten, erregten, wie überall, auch hier all- gemeines Aufsehen und riefen Bewunderung und Begeisterung hervor. Trotz des Befehls, den der Erzbischof von Gran an die Dechanten und Plebane des Hermannstädter und Kronstädter Kapitels erliess, an jedem Sonntag in der Kirche das Volk vor Annahme und Verbreitung der ¹) Ver.-Arch. X, S. 224.
²) Ver.-Arch. XV, S. 45. ³) Ver.-Arch. X, S. 222.


