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Die grossen Wandlungen, die sich auf dem Gebiet der Schule im Laufe der Jahrhunderte in Deutschland vollzogen haben, schafften auch hier neue Formen und Gestaltungen und weckten neues geistiges Leben, neue Bestrebungen, die allerdings in dem entfernten Lande nur später, gerade darum aber vielleicht in mehr geläuterter Form Wurzel fassten und durch die kleinen Verhältnisse eingeschränkt in engeren Grenzen sich bewegten.
Die dunkle Nacht, mit welcher die mittelalterliche Kirche und die Abstraktionen der Scholastiker die Geister umhüllt hatten, wurde durch das von Italien ausgehende wieder er- weckte Studium der klassischen Alten wie mit einem Zauberschlage erhellt. Diese belebenden und erleuchtenden Strahlen drangen auch zu unserem Volke und weckten neues Leben. Was die deutschen Humanisten durch das Studium der Quellen möglich gemacht hatten, die Reinigung der Kirche von dem starren Autoritätsglauben durch die Reformation, das fand hier günstigen Boden und schneller als anderwärts Verbreitung, und der Reformation dankte auch unsere Schule die einzig wahre, durch das reine Evangelium geschaffene, sittlich religiöse Grundlage. Was die grossen Pädagogen, die auf Luther und Melanchthon im 16. und im Anfang des 17. Jahr- hunderts folgten, Trotzendorf, Neander, Wolf und Sturm, in Deutschland schufen, das hat auch hier deutliche Spuren hinterlassen. Als der grosse Pädagoge Hermann Franke in Halle das Waisenhaus schuf und seine pädagogischen Grundsätze sich in ganz Deutschland Geltung und Ansehen verschafften, besuchten, eben um diese Erziehungsanstalt genauer kennen zu lernen, die siebenbürgischen Theologen mit Vorliebe die Universität Halle, wiewohl die Synode heftig dagegen eiferte, und diesem Umstand verdanken wir Schulordnung und Lehrplan aus der Mitte des vorigen Jahrhunderts. Die Ideen und Grundsätze des Aufklärungszeitalters sprechen sich deutlich aus in Form und Inhalt der Lehrordnungen zu Ende des vorigen Jahrhunderts und endlich der österreichische Organisationsentwurf, nach welchem im Jahre 1850 auch die sächsischen Anstalten eingerichtet wurden, ist selbst dem Muster preussischer Lehrpläne nachgebildet.
Dass die Schule in Hermannstadt schon früher bestand, geht eben aus der Eingangs erwähnten Aufzeichnung hervor, denn die geringe Ausgabe von 19 fl. reichte wohl zur Aus- besserung der Schule hin, nicht aber zu einem Neubau derselben. Ubrigens ist für jene Zeit das Vorhandensein der Schule auf den Dörfern und in anderen sächsischen Städten urkundlich bezeugt. Der päpstliche Steuersammler findet in den Dörfern des Brooser Kapitels neben den gezählten und steuerpflichtigen Feuerstellen der deutschen Bauern im Jahre 1334 auch das Pfarr- und Schulhaus;¹) in Mühlbach wird die Schule für das Jahr 1352,²) in Kronstadt und Bistritz für 1388, b) in Stolzenburg für 1394 ⁴) bezeugt.
Was für eine Schule es war, lässt sich natürlich nur vermuten. Zur Zeit, als unsere Väter ihre alte Heimat verliessen, waren die ältesten Schulen, die Klosterschulen, durch die Unwissenheit und Sittenverderbnis der Mönche bereits in Verfall geraten. Die Mönche nahmen die mannigfachen religiösen Gebräuche zum Vorwand, sich dem mühseligen Geschäft des Unter- richtes zu entziehen und der Scholastikus verwaltete sein Amt nur dem Namen nach. Dieser Verfall und das steigende Bildungsbedürfnis des Bürgerstandes, der seine Kraft und Bedeutung zu fühlen begann und über die bisher seiner Bildung, die er in den zahlreichen Privatschulen suchte, gezogenen Grenzen hinaus strebte, und die gleichzeitige Entfaltung eines blühenden Städtewesens führten zur Gründung von Stadtschulen, die damals allerdings nur in dem Anfang
. ¹) Ver.-Arch. XIII, S. 367. ¹) Mühlbächer Gymnasial-Programm 1873/74, 8. 30. ³) Ver.-Arch. XII, S. 368. ¹) Ver.-Arch. X, S. 360 und 418.


