Aufsatz 
Geschichte des evangelischen Gymnasiums A.B. in Hermannstadt
Entstehung
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I.

Alteste Schulgeschichte. 1380 1592.

Das älteste Hermannstädter Kirchenbuch enthält in einer Aufzeichnung, die ungefähr aus dem Jahre 1380 stammt, die Ausgabspost: Item, dass man dey schole gemacht hat 19f und 1 ort. ¹)

Zwischen dieser Aufzeichnung und der Gegenwart liegt ein Zeitraum länger als ein halbes Jahrtausend. In dieser langen Reihe von Jahren haben all die vielen und mannigfaltigen Wellenschläge in dem geistigen Leben des deutschen Volkes sich auch zu dem kleinen Volk der Sachsen fortgepflanzt. Was dort die Geister weckte, anzog und bewegte, wurde auch hier Gegenstand eifrigen Nachdenkens und reger Forschung und fand ernste Würdigung bei den Gebildeten. 4

Aus ihrer alten Heimat haben die Sachsen ihre Sprache, ihre kirchlichen Einriehtungen und Gebräuche und die Schule in die neue Heimat mitgebracht und als die höchsten Güter treu bewahrt und gepflegt.

Wenn auch die rauhen Stürme der vergangenen Jahrhunderte das sächsische Volk oft an den Rand des Abgrundes brachten, so hat es doch die ihm von der Vorsehung zu- gewiesene hohe Bestimmung, an der Ostgrenze unserer Monarchie deutsche Sitte, Sprache und Kultur zu pflegen und zu erhalten, getreulich erfüllt. Dass ihm dieses möglich wurde, verdankt es nicht in letzter Reihe dem niemals unterbrochenen Verkehr mit dem Mutterlande. Aus Deutschland haben die Sachsen später ihre städtischen und Zunftordnungen geholt, mit Deutsch- land hat sie ein reger Handelsverkehr in Verbindung erhalten, von dort haben sie die reichen Bücherschätze gebracht, welche sie in ihren städtischen und Kirchenbibliotheken aufbewahrten, auf die deutschen Hochschulen schickten sie die Söhne ihres Volkes zur Ausbildung.

Hauptsächlich die Bedürfnisse von Kirche und Schule, die ihren uralten Verband auch heute nicht gelöst haben, sind es gewesen, welche die Verbindung mit dem Mutterlande stets rege erhalten haben. Von dem deutschen Volke, das wie kein anderes die höchste Aufgabe der Erziehung durch die Schule, die hohen Wahrheiten des Christentums innerlich zu ver- binden mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, erfasst und verstanden hat, mussten auch die Lehrer und Geistlichen unseres Volkes jenes höhere Mass von Kenntnissen holen, welches zur Erfüllung ihres Berufes notwendig war. Und dass dieses möglich war, verdankten sie dem Umstande, dass sie auf der Schule ihrer Heimat die für ihre weitere Ausbildung erforderliche Vorbereitung erhielten.

¹) Ver.-Arch. XI, S. 352.

Hermannstädter Gymnasial-Programm 1895/90. 8 1