Aufsatz 
Geschichte des Bensheimer Gymnasiums nach den Urkunden dargestellt : 2. Teil / von Heinrich Dinges
Entstehung
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Geſchichte des Bensheimer Gymnaſtums

nach den Urkunden dargeſtellt

von

Dr. Heinrich Dinges,

Gymnaſiallehrer zu Bensheim.

Zweiter Teil.

Dritte Periode von 1831 1886.

Die Gymnaſien des Landes waren zu erfolgreicheren Studien eines neuen Antriebes, ihre Leiſt⸗ ungen einer weiteren Kontrolle bedürftig geworden. Es wurde die Maturitätsprüfung eingeführt auch für die Abiturienten der Landesgymnaſien, die ſeither auf Grund eines Exemtionsſcheines ohne Prüfung zum Beſuche der Univerſität zugelaſſen wurden.(S. Chronik 1832, vgl. 1825, 1827). Auch er⸗ kannte Großh. Behörde, daß die Direktion des Gymnaſiums zu Bensheim fernerhin mit dem Pfarr⸗ amte nicht mehr vereinbar ſei, vielmehr die Leitung dieſes Gymnaſiums eine ungeteilte Manneskraft erfordere. Dieſer Anſicht trat auch die biſchöfliche Behörde zu Mainz bei, die ſich wohl auch der Ueber⸗ zeugung nicht verſchließen konnte, daß die Seelſorge der im Laufe der Zeit ſtark vermehrten Pfarrei durch die Obliegenheiten der Direktion einer Anſtalt, an welche die fortgeſchrittene Zeit ebenfalls höhere Anforderungen ſtelle, zu ſehr beeinträchtigt werde.

Das biſchöfliche Ordinariat gab in ſeiner Rückſchrift v vom 21. Mai 1832 die Einwilligung zur Trennung der Gymnaſialdirektion von dem Pfarramte und zur Ausſcheidung der Martinuspfründe von der Pfarrdotation. Auch der Gemeinderat erklärte laut Protokoll vom 27. April 1831, pos. a: Was die Trennung der hieſigen Pfarrei⸗Geſchäfte von jenen des Gymnaſialdirektors betreffe, ſehe er wohl ein, daß beide Dienſtgeſchäfte in einer Perſon vereinigt, nicht wohl ausführbar ſeien, und daß eine Dienſtpflicht darunter leiden müſſe, entweder jene des Direktors oder die des Pfarrers; daher willige er in die Trennung ein. Nach demſelben Protokoll pos. c. gab der Gemeinderat auch ſeine Einwilligung zu der Vereinigung der beiden Benefizien zu einem rein geiſtlichen, mit dem Vorbehalte, daß, wenn in der Folge andere Verhältniſſe eintreten ſollten, er ſich den gegenwärtigen Zuſtand der zwei Benefiziatſtellen reſerviere. Der Antrag der Regierung, den Landrat von Rüding in einem Schreiben vom 25. April 1831 an den Bürgermeiſter Werlé übermittelt hatte, ging nämlich dahin, die beiden Benefizien in ein rein geiſtliches umzugeſtalten mit einem jährlichen Einkommen von fl. 550. Der Reſt von 650 fl. ſolle dem Gymnaſium überwieſen werden. Das biſchöfliche Ordinariat hatte in dieſer Angelegenheit ſchon am 3. Dezember 1830 an Großh. Kirchen⸗ und Schulrat berichtet, daß es einige Zöglinge des biſchöflichen Seminars nach Gießen geſchickt habe, die ſich auf das philologiſche

Anm. a. Im Jahre 1834 zählte die Stadt Bensheim allein 4030 Einwohner, worunter 3790 Katholiken, 170 Evangeliſche und 70 Juden waren. Heckler, S. 107.