Aufsatz 
Geschichte des Bensheimer Gymnasiums nach den Urkunden dargestellt : 1. Teil / von Heinrich Dinges
Entstehung
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§. 26. Die geiſtlichen Lehrer hätten zwar dem Pfarrer die ſtiftungsmäßige Aushülfe in Seelſorge und Gottesdienſt zu leiſten, doch werde der Pfarrer es einrichten, daß durch dieſe Aushülfe der Unterricht nicht beeinträchtigt werde.

§. 27. Der Rechner habe jährlich ſeine Rechnung dem Schulvorſtand vorzulegen, dieſer ſie dem Kirchen⸗ und Schulrat zur Reviſion einzuſenden.

§. 28. Verſchiedene zu dem Schulfonds gehörige Pfründen, die von demſelben abgekommen ſeien, möge der Schulvorſtand aufſuchen, Mehrung und Wachstum des Fonds fördern, da nur ſo die Vervoll⸗ kommnung der Anſtalt ſelbſt und die Erreichung der landesväterlichen Abſichten Sr. Landgräflichen Durch⸗ laucht möglich ſei.

Die im§. 15 dieſes Lehrplanes angeordneten, unter die fünf dort näher qualifizierten Lehrer zu verteilenden Unterrichtsgegenſtände und die im§. 16 bezeichneten Klaſſen, wurden nun ſo organiſiert, daß Rektor Hallbauer die Anfangsgründe in der Vorbereitungsklaſſe, Schönſchreiben aber durch alle Klaſſen lehrte; Emig und Müller in biennio alternierend die zwei Grammatikalklaſſen führten, während Forcher in zweijährigem Curſus die humaniora dozierte, Mühlfeld Griechiſch und Naturgeſchichte in den einzelnen Klaſſen gab und Müller Mathematik, Technologie und Geographie als Fachlehrer für die ganze Anſtalt vertrat. Mühlfeld verſah außerdem die Bibliothekarſtelle am Gymnaſium und hatte zur Anſchaffung neuer Bücher und Lehrmittel jährlich über 50 fl. zu verfügen; jeder Lehrer hatte das Recht, Anſchaffungen zu beantragen; der Präfekt hatte die Anträge zu bewilligen oder abzulehnen.

Nach Forchers Verſetzung am Ende des Schuljahrs 1813 und Mühlfelds Tod im März 1814 teilten Müller und Emig unter ſich den Unterricht der vier Klaſſen, welcher Notſtand bis zum Herbſt 1814 dauerte. Für das neue Schuljahr 18141815 war Trapet an die Stelle Forchers gekommen, Mühlfeld aber nach einem Bericht des Gymnaſiallehrers Müller vom 25. Januar 1815 noch nicht erſetzt. Nach dieſem Bericht war nun der Unterricht folgendermaßen verteilt. Rektor Hallbauer lehrte alle Gegenſtände in ſeiner Klaſſe außer Naturgeſchichte und gab Schönſchreiben in allen Klaſſen. Müller und Trapet führten die zwei Grammatikalklaſſen, ſo daß jeder mit ſeiner Klaſſe aufſtieg und nach zweijährigem Curſus wieder unten anfing; jeder lehrte in ſeiner Klaſſe Latein und, was damit verbunden iſt; Trapet lehrte außerdem durch alle Klaſſen Geſchichte und Geographie und in der dritten und vierten Klaſſe Technologie, Müller durch alle Klaſſen Mathematik und gab einen Curſus mathematiſche Geographie, auch verſah er die Bibliothekarſtelle am Gymnaſium und gab an der Normalſchule Arithmetik und Geometrie. Emig lehrte in der dritten und vierten Klaſſe Latein, Poeſie und Rhetorik und hatte in allen Klaſſen die Übung im ſchriftlichen Aufſatz und in der Deklamation. Der noch zur Zeit erwartete neu anzuſtellende Lehrer hatte durch alle Klaſſen Griechiſch und Naturgeſchichte zu geben, Präfekt Reichert beſorgte den Religionsunterricht für alle Klaſſen in 5 wöchentlichen Stunden. Rektor Hallbauer gab 14 lateiniſche Stunden und in jeder Klaſſe eine Stunde Schönſchreiben. Im ganzen hatte er 24 Stunden. Die vier Gymnaſialklaſſen hatten 3 Stunden Geſchichte und Geggraphie, die erſte und zweite Klaſſe hatten wöchentlich 12 Stunden Latein, die kombinierten zwei oberen Klaſſen nur 11 Stunden; Mathematik hatte jede Klaſſe 3 Stunden, Griechiſch wurde in den vier Gymnaſialklaſſen wöchentlich in 3 Styunden gelehrt und ebenſo Naturgeſchichte; doch waren für beide Lehrfächer die Klaſſen zu je zwei Kurſen kombiniert, da der Lehrer, weil auch an der Normal⸗ ſchule beſchäftigt, am Gymnaſium nur 12 Stunden haben ſollte. Die Schüler der Vorbereitungsklaſſe hatten ebenfalls 3 Stunden Naturgeſchichte gemeinſam mit der erſten und zweiten Gymnaſialklaſſe. Die 26 wöchentlichen Unterrichtsſtunden der Schüler waren ſo verteilt, daß am Montag, Mittwoch, Freitag und Samstag fünf, am Dienstag und Donnerstag aber nur drei Stunden Schule war.

Die regelmäßige Dauer des Gymnaſialkurſus war im§. 16 erwähnter Schulordnung auf 5 Jahre feſtgeſetzt, deren erſtes in der Vorbereitungsſchule, zwei in den beiden Grammatikalklaſſen und zwei ad humaniora zu verbringen ſeien. Doch ſchon nach einem Bericht des Pfarrers Reichert vom März 1822