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vernünftigen Anlagen des Menſchen gezeigt und recht anſchaulich gemacht werden, daß Religion nicht nur Glaube, nicht nur Sache der Kinder und Schuljahre, ſondern des geſchäftigen Lebens ſei. Auch die Lehre von den Tugendmitteln darf bei dieſem Unterricht nicht aus den Augen gelaſſen werden.“
Hinſichtlich des Deutſchen beſtimmt§. 4, daß der Unterricht nicht blos praktiſch, wie in der Volks⸗ ſchule, zu erteilen ſei, ſondern es ſich um eine gründliche Kenntnis der Sprache handle, die ſtufenweiſe in den einzelnen Klaſſen von den Aufſätzen des geſchäftlichen Lebens, Briefen, Quittungen und Zeugniſſen an bis zu größeren Aufſätzen und Überſetzungen aus fremden Sprachen ihre Verwendung finden ſolle. In der 3. und 4. Klaſſe ſolle dann vollkommene Theorie des deutſchen Stiles gelehrt und dabei zugleich von dem deutſchen Sylbenmaß gehandelt werden. Die Muſterlektüre ſolle nicht allein von dem Lehrer vor⸗ getragen werden, ſondern auch von den Schülern ſelbſt, um ſie zur Richtigkeit im Nachdruck und zum Wohlklang im Leſen und Sprechen zu gewöhnen.
§. 5. Im lateiniſchen Unterricht ſolle der Lehrer beſonders die Ähnlichkeiten und Verſchiedenheiten der deutſchen und lateiniſchen Sprache hervorheben. Den beiden unteren Klaſſen wird Syntax zugewieſen, den beiden oberen lateiniſcher Stil. Die Schriftſteller, welche in den einzelnen Klaſſen erklärt werden ſollten, ſind: in der Elementarklaſſe Cicero's Briefe, Nepos und Phädrus, in der erſten Klaſſe Curtius, Phädrus und Eutrop, in der zweiten Klaſſe Livius und Dieffendingers Chrestomathia Ovidiana, in der dritten Virgil und Salluſt, in der vierten Cäſar, Cicero und Horatius. Die Schriftſteller ſollten ſtatariſch und kurſoriſch geleſen, auch lateiniſche Aufſätze gefertigt und das Lateinſprechen ſolle geübt werden.
§. 6. Im Griechiſchen, deſſen Unterrichtsgang derſelbe ſein ſolle, werden zur Lektüre beſtimmt: in der erſten Klaſſe die Chreſtomathie von Gedike und Harles und in der oberen Klaſſe Homer und Xenophon.
§. 7.„In der dritten und vierten Klaſſe wird der Unterricht in der Ästhetik, die Theorie des Schönen und Erhabenen, der Unterricht in der Dicht⸗ und Redekunſt gegeben. Die oben angezeigten klaſſiſchen Schriftſteller, die hierbei als Muſter dienen, führen den Schüler zugleich in der Sprachkenntnis weiter.“
§. 8.„Mythologie, Altertümer und alte Geographie werden mit der Erklärung der Klaſſiker verbunden.“ Homer und Virgil, Sueton und Livius gäben zu den bezüglichen Beſprechungen beſonders Veranlaſſung.
§. 9.„Mathematik iſt nicht nur allen Klaſſen von Menſchen mehr oder weniger nötig und einzig unentbehrlich, ſondern ſie iſt auch zugleich ein vorzügliches Mittel, die Verſtandeskräfte zu entwickeln. Der Anfang muß mit der in allen bürgerlichen Verhältniſſen notwendigen Rechenkunſt gemacht werden. Dann werden die erſten Begriffe von Linien, Flächen und Winkeln beigebracht und leichtere geometriſche Auf⸗ gaben gemacht, zugleich wird mit der Arithmetik weiter vorangegangen und die Lehre von Quadrat⸗ und Kubikzahlen vorgetragen. Auch kann in der oberſten Klaſſe der Unterricht in der populären Technologie, d. h. in der allgemeinen Kenntnis der verſchiedenen Gewerbe und ihrer Hauptwerkzeuge gegeben werden. Es wird daher aus dem zur Bibliothek ausgeworfenen Fonds alljährlich etwas zur Anſchaffung des nötigſten Apparats zu verwenden ſein.“
§. 10. Die Geographie ſolle von dem mathematiſchen Lehrer vorgetragen werden und zwar in der Elementarklaſſe blos Geographie des Vaterlandes, in der erſten Klaſſe die von Deutſchland, in der zweiten von Europa und den übrigen Weltteilen. Die beiden oberen Klaſſen ſeien über Erzeugniſſe, Fabrikate, Verfaſſungen, Bevölkerung, Religionen, Handel, Staatsveränderungen, alte Geographie und über Kosmographie zu unterrichten. Die hierzu nötigen Landkarten, ſowie die Produkten⸗Karte von Crome ſeien aus dem Bibliothekfonds anzuſchaffen. Den Kindern ſollten gute Reiſebeſchreibungen vorgeleſen werden.
§. 11. In der Geſchichte müſſe der Lehrer immer dahin arbeiten, ſie für Verſtand und Herz nützlich zu machen, den Unterricht durch Fragen und untermiſchte Erzählungen zu beleben, Beiſpiele guter und böſer Handlungen aufzuſtellen, geeignete Lehren daraus zu abſtrahieren und die noch ſchwache Menſchen⸗ kenntnis ſeiner Zöglinge zu bereichern. Erſt dann, wenn ſie den Gang einer Nation im allgemeinen kennen


