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und Müller den Kandidaten Helm zu prüfen; Helm beſtand dieſe Prüfung und wurde den 16. Januar 1815 mit einem Gehalt von 600 fl. als Lehrer des Gymnaſiums und der Normalſchule angeſtellt. Im Jahre 1822 ſtarb Rektor Hallbauer und an ſeine Stelle am Gymnaſium kam der kaum 19 jährige Franz Jakob Grieſer aus Bensheim; das Amt eines rector chori wurde aber nun von dieſer Stelle getrennt und gegen eine Vergütung, um welche Grieſers Gehalt vermindert wurde, dem Lehrer Ochslein übertragen. Den 18. Oktober 1822 wurde Grieſer vom Kirchen⸗ und Schulrat als proviſoriſcher Gym⸗ naſiallehrer beſtätigt und ebenſo Ochslein als Kantor in der Pfarrkirche angeſtellt.*²) Benefiziat Müller wurde 1821 Pfarrer zu Hofheim. Am 23. November desſelben Jahres beauftragte daher der Kirchen⸗ und Schulrat den Pfarrer Reichert, einen Geiſtlichen zur proviſoriſchen Verwaltung der Lehrerſtelle und des Benefiziums vorzuſchlagen. Es kam dann proviſoriſch an die Stelle Müllers Andreas Greſſer aus Heppenheim, der ſpäter Domkapitular zu Mainz wurde und als ſolcher daſelbſt ſtarb am 8. April 1855. Doch wurde Greſſer ſchon am 23. Dezember 1823 als Pfarrverwalter nach Offenbach verſetzt. Ihm folgte der Prieſter Valentin Glanzner aus Gernsheim, der bis zum Jahre 1827 Lehramt und Benefizium zu Bensheim proviſoriſch verwaltete. Da durch Verſetzung des erſten Benefiziaten Emig an die Pfarrei Lorſch 1824 auch das erſte Benefizium erledigt war, ſo hatte Glanzner ſeit dieſer Zeit die beiden Benefizien zu verwalten. Der geiſtliche Lehrer Egid Trapet war ſchon 1819 von Bensheim weggezogen, und ſo waren nach dem Abgang Glanzners 1827 beide Benefizien erledigt und ohne Verwaltung. Die geiſtlichen Funktionen wurden gegen Vergütung aus dem Benefiziatfonds durch den Pfarrer deſerviert. Die Vakatur der beiden Benefizien dauerte bis zum Jahre 1838. Zu dieſer Zeit wirkten am Gymnaſium außer dem Pfarrer und Präfekten die bereits erwähnten Joſeph Helm und F. J. Grieſer, und ferner der Philologe Joſeph Weyer aus Bensheim, angeſtellt 1824, Johann Martin Helm aus Montabaur, Bruder des Joſeph Helm, der 1825 die Stelle Emigs proviſoriſch antrat, und Franz Joſeph Herrmann aus Bensheim, der als Kandidat der Philologie die Lehrerſtelle Glanzners ſeit 1827 verſah. Der junge Leonhard Arzberger, der im Programm von 1831 zum erſten Mal als Religionslehrer erſcheint, im Jahre 1834 auch hebräiſch zu lehren verpflichtet wurde und auch am Schullehrerſeminar wirkte, war kein Benefiziatverwalter, ſondern der Pfarrer deſervierte gegen eine Vergütung von 180 fl. beide Benefizien bis zu dem Abgang Arzbergers**) und der Wiederbeſetzung eines der Benefizien durch den Prieſter Damian Kamp 1838. Die Direktion des Gymnaſiums führte nach dem Tode des Pfarrers Reichert(1822) der ſehr unterrichtete und edele Franz Joſeph Herold, Doctor phil. Er hatte vorher 6 Jahre zu Gernsheim gewirkt und wurde den 14. Mai 1823 Pfarrer zu Bensheim und dann Kirchenrat, gab jedoch 1831 dieſe Pfarrei auf und nahm eine Stelle in der Diözeſe Münſter an, wo er Provikar zu Vechta wurde. Unter ihm wurde die neue Pfarrkirche gebaut. Am Gymnaſium gab er gleich ſeinem Vorgänger den Religionsunterricht in allen Klaſſen und überdies noch in prima empiriſche Pſychologie und Propädeutik. Weiteres von ihm werden wir in der Chronik berichten. Er ſtarb 1862 in Ruheſtand verſetzt zu Mannheim.
II. Frequenz der Schuke.
Die lateiniſche Schule wurde 1804 aus ihrem ſeitherigen Haus an der Pfarrkirche in den oberen Stock des Hospitals verlegt. Die Schülerzahl war verhältnismäßig um ein Beträchtliches gewachſen, die vier lateiniſchen Klaſſen zählten über dreißig Schüler, während ihre größte uns in der vorigen Periode zur Kenntnis gekommene Zahl im Jahre 1748— 1749 nur 19 betrug. Auch war infolge bedeutender Ver⸗ mehrung der Unterrichtsgegenſtände, während das Lehrerperſonal doch nur um zwei Perſonen vermehrt wurde,
⁴²) Grieſers Gehalt betrug laut Rechnung des Benefiziatfonds pro 1828 240 fl., der Ochsleins 345 fl. ⁴³) Leonhard Arzberger war erſt am 21. Auguſt 1830 zum Prieſter geweiht worden. Er war geboren zu Bensheim den 13. Januar 1807, wurde am 16. Februar 1856 Pfarrer zu Seligenſtadt und ſtarb daſelbſt den 19. November 1870.


