Aufsatz 
Geschichte des Bensheimer Gymnasiums nach den Urkunden dargestellt : 1. Teil / von Heinrich Dinges
Entstehung
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niſation der Entſchädigungslande ob, an deren Stelle alsbald der für das Fürſtentum Starkenburg ange⸗ ordnete Kirchen⸗ und Schulrat trat, welcher bis zum Jahre 1832 die Schulangelegenheiten zu Bensheim leitete. Von 1832 an übte dieſe Funktionen der angeordnete Oberſtudienrat. Jener Kirchen⸗ und Schulrat benachrichtigte den 3. Februar 1804 den Pfarrer als Präfekten der lateiniſchen Schule, daß man beſchloſſen habe, die Lehrkräfte an dem Gymnaſium zu Bensheim zu vermehren und man ihn deshalb beauftrage, wegen hierzu tauglicher Perſonen Erkundigungen einzuziehen. Daraufhin wurden den 6. April 1804 die beiden Geiſtlichen Capraſins Mühlfeld, ehemaliger Auguſtiner zu Mainz, und Franz Joſeph Müller, ehe⸗ maliger Lehrer des Lehrerſeminars zu Worms, an das Bensheimer Gymnaſium berufen, erſterer mit 650 fl., letzterer mit 600 fl. Gehalt, welche aus dem Benefiziatfonds gezahlt wurden. Wir betrachten nun auch in dieſer Periode

I. Das Lehrerperſonak.

Es beſtand nun aus den beiden Benefiziaten Matthäus Forcher und Joh. Bapt. Emig und den geiſtlichen Lehrern Capraſius Mühlfeld und Franz Joſeph Müller, welche nach der am 18. Mai 1804 vom landgräflichen Miniſterium erlaſſenen Schulordnung für Bensheim den Gymnaſialunterricht erteilten und von denen überdies Mühlfeld auch Direktor und Lehrer der neu errichteten Normalſchule war, in welcher Elementarlehrer herangebildet wurden.*) Dazu kam noch Pfarrer Reichert als Präfekt, der nach§. 15 erwähnter Schulordnung den Religionsunterricht in allen Klaſſen erteilte, und Rektor Hallbauer, welcher in der Vorſchule die Anfangsgründe zu lehren hatte. Mühlfeld war der Behörde vom Pfarrer ſehr empfohlen; er habe ſchon 30 Jahre lang zu Mainz als Profeſſor am Gymnaſium unterrichtet und vorher ſchon mehrere Jahre im Fränkiſchen zu Münnerſtadt als Profeſſor der unteren Studentenklaſſe gewirkt; er ſei in jedem Fache zu gebrauchen, wiſſe die lateiniſche, griechiſche, franzöſiſche und italieniſche Sprache zu lehren, könne als Profeſſor der Philoſophie und Theologie wirken; ſeine mores ſeien nicht allein tadellos, ſondern muſterhaft. Über Müller berichtet der Pfarrer, er kenne denſelben zwar nicht, habe ſich aber erkundigt und nur Gutes über ihn erfahren. Die Empfehlung des Pfarrers wurde dann durch die Leiſtungen der beiden Lehrer auch beſtätigt. Mühlfeld bethätigte außerdem, was der Bericht des Pfarrers nicht beſonders erwähnt, eine große Liebhaberei für Naturgeſchichte, beſaß eine großartige Schmetterling⸗ ſammlung, die er ſamt ſeiner Bibliothek dem Gymnaſium vermachte. Benefiziat Forcher wurde 1813 an das Benefizium ad St. Margaretam nach Heppenheim und 1814 nach Mörlenbach als Pfarrer verſetzt und Mühlfeld ſtarb im März 1814. Infolge davon erhielt Müller die Präſentation auf das durch Forchers Abgang erledigte erſte Benefizium, der Großherzog beſtätigte die Präſentation. Emig, obwohl er das zweite beneficium hatte und behielt, wurde nach Rang und Gehalt wegen ſeiner Anciennität erſter Benefiziat. Vgl. Chronik, 1. Oktober 1813. Die Lehrerſtelle Müllers bekam Egid Trapet von Montabaur im Oktober 1814. Die Stelle Mühlfelds aber konnte nicht ſobald beſetzt werden. Mehrmals forderte der Kirchen⸗ und Schulrat den Pfarrer zu Bensheim auf, eine geeignete Perſon vorzuſchlagen, aber erſt am 24. Januar 1815 konnte dieſer Aufforderung entſprochen werden. Vorgeſchlagen wurde Joſeph Helm von Montabaur. Pfarrer Reichert erhielt nun den Auftrag unter Zuziehung der zwei Benefiziaten Emig

kommiſſion zurückberufen wurde. Er trat als geheimer Referendar in das Miniſterium zu Darmſtadt, wurde 1820 geheimer Staatsrat und in Ermangelung eines katholiſchen Landesbiſchofs Stellvertreter deſſelben in der I. Kammer der Landſtände und ſtarb den 20. Juni 1829 zu Darmſtadt.

) Das Oberamt Starkenburg hatte in einem Bericht vom 2. Januar 1804 die Errichtung einer Normalſchule zu Bensheim zur Ausbildung von Volksſchullehrern angeregt. Der für dieſe Wirkſamkeit gewonnene Lehrer hatte jedoch, weil die Schule nur 4 ½ Monat im Jahre dauerte, auch am Gymnaſium Unterricht zu erteilen. Aus der Normalſchule entſtand dann das Schullehrerſeminar, das am 28. Juli 1821 eröffnet wurde. Sein erſter Direktor, Michael Karl Ries, vorher Pfarrverweſer zu Bürbach in Baden, wurde durch allerhöchſtes Dekret vom 28. Oktober 1820 mit einem Gehalt von 800 fl. nebſt freier Verpflegung und freier Wohnung im Seminargebäude angeſtellt.