Mittlerweile bis dieſes Octroi in Vollzug geſetzt iſt, ſollen die Zölle der rechten Rheinſeite, mit deren Ein⸗ nahme ſeit dem 1. Dezember 1802 fortgefahren worden, zur Entrichtung der beſagten Entſchädigungs⸗ Ergänzung dienen. Der Kurfürſt Erzkanzler wird ſich desfalls mit den Fürſten benehmen, im Namen derer dieſe Zölle eingenommen worden ſind.“
Karl Theodor von Dalberg ſeit dem 5. Juni 1787 Koadjutor von Mainz ward nun Kurfürſt⸗ Erzkanzler von Regensburg. Sein neues Gebiet betrug 24 Quadratmeilen, das Mainzer Erzſtift hatte ein Areal von 171 Quadratmeilen mit über 311,000 Einwohnern umfaßt.*⁰)
Das auf der rechten Rheinſeite liegende Land des ſeitherigen Mainzer Erzſtiftes ward folgender⸗ maßen verteilt: 1. Preußen bekam die Stadt Erfurt mit dem zugehörigen Gebiet, das Eichsfeld und die Mainzer Beſitzungen in Thüringen; 2. Heſſen⸗Kaſſel die Ämter Fritzlar, Naumburg, Amöneburg und Neuſtadt und die Klöſter in dieſen Amtern; 3. Heſſen⸗Darmſtadt das Oberamt Starkenburg, beſtehend aus den Amtsvogteien Bensheim, Heppenheim, Fürth und Lorſch; das Oberamt Steinheim, beſtehend aus den Amtsvogteien Steinheim, Dieburg, Seligenſtadt und Alzenau; das Amt Gernsheim; das Amt Vilbel⸗ Rockenberg; das Amt Hirſchhorn ꝛc. 4. Naſſau⸗Uſingen die AÄmter Königſtein, Höchſt, Kronenberg, Rüdes⸗ heim, Oberlahnſtein, Eltville, Kaſtel und die Beſitzungen des Domkapitels auf der rechten Mainſeite unterhalb Frankfurt. Von den vier Landesherren, welche drei Jahre ſpäter bei Errichtung des Rheinbundes mediatiſiert wurden, erhielt 5. der Fürſt von Leiningen die Oberämter Miltenberg, Amorbach und Biſchofs⸗ heim mit den Amtsvogteien Buchen und Seligenthal; 6. Graf Leiningen⸗Guntersblum die Amtsvogtei Billigheim; 7. Graf Leinigen⸗Heidesheim die Amtsvogtei Neudenau; 8. Fürſt von Löwenſtein⸗Wertheim die Dörfer Würth und Trennfurt.
So iſt Bensheim heſſiſch geworden und die lateiniſche Schule daſelbſt fand unter dem hochherzigen Beförderer der Kunſt und Wiſſenſchaft, dem Landgrafen Ludwig X., unſerm nachmaligen Großherzog Ludwig I., die ſorgfältigſte Pflege und wurde alsbald zu einem Gymnaſium erweitert. Beſonders war es der geheime Staatsrat Herr von Wreden, der Referent im Miniſterium des Innern über dieſen Gegen⸗ ſtand, der ſich der Erweiterung der lateiniſchen Schule zu einem Gymnaſium mit aller Sorgfalt annahm. Aus der Feder des Herrn von Wreden floſſen ſeit der Zeit, da Bensheim heſſiſch geworden, über 25 Jahre lang alle Verfügungen, denen das Bensheimer Gymnaſium ſeine Schöpfung, Entwickelung und neue Be⸗ lebung in dieſer Periode verdankt. Derſelbe war 1803 von der Heſſiſchen Regierung in die Kommiſſion zur Organiſation der Entſchädigungslande berufen, Referendar im Miniſterium geworden und wirkte bis zu ſeinem Tode 1829 beſonders für das Aufblühen der Schulen und wiſſenſchaftlichen Inſtitute unſeres Großherzogtums.*) Die Regelung der Schulverhältniſſe zu Bensheim lag erſt der Kommiſſion zur Orga⸗
4⁰) Kleinſorg 1787, vgl. Schloſſer 18. B., S. 59.
Die Reichskanzlerwürde erloſch mit Errichtung des Rheinbundes, und Dalberg erhielt unter Beibehaltung des Erz⸗ bistums Regensburg den Rang und Titel als ſouveräner Fürſt Primas des Rheinbundes mit dem Vorſitze in der Bundes⸗ verſammlung. Damals erhielt er zu ſeinen Beſitzungen noch die Reichsſtadt Frankfurt a. M., das Gebiet der Fürſten und Grafen von Löwenſtein⸗Wertheim und die Grafſchaft Rheineck. Das Fürſtentum Regensburg trat er 1810 an Baiern ab und erhielt dafür einen beträchtlichen Teil der Fürſtentümer Fulda und Hanau und wurde von Napoleon zum Großherzog von Frankfurt ernannt. Mit dem Sturz des franzöſiſchen Kaiſerreichs mußte er auf alle dieſe Beſitzungen als Landesherr verzichten, behielt ſich nur ſeine Rechte als Erzbiſchof von Regensburg vor und ſtarb daſelbſt den 10. Februar 1817. Mit ihm endete der letzte Reſt der weltlichen Herrſchaft der Erzbiſchöfe von Mainz.
*) Karl Joſeph von Wreden, geboren 1761 zu Mannheim, wo ſein Vater Hofkammer⸗Rat und Hofkaſſier war, ſtudierte zu Heidelberg, Nancy und Köln Philoſophie, Theologie und Jurisprudenz, wurde Doktor der Philoſophie und der beiden Rechte, trat in den geiſtlichen Stand ein und wurde Canonicus im Archidiakonat zu Bonn, wie auch zu Köln und St. Emmerich. Vom Jahre 1784 bis 1792 war er Vorleſer bei dem Kurfürſten von Köln, Max Franz von Oſtreich, der ihn auch zum geheimen Referendar in spiritualibus ernannte. Nach dem Tode ſeines Kurfürſten 1801 wirkte er in dem Domkapitel zu Arnsberg, trat 1802 nach der heſſiſchen Okkupation von Weſtfalen als geheimer Referendar in biſchöflich Salzburgiſche Dienſte, aus denen er jedoch ſchon 1803 von der heſſiſchen Regierung— als Mitglied der Organiſations⸗


