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Adolf Vergrößerung ſeines Gebietes auf Koſten des Mainzer Erzſtiftes und ermutigte daher den entſetzten Diether zur Hoffnung, trotz Kaiſer und Papſt durch Waffenerfolge ſich gegen Adolf in ſeinen Würden be⸗ haupten zu können. Am 16. November kam Diether mit dem Pfalzgrafen und dem Grafen Philipp von Katzenelnbogen zu Hemsbach zuſammen, erhielt das Verſprechen ihres Schutzes und am 19. November erhaſchte Friedrich ſchon den Lohn ſeines Schutzes; denn Diether ſtellte ihm zu Weinheim die Urkunde aus, nach welcher die ſchöne Bergſtraße(die Amter Bensheim, Heppenheim, Starkenburg und Mörlenbach ſamt allen dazugehörigen Dörſern) zu antichretiſcher Verpfändung an die Pfalz abgetreten wurde; behielt ſich und ſeinen Nachfolgern jedoch das Recht vor, gegen Bezahlung von 100,000 Gulden das Pfand wieder einzulöſen. Zwei Tage darauf durchzog dann der Pfalzgraf in Begleitung Diethers die Bergſtraße und ließ ſich von ſeinen neuen Unterthanen, nachdem ſie Diether ihres Eides entbunden hatte, die Huldigung leiſten. Es kam zum Kampfe zwiſchen Diether und Adolf und ihren Bundesgenoſſen. Adolf hatte am 13. April 1462 ein Bündnis mit dem Pfalzgrafen Ludwig von Veldenz, dem Markgrafen Karl von Baden und dem Grafen Ulrich von Würtemberg geſchloſſen. Pfalzgraf Friedrich, von Adolfs Verbündeten im eigenen Lande angegriffen, ſiegte am 30. Juni bei Seckenheim. Darob großer Jubel und freudige Dank⸗ feier am 1. Juli zu Mainz; denn die Bürgerſchaft hielt es mit Diether. Doch ſollte dieſe Freude bald in bitteren Schmerz verwandelt werden. Am 28. Oktober gelang es den Naſſauern nach heftiger Gegen⸗ wehr der Bürger und einiger hundert ihnen von Diether zugeſandten Kriegsleute ſich der Stadt zu be⸗ mächtigen, die nun den Zorn des Siegers mit Beraubung und Ausweiſung ihrer Bürger ſchwer zu büßen hatte. Die Feindſeligkeiten dauerten noch ein Jahr; denn da das Erzſtift teils in Adolfs, teils in Diethers Gewalt war, zog ſich der Kampf hin und her. Im Oktober 1463 einigte man ſich im Lager bei Zeilsheim unweit Höchſt über den Frieden, der dann zu Frankfurt von Diether und Adolf in perſönlicher Zuſammen⸗ kunft vereinbart wurde. Diether verzichtete auf das Erzſtift, behielt aber Höchſt, Steinheim und Dieburg auf Lebenszeit; Adolf mußte ſeines Gegners Schulden übernehmen und bis zu deren Tilgung ihm Lahn⸗ ſtein als Pfand überlaſſen. Auch mußten Adolf und das Mainzer Domkapitel die Verpfändung der Berg⸗ ſtraße anerkennen und ſtellten am 24. November die bezügliche Urkunde an den Pfalzgrafen Friedrich aus.
So war die Bergſtraße pfälziſch geworden und verblieb es bis zum Jahre 1623 unter der Re⸗ gierung der Pfalzgrafen der Heidelberger Stammlinie Friedrich I.— 1476, Philipp des Aufrichtigen, 1476—1508; Ludwig V., des Friedfertigen, 1508— 1544; Friedrich II., des Weiſen, 1544— 1556; Otto Heinrich, des Großmütigen, 1556— 1559; dann unter den Pfalzgrafen der Simmernſchen Linie, Friedrich III., dem Frommen, 1559— 1576; Ludwig VI., dem Leutſeligen, 1576— 1583; unter Johann Kaſimir, der für Friedrich IV., den unmündigen Sohn Ludwigs VI. bis 1592 die Regentſchaft führte; unter Friedrich IV., 1592— 1610 und unter Friedrich V., 1610— 1623. Sie beſtätigten den Bensheimer Bürgern die Gnaden und Freiheiten, welche die Mainzer Erzbiſchöfe und das Domkapitel ihnen verliehen hatten.)
Als unter den pfälziſchen Kurfürſten nach dem damals herrſchenden Grundſatz„cuius regio, eius religio“ der Kultus der alten Kirche der Reformation weichen mußte, verwandten die Kollatoren des Martinus⸗Altares die Erträgniſſe der Pfründe zur Unterſtützung armer Studierenden; die der Laurentius⸗ Pfründe, welche die 14 Schöffen der Stadt zu vergeben hatten,“**) wurden, wie auch die des Katharinen⸗ altars, im Jahre 1544 Schullehrern überwieſen; dieſelbe Beſtimmung erfuhr 1566 die Leonardus⸗Pfründe;
a) Eine Urkunde, welche Friedrich III. hierüber ausgeſtellt hat, d. d. Bensheim den 16. März 1559, ein Pergament⸗ blatt, deſſen im Text erwähntes Siegel nicht mehr anhängt, befindet ſich in der Bibliothek des ſel. Gymnaſialdirektor Dr. Geyer; eine zweite Urkunde deſſelben Inhaltes, ausgeſtellt von Ludwig VI. d. d. Bensheim den 21. November 1576, ein Pergament mit noch wohlerhaltenem Siegel in Holzkapſel, wird auf der Bürgermeiſterei zu Bensheim aufbewahrt.
¹6) In den Berichten der Bensheimer Pfarrei findet ſich manchmal die Angabe, der Laurentiusaltar ſei von den Ehe⸗ leuten Peter Ritzhaub cum onere doctionis geſtiftet worden. Ich muß die Sache auf ſich beruhen laſſen, kann aber hier die Bemerkung nicht verſchweigen, daß in keiner der von mir eingeſehenen Urkunden, welche die Stiftungen der Eheleute
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