—— ohne zu bezeichnen, auf welches, einen gewiſſen„Hieremiam Weylern aus Moßbach“ mit der Bedingung präſentiert, daß er nach einem halben Jahre dasſelbe wieder abtreten ſolle. Dieſer Präſentation wurde nicht ſtatt gegeben, 1. weil kein Stipendium vom Rate ſpeziell bezeichnet ſei; 2. weil es der Stiftung zuwider ſei, daß ein Student nur auf ein halbes Jahr ein Stipendium erhalte. Die Stipendien würden auf die Zeitdauer verliehen, wie ſie in dem Stiftungsbrief beſtimmt ſei, dieſelbe betrage gewöhnlich 6 Jahre. Was die stipendia, welche der Bensheimer Rat zu konferieren habe, anlange, ſo ſeien es derſelben zwei, das eine werde nach ſeinem Stifter Simon Barth, geweſenem Kanonikus zu Worms, Barthianum genannt und ſei mit der Bedingung geſtiftet, daß die Städte Worms und Bensheim dasſelbe per vices zu vergeben hätten; das andere nach ſeinem Stifter Peter Welcker, Welckeranum genannt, ſtehe nun nach dem Tode des Herrn Martin Flach, geweſenen Schultheiß zu Heidelberg, der es auf Bewilligung des Stifers die Zeit ſeines Lebens zu verleihen gehabt habe, dem Bensheimer Rate allein zu.
Dieſe beiden Stipendien waren zu Heidelberg, der Univerſitätsſtadt der Pfalz, durch den Bens⸗ heimer Rat zu vergeben.
Bensheim war nämlich ſeit 1461 von Kurmainz an die Pfalz verpfändet. Diether von Iſenburg, durch Wahl des Domkapitels zu Mainz vom 18. Juni 1459 zum Erzbiſchof deſigniert, war im erſten Jahre ſeiner kurfürſtlichen Regierung mit Friedrich I., dem Kurfürſten von der Pfalz, in eine für Mainz höchſt unheilvolle Fehde verwickelt, die das Erzſtift in einen Schaden von 41,000 Goldgulden verſetzt hatte. Dazu geſellte ſich eine weit härtere Bedrängnis des neuen Fürſten. Noch ehe er die kirchlichen Weihen erhalten konnte, war er mit dem Papſte Pius II. um die Bedingungen ſeiner Beſtätigung zur erzbiſchöflichen Würde entzweit und von dieſem durch Bulle vom 21. Auguſt wie auch durch kaiſerlichen Erlaß vom 7. Auguſt 1461 aller ſeiner Würden entſetzt worden.
Zugleich mit der Abſetzung Diethers hatte der Papſt die Ernennung des Grafen Adolf von Naſſau zum Erzbiſchof von Mainz ausgeſprochen und Befehle an das Domkapitel und an alle geiſtlichen und weltlichen Perſonen der Mainzer Erzdiöceſe erlaſſen, den neu Ernannten als rechtmäßigen Herrn und Ober⸗ hirten anzuerkennen, ihm zu gehorchen und zwar unter Strafe des Bannes und Verluſtes aller Würden und Benefizien. In dieſer höchſten Not war Diether anfangs zu gütlicher Unterhandlung und zu einem Vergleich mit Adolf von Naſſau geneigt, und ſchon hatten ſich im November die Abgeordneten von beiden Teilen über folgende Punkte geeinigt: Diether ſolle das Erzbistum an Adolf mit allen Rechten abtreten, denſelben als Herrn und Erzbiſchof anerkennen, dagegen die Städte und Schlöſſer Starkenburg, Bensheim, Heppenheim, Mörlenbach, Höchſt und Steinheim zu lebenslänglichem Beſitze erhalten. Allein dieſer Ver⸗ gleich kam nicht zur Ausführung. Diethers früherer Feind und nunmehriger Bundesgenoſſe, Pfalzgraf Friedrich I., der Siegreiche, auch der böſe Fritz genannt, hoffte von einem Krieg zwiſchen Diether und
denten ſtiftungsgemäß zu verwendenden Stipendien einen Beitrag zur Wiedererrichtung dieſes Kollegiums zu liefern, da es u. a. an Möbeln mangele. In dieſem Betreff hatte der Bensheimer Rat bei der Mainzer Kanzlei angefragt, wie er ſich dieſem Erſuchen gegenüber zu verhalten habe. Die Kanzlei beſchied die Sache dahin, der Rat ſolle, da die Kanzlei aus den Fundationsbriefen erſehen habe, daß die Stadt Bensheim zwar das Präſentationsrecht zu dieſen Stipendien habe, aber keineswegs einen Beitrag zu leiſten verpflichtet ſei, das Erſuchen der Heidelberger Univerſität dahin beantworten, daß die Stadt wegen ſonſtiger Obliegenheiten außer Stand ſei, den verlangten Beitrag zu leiſten; dagegen ſei der Bensheimer Rat damit einverſtanden, daß der dermalige Betrag der Stipendien zur Beſchaffung einiger Möbel im Casimirianum verwendet werde, weil die Stadt Bensheim gegenwärtig keinen Studenten zu dieſen Stipendien zu präſentieren habe.— Heckler bemerkt a. a. O., daß der Bensheimer Rat noch im 18. Jahrhundert das Präſentationsrecht geübt habe. Unſer Herr Direktor, Prof. Dr. Keller, mit dem ich gelegentlich über beide Stipendien geſprochen hatte, nahm in ſeinem Wohlwollen für die Bensheimer Jugend Veranlaſſung, ſich bei dem Herrn Prorektor der Univerſität Heidelberg, Prof. Dr. Bartſch, nach beiden Stipendien zu erkundigen und erhielt nach einigen Tagen die Antwort d. d. 25. März 1882: Nur zwei der älteren Privat⸗ ſtipendien hätten die Stürme des Orleaniſchen Krieges und der franzöſiſchen Revolution überdauert. Eine beträchtliche Anzahl der verloren gegangenen führe Hautz, urkundliche Geſchichte der Stipendien und Stiftungen, Heidelberg 1856—57, Heft 2, S. 67 ff. an, unter denen aber die zwei vom Herrn Direktor Keller bezeichneten ſich nicht befänden.


