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immerhin werden aber mehr Prieſter zu Beusheim geweſen ſein, als der Pfarrer zu ſeiner Unterſtützung in der Seelſorge nötig hatte. Es gehörten zwar nach Heckler ¹²³) und Dahl vor der Reformation einſt zur Pfarrei Bensheim die Filiale Zwingenberg, Auerberg und Auerbach, Reichenbach, Gronau, Schloß und Dorf Schönberg, Wilmshauſen und Zell. Allein wir dürfen deshalb nicht annehmen, daß in den genannten Orten keine Prieſter zu Gottesdienſt und Seelſorge wohnhaft waren. Oben, Anm. 2, haben wir geſehen, daß Schönberg einen Kaplan hatte; das necrologium von 1452 erwähnt ferner einen Frühmeſſer Hermann zu Auerbach und Konrad Heylonis ebenfalls als Kaplan zu Schönberg und ſagt uns, indem es den Prieſter Wyaant als Pfarrer zu Gronau, den Prieſter Herold Dilmann als Pfarrer zu Auerbach und den Prieſter Ansheim als Pfarrer zu Reichenbach anführt, daß in dieſen drei Orten ſchon vor dem Jahre 1452 eine eigene Seelſorge beſtand. Wir erſehen hieraus, daß die Zahl der Altariſten in Bensheim im Lauf der Zeit wuchs und zur Zeit der Reformation mit dem Pfarrer und ſeinem*³) Kaplan zuſammen ſl5 Prieſter zu Bensheim wohnten, während die Pfarrei an Ausdehnung verloren und die Arbeit der Seelſorge ſich verringert hatte.
Gewiß haben dieſe Prieſter, da ſie in der Seelſorge nicht alle Verwendung und hinlängliche Be⸗ ſchäftigung finden konnten, zum Teil Unterricht gegeben, wenn auch nicht nach kirchlicher oder ſtaatlicher Verpflichtung, ſo doch nach Neigung, Bedürfnis und Gelegenheit. Auch Pfarrer Caſtricius ſpricht in einem Berichte an Erzbiſchöfliches Generalvikariat, wenn auch aus anderem Grunde als wir, die Ver⸗ mutung aus, daß dieſe Altariſten als Lehrer der ſtudierenden Jugend gewirkt hätten.¹*) Ob aber ſchon zu dieſer Zeit eine von der kirchlichen oder ſtaatlichen Behörde organiſierte lateiniſche Schule zu Bensheim beſtanden hat, darüber fehlen die Nachrichten. Wie dem auch ſein mag, jedenfalls hatte die Jugend Bensheims und der Umgegend Gelegenheit genug, in die humaniſtiſchen Studien eingeführt zu werden und iſt dieſe auch benützt worden. Darauf hin deuten die Stipendien, die zu dieſer Zeit zum Beſten Bensheimer Kinder geſtiftet wurden und deren der Rat zu Bensheim zwei zu vergeben hatte. Das eine war von Simon Barth, Canonicus zu Worms, geſtiftet, das andere von Peter Welcker; beide waren Freiſtellen im Collegium Dionysianum zu Heidelberg, letzteres wird ſchon in einem Protokoll des Bensheimer Gemeinderats vom 9. Mai 1509 erwähnt, laut welchem der Gemeinderat auf dasſelben zu präſentieren hatte. Ueber beide Stipendien enthält das Protokollbuch des Bensheimer Gemeinderats Nr. 185, S. 98 ein ausführliches Schreiben des Prorektors und Dekans der vier Fakultäten zu Heidelberg(d. d. 13. Januar 1592) mit dem Bemerken, daß auf dieſe zwei der zu Heidelberg zu vergebenden Stipendien dem Bens⸗ heimer Rat das Präſentationsrecht zuſtehe.¹³) Der Bensheimer Rat hatte auf eins der beiden Stipendien
¹²) Heckler S. 67, Dahl S. 39, 40, woſelbſt auch über Errichtung eigener Pfarreien in jenen ehemals zu Bensheim gehörigen Filialgemeinden berichtet wird.
¹³) Der Pfarrer zu Bensheim hatte, wie oben bemerkt, einen eigenen Kaplan(Pfarrkaplan), der wohl zu unterſcheiden iſt vom Stadtkaplan, welcher letztere die Pfründe altaris S. Nicolai beſaß. Die Stadt Bensheim, der wir hier bei dieſer Zahl von Geiſtlichen einen eigenen(zweiten) Kaplan zugetheilt ſehen, zählte nach einem Gemeinderatsprotokoll vom 2. März 1668 nur 208 ſelbſtändige Bürger und 32 Witwen, Fehlheim, das damals auch in bürgerlicher Hinſicht mit Bensheim zu einer Gemeinde vereinigt war, hatte 11 ſelbſtändige Bürger und 35 Beiſaſſen. Rechnen wir auf jedes dieſer Familienhäupter 5 Angehörige, ſo ergibt ſich für Bensheim— Fehlheim eine Zahl von 1716 Seelen. Soll die Bevölkerung vor der Refor⸗ mation ſtärker geweſen ſein? Heckler gibt S. 107 die Seelenzahl Bensheims vom Jahre 1600 gar nur zu 875 an.
¹⁴) In jenem Bericht vom 26. März 1746 heißt es:„Vorhero aber, tempore oppignerationis Palatinae und nach Beſchaffenheit deren regierenden Kurfürſten zu Pfalz unterweilen introducti Calvinismi und zuweilen Lutheranismi, haben ſolche beneficia die ſ. g. magistri, Nachmittagsprediger und Schulmeiſter genoſſen, woraus ich abnehme, daß ſolche Doction ſchon vor den Calviniſten bei den Katholiſchen introducirt müſſe gefunden und dabei continuirt worden ſeyn.“
¹⁵) Vgl. Heckler S. 85. Zur Ergänzung der Nachrichten Hecklers über beide Stipendien führe ich ein Schreiben der kurf. Kanzlei zu Mainz an den Gemeinderat zu Bensheim hier an, das vom 4. December 1662 datiert iſt und ſich ebenfalls im Protokollbuch der Stadt Bensheim befindet. Nach dieſem Schreiben hatte die Univerſität Heidelberg an den Bensheimer Rat das Erſuchen gerichtet, wegen zweier in dem Collegium Casimirianum(früher Dionysianum) für Bensheimer Stu⸗


