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Auch vom Altare des h. Leonardus, der zwar im Jahre 1529 mit dem des h. Laurentius uniert erſcheint,“*) aber im Kompetenzbuch von 1566 wieder als eigene Pfründe, vom Junker Gerhard von Bödigheim dem Schulmeiſter zur Nutznießung überwieſen, angeführt wird, ſind uns durch Urkunden Altariſt Joſt aus dem Jahre 1470 und Kaplan Waldenau aus dem Jahre 1509 bekannt.¹) Der Altar des h. Martinus war mit 36 Morgen Feld belehnt und hatte für ſeinen Altariſten ein eigenes Wohnhaus,“) konnte alſo auch ſeinen Prieſter wohl erhalten. Den Altar des h. Johannes hatte 1497 der Prieſter Johann Römer, als Kollator wird 1519 und 1521 Alexander von Helmſtädt erwähnt, der 1519 auch die Kollation des Altares der h. Barbara hatte.“*) Sonſt werden auch Bensheimer Altariſten urkundlich erwähnt ohne Angabe des zugehörigen Altares. ¹⁰⁹)
Aus dem bisher Geſagten ergibt ſich indes nur, daß jeder der betreffenden Altäre eine eigene Pfründe beſaß, die reich genug war, einen Prieſter zu unterhalten und daß jeder Altar wenigſtens zeitweiſe ſeinen eigenen Prieſter hatte. Wir haben aber oben ausgeſprochen, es ſei anzunehmen, daß jeder der Altäre gewöhnlich ſeinen eigenen Prieſter hatte. Dieſe Annahme gründet ſich auf einen Bericht des Pfarrers Caſtricius vom Jahre 1746, aus einem alten Andachtsbuch einer einſt ſehr blühenden Bruderſchaft Beatae Virginis zu Bensheim ſei zu erſehen, daß zur Zeit ſoviele Altariſten in Bensheim geweſen ſeien als Altäre. Hieraus darf man wohl folgern, daß zur Zeit, da das Büchlein in Gebrauch kam, die Bensheimer Bürger⸗ ſchaft gewohnt war, zu ihrem Gottesdienſte für jeden Altar einen eigenen Prieſter angeſtellt zu wiſſen. Ich habe das Büchlein nicht zu ſehen bekommen und Pfarrer Caſtricius gibt weder die Jahreszahl des⸗ ſelben noch die Zahl der Altäre in jenem Berichte an. Es fragt ſich nun, welche Zeit von jenem Buche betroffen werde. Ein Büchlein, deſſen Anſchaffung man den Mitgliedern einer Bruderſchaft zumutete, kann nicht teuer geweſen ſein und iſt gewiß erſt zu der Zeit in Gebrauch gekommen, da man die Buchdrucker⸗ kunſt bereits allgemein ausübte, alſo zu der Zeit, da alle 15 Altäre zu Bensheim geſtiftet waren. ¹*)
Wenn wir daraus nun ſchließen, daß im letzten Decennium des 15. und in den drei erſten Decennien des 16. Jahrhunderts ordnungsmäßig und gewöhnlich 15 Prieſter zu Bensheim wohnten, ſo wollen wir damit nicht behaupten, daß alle dieſe Altarſtiftungen als ſog. beneficia incompatibilia galten und behandelt wurden, und es nicht vorkam, daß zu Zeiten zwei von dieſen Benefizien einem Prieſter übergeben wurden; wir wollen auch einräumen, daß eins oder das andere manchmal eine Zeit lang unbeſetzt ſein konnte;
abſenze daruff nemen———— und wer es ſache, das einer ſich des widern und, nochdem er inn beſeſſe keme, nit zu halten vermeint; alsdan ſollen die obgenant Peter und Gutgin——— die obgeſtimpten Rent, Zinſe und Gulte, wie im Regiſter ſtet, zu iren Handen nemen....“ In der Urkunde von 1499 lautet es:„Wo aber einer ſollich Pfrund inhaben und nit inn aigner perſon darauf reſidiren, die lut der fundation beſizen und beleſen wurde; demſſelben ſol diſe fryhung nit zu ſtatt kumen noch uns oder unſer erben gegen Ime bynden.“
²2) Würdtwein, dioecesis Moguntina in archidiaconatus distincta I p. 426„ad altare S. Leonardi in Bens- heim..., quod forte cum altari S. Laurentii unitum fuit 1529.
¹) Heckler S. 70, Dahl 209.
3) Heckler S. 69.
) Heckler S. 69 und 70.
¹0) So werden in einer Urkunde, die ſich im Bensheimer Pfarrarchiv befindet, ausgeſtellt unter Pfarrer Suerbier zu Bensheim 1437, nach welcher der 1436 verſtorbene Bensheimer Pfarrer Bruno von Geiſenheim der Bensheimer Pfarrkirche 100 Gulden vermacht hat, damit in der Oktav des Feſtes Mariä Heimſuchung alle Tage unter der Meſſe das Lob Mariä geſungen und nach der Oktav ihm und ſeinen Eltern eine Seelenmeſſe gehalten werde, außer dem Pfarrer Suerbier noch Johannes Halzſtein, Johann Gumper, Johann Dubeneßer, Joh. Groß, Konrad Snelle, Petrus Allehin und Hermann Erz⸗ berger„alle Altariſten zu Bensheim“ genannt.
¹1) Pfarrer Caſtricius verlangt in jenem Bericht an Erzbiſchöfliches General⸗Vikariat zu Mainz die Mithülfe der beiden Benefiziaten in der Seelſorge und redet davon, daß vor Einführung der Reformation die Pfarrei Bensheim eine Ausdeh⸗ nung hatte, daß ein Pfarrer mit ſeinem Kaplaue ſie unmöglich habe beſtreiten können. Daher hätten die Altariſten in der Seelſorge mitgeholfen und deren Zahl ſei der Zahl der Altäre gleich geweſen. Das Zeugnis jenes Bruderſchaftsbüchleins wird alſo angerufen für die Verhältniſſe der Pfarrei Bensheim vor der Reformation.


