Aufsatz 
Geschichte des Bensheimer Gymnasiums nach den Urkunden dargestellt : 1. Teil / von Heinrich Dinges
Entstehung
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licher oder ſtaatlicher Verpflichtung, ſo doch nach Gelegenheit und nach Bedürfnis daſelbſt auf klaſſiſchem Gebiet erteilt hatten, der Stadt Bensheim und der Umgegend erſetzt werde.

Denn vor der Reformation beſtanden zu Bensheim außer dem hohen Altare der Pfarrkirche 15 weitere Altäre, jeder eigener Stiftung und wohl ſo dotiert, daß jeder ſeinen eigenen Prieſter haben konnte. Das waren die Altäre 1. des heiligen Geiſtes, 2. der heiligen Maria, 3. der h. Magdalena, 4. der h. Katharina, 5. der h. Barbara, 6. der h. Margareta, 7. der h. Anna, 8. der hh. drei Könige, 9. des h. Kreuzes, 10. des h. Johannes, 11. des h. Nikolaus, 12. des h. Martinus, 13. des h. Laurentius, 14. des h. Leonardus, 15. der Altar aller Heiligen. Mit Ausnahme der Altäre des h. Martinus, der h. Barbara und des h. Geiſtes ſteht es hinſichtlich der übrigen 12 Altäre urkundlich ſicher, daß jeder derſelben(wenigſtens zeitweiſe) ſeinen eigenen Prieſter hatte. Es iſt aber wahrſcheinlich, daß unter urkundlich erwähnten Kaplänen im Spyddel (Hospital) Prieſter zum Altare des h. Geiſtes zu verſtehen ſind, ſo daß nur noch die Altäre des h. Martinus und der h. Barbara als nicht jeder für ſich mit einem Prieſter verſehen, ſondern als nur nebenbei einem Geiſtlichen aſſigniert erſcheinen können. Doch, wie dem auch ſei, jedenfalls ſind die erwähnten Kapläne im Hospital als eigens ad hoc berufene Prieſter anzuſehen, ſo daß wir mindeſtens 13 Altarſtiftungen mit je einem Prieſter zu zählen haben und mit der Pfarrei und Pfarrkaplanei(der hiervon zu unterſcheidende Stadtkaplan hatte das beneficium St. Nicolai, iſt alſo bereits mitgezählt) 15 geiſtliche Amter mit je einem Prieſter zu beſetzen waren. Es iſt aber auch wahrſcheinlich, daß für jeden dieſer Altäre nicht blos zeitweiſe, ſondern gewöhnlich je ein Prieſter berufen und zu Bensheim anweſend war. In einem necrologium aus Pergament, aus dem Jahre 1452, das im Pfarrarchiv zu Bensheim aufbewahrt iſt, ſtehen nämlich vom Altare der h. Maria drei, der h. Magdalena vier, der h. Katharina drei, der h. Margareta drei und vom Altare des h. Nikolaus ebenfalls drei Altariſten nebſt einem Kaplan des Pfarrers deutlich bezeichnet, deren Gedächtnis zu begehen ſei; von den Altären der hh. drei Könige, des h. Kreuzes und vom Allerheiligen⸗ Altar iſt zu dieſem Ende je ein Altariſt genannt; von den Altären des h. Geiſtes und der h. Anna, welche ſich(nebſt dem Allerheiligen⸗Altar) im Hospital befanden, iſt zwar kein Altariſt als ausſchließlich einem der beiden Altäre zugehörig bezeichnet, aber es ſind vier Prieſter als Kapläne im Spyddel(Hospital) angegeben.*) Dieſe gehörten wohl dem Altare des h. Geiſtes an und ſind deshalb ſchlechtweg als Kapläne im Hospital bezeichnet, weil ihr Altar der Hauptaltar der Hospitalkirche war; von jenem Altare der h. Anna aber führt Heckler S. 83 aus der Zeit von 14321533 zwölf Altariſten an. Der Altar des h. Laurentius iſt, wie oben bemerkt, erſt ſpäter, im Jahre 1488, geſtiftet worden und von ihm ſind außer dem oben Anm. 2 genannten Verweſer Johann Bopp aus dem Stiftungsjahre die Altariſten Conradus Frawel) aus dem Jahre 1509, Valentinus Offele aus dem Jahre 1510 und Valentinus Gambel aus dem Jahre 1512 urkundlich bekannt, welcher letztere damals mit dem Kollator Peter Ritzhaub Streit hatte, weil er ſeinen Wohnſitz nicht, wie es die Stiftung verlangte, zu Bensheim nehmen wollte, und vom Offtzial des Propſtes von St. Victor extra muros zu Mainz am 8. December genannten Jahres Urteil und Befehl erhielt, innerhalb eines Monats ſeinen Wohnſitz zu Bensheim zu nehmen. Eine Abſchrift dieſes Urteils findet ſich im Archiv der Pfarrkirche zu Bensheim.*) ³) S. Heckler, der S. 77 und 78 aus dem necrologium die Namen der Geiſttlichen angibt. ) S. Heckler, Anhang Nr. 10. ) S. auch Dahl S. 89, Heckler S. 69. Die Entſcheidung lautet: Volumus, declaramus et decernimus dictum Valentinum Gambel reum compellendum fore et esse et compellimus ad faciendam residentiam personalem intra unius mensis spatium a die dato praesentium computando in loco dicti beneficii, ut eodem in divinis intersit juxta tenorem fundationis, alioquin dicto termino lapso iam dictum beneficium ad manus actoris tanquam colla- toris absque contradictione resignabit. Es iſt auch in den beiden Urkunden von 1488 und 1499, die ſich im Großh. Archiv zu Darmſtadt befinden, dem Altariſten gehörig eingeſchärft, ſtets in Bensheim zu wohnen. In der erſten Urkunde heißt es:Es ſol auch der, dem die pfrunde zugeeygnet wirt von dem dickgenant Petern und Gutgin, perſenlich do zu Benßheim wonen nnd ſtetiglichen da ſitzen, wonhaftiglichen er und alle ſin nachkommen, und dheiner und nummer mee kein