Aufsatz 
Horaz und Rosenberg. Kritische Beiträge zur Erklärung der Oden des Horaz
Entstehung
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aborantDie Eiche hat zitterndes, geſpenſterhaft ſäuſelndes Laub). I 29, 15 ruft H. aus: Du willſt die mühſam geſammelten Bücher mit Panzerhemden vertauſchen? Dazu R.:Es ſchwebte dem Dichter vielleicht der Waffentauſch des Diomedes und Glaukus vor. Mit Bezug darauf ſetzt er hinzu pollicitus meliora(wir hielten dich für kluger als Gl.). 36, 8 wird erwähnt, daß Numida und Lamia von demſelben Schulmeiſter(rex puertiae) unterrichtet wurden. R.:Vielleicht ein Stoiker, die(sic) ſich wohl Könige nannten. II 7, 21 Massico oblivioso]Das Gedicht war alſo zu einer Zeit geſchrieben, wo man noch nicht vergeſſen hatte, ſondern noch zu vergeſſen ſuchte. Der Becher Größe wird hervor⸗ gehoben, damit des Dichters Freude recht bezeichnet werde. Daß er ausländiſche(2) Becher auf die Tafel ſetzte, war eine neue Aufmerkſamkeit für den vielgereiſten Freund. Wenn H. beſcheiden von ſeinem geringen Talente ſpricht(II 16, 38. III 3, 70. IV 2, 27), ſo gebraucht er mehrfach den Ausdruck tenuis, tenuare. Dadurch irre geführt bezieht R. dieſe Wendungen auf das genus tenue,die Schlichtheit und Zartheit(!) des Attizismus; die cycni(IV 2, 25) dagegenſind die Dichter des Genus grande. Bekanntlich ſind dieſe genera doch nur Stilarten. III 3, 70 bringt er eine neue Konfuſion hinzu, indem er die modi parvi als alcäiſche Verſe im Gegenſatz zu den v. longi(Hexam.) faßt. Hier hätte ſchon das desine(magna modis tenuare parvis), das doch nicht= noli iſt, ihm die Augen öffnen müſſen. Vgl. I 6, 9 conamur tenues grandia,wir Zwerge nichts(!) Rieſiges R. 1 5, 13 miseri, quibus int. nites]Hier wird Pyrrha mit einem böſen Geſtirn verglichen, welches die ahnungsloſen Schiffer verlockt. Ähnlich iſt die Heineſche Lorelei. Den Vergleich mit einem Stern (nicht Geſtirn) läßt man ſich im Hinblick auf III 15, 6 noch gefallen, obwohl er nicht nötig iſt; an die Weiterführung des Bildes im Heineſchen Sinn hat H. ſicher nicht gedacht. II 15, 11 lobt H. die Einfachheit der Römer zur Zeit des intonsi Catonis. Dazu R.:Es ſcheint ein Gegenſatz zu den be⸗ ſchnittenen Laubengängen(h) vorzuſchweben. 16, 31 et mihi forsan, tibi quod negarit, porriget hora] Der Konjunktiv iſt ſchmeichelhaft für Pompejus, als ob der Dichter nichts Beſtimmtes kenne. II 18, 30 ſoll orci mit Abſicht neben fine ſtehen, weil es an 5pos anklingt, und V. 10 der Ausdruck ben. vena ingenii gewählt ſein, weil vorher von Marmor die Rede war. Dabei wird der Marmor nicht einmal genannt, ſondern mit Wendungen wie trabes Hymettiae nur angedeutet. III 1, 1 profanum volgus. Sollte H. wirklich damit auf den Pöbel hinweiſen,welcher H.s gräciſierende Poeſie nicht be⸗ griff oder nicht dulden(!) wollte? Descende caelo 4, 1 ſoll ſich auf den Schluß von c. 3 beziehen, wo ſie den Reden der Götter unbefugt gelauſcht hat. Der wunderliche Einfall Porphyrions, den neuerdings Kießling wieder aufgegriffen hat, iſt längſt zurückgewieſen; iſt es doch mindeſtens fraglich, ob c. 4 überhaupt im Anſchluß an 3 gedichtet wurde(Orelli, Ritter). 14, 3 Caesar repetit penates] vielleicht mit Anſpielung auf den beſonderen Kult, den Auguſt den Laren widmete.

10. Auch in den weit verbreiteten Fehler, erklären zu wollen, wo gar nichts zu erklären iſt, Dinge heranzuziehen, die für das Verſtändnis keinerlei Bedeutung haben, iſt R. nur zu oft verfallen. Suche nicht lange nach einer verſpäteten Roſe, ſagt Horaz I.38, 3; dazu folgt als Errungenſchaft der neuſten Auflage die Anmerkung:Er will ſie nicht zu einem Bukett pflücken. Übrigens blühten die Roſen damals nur einmal. Ohne weiteres zu ſtreichen wären z. B. I 1, 9 horreo Scheune. 11 patrios ererbt. 16 metuens bangend 12, 30 fugiunt nudes es fliehen die Wolken. 25, 1 fen. iunctas geſchloſſen. 34, 13 deus die Gottheit. 36, 6 oscula dividit austeilt. II 17, 11 supremum iter letzte Reiſe. 4, 15 certe ſicherlich. 13, 4 opprobrium Schande. 14, 2 labuntur gleiten. 17, 2 nec nec nicht noch. III 7, 9 atqui und doch. 11, 22 stetit(urna sicca) dazu gehört sicca. 20, 3 post paulo wir erwarten(2) die umgekehrte Stellung. 30, 5 fuga temporum Flucht der Zeiten. Zur Überſetzung von haediliae Zicklein I 17, 9 und ceciditfällte III 6, 35 beruft ſich R. auch noch auf fremde Autoritäten, Wagner und Nauck. Primaner braucht man doch auch nicht zur Überſetzung der Sätze der Befürchtung ohnedaß(I 2, 5) oder des Futurums mitwollen(10, 5) anzuleiten, noch zu mahnen(II 13, 1 zu et et):Die Korreſponſion muß man in der poetiſchen Übertragung(nur da?) nicht merken laſſen. Als ſelbſtverſtändlich iſt ferner zu ſtreichen die Angabe zu I 29, 4(militiam paras) regibus Dativ, von der ganzen Wendung des Kämpfens(?) abhängig. II 17, 5 te meae si partem animae rapit]part. Appoſition zu te. III 5, 8 consen. soceror. in armis]socer, abhängig von armis. Wenn zu caput aquae I 1, 22 das Homeriſche znt zpards usoc angezogen wird, ſo ſoll ein an ſich klarer Ausdruck durch einen minder durchſichtigen erläutert werden. Zu 4, 10 wird ganz unmotiviert die überraſchende Tatſache mitgeteilt, daß die Blütezeit der Veilchen(bei uns) in den März fällt. III 28, 1 Festo quid potius die faciam wird jeder Schüler ſofort richtig überſetzen. R. verwickelt die einfache Sache durch folgende Anmerkung:Wir gebrauchen den Superlativ. Der Lateiner denkt fich nur zwei Möglichkeiten: 1) Das Angemeſſene; 2) das Nichtangemeſſene. Als überflüſſig und zudem