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Orymoron, auch wenn man nicht mit Vahlen inaud. adverbial überſetzt; denn was iſt gewöhnlicher als ein feiger Räuber? Auch IV 1, 4 dulcium mater saeva Cupidinum iſt es nicht. Ein Gegenſatz iſt noch lange kein Oxym., und warum ſoll eine mater saeva nicht dulces liberos haben? Ebenſo wenig wird man in dem Ausdruck palluit audax III 27, 28 ein Oxym. erblicken dürfen, wie ja auch R.s Über⸗ ſetzung beweiſt:„erblaßte trotz ſeiner(lies: ihrer) Kühnheit“. 2, 13 dulce et decorum. R. empfiehlt die„Stimmungsanaphora“(!) mit der Überſetzung„wonnig und würdig“ nachzuahmen; er verwechſelt offenbar Anaphora mit Alliteration, wie er anderwärts Enallage mit Metonymie verwechſelt: zu II 1, 40 modos leviore plectro„Enallage des Adj. für: Weiſen mit leichterem Inhalte“. Zu I 15, 1 Pastor cum trah... navibus Jdaeis Helen. wird bemerkt:„Eine Enallage. Auch der Hirt iſt vom Ida.“ Es läßt ſich ja wohl aus dem nav. Jd. auch ein Jdaeus zu pastor heraushören, aber damit wird der Ausdruck noch nicht zur E. Der Ida hatte das Holz zu den Schiffen geliefert; vgl. Verg. An. III 5. Umgekehrt hätte R. beſſer mit Kießling eine Art Enallage angenommen I 4, 8 Volcanus ardens urit officinas= V. ardentes urit off.¹) Statt deſſen erklärt er nach Nauck:„im Feuer, 0ns550„, norryöwy, wie das zum Weſen des Homeriſchen Gottes der Eſſe gehört.“²) Auch das iſt unrichtig. 0rs5dcy(geſchäftig) wird zweimal( 373, 472) von Hephaiſtos gebraucht, aber durch die Situation bedingt, ohne irgendwie ſtehendes Beiwort zu ſein, und gar„οναν˙6 iſt es ſo wenig, daß alle in unbändiges Gelächter ausbrechen, wie ſie den hinkenden Gott in der ungewohnten Rolle er⸗ blicken(A 600).
8. Ein Dichter braucht kein Kriegsheld und kein Ausbund aller Tugenden zu ſein. Horaz war bei Philippi unter den Beſiegten; er hat dem Auguſt gelegentlich derb geſchmeichelt; er war auch kein Verächter der munera Liberi et Veneris. Wann wird man endlich aufhören da zu beſchönigen? Namentlich was Punkt 1 betrifft: konnte er allein die Niederlage verhindern, oder ſollte er, als er die Schlacht verloren ſah, zwecklos den Tod ſuchen? R. eignet ſich folgende Ausführungen eines Un⸗ genannten an(II 7, 10):„Nicht darauf kommt es an, daß er ſeine parma verloren hatte— wer weiß, ob er eine getragen—, ſondern darauf, daß die ganze Reiterei floh. Auch iſt es ſchließlich etwas anderes, wenn Römer vor Römern flohen, wie hier, als wenn das vor Barbaren geſchah.“ Den Vor⸗ wurf der Schmeichelei ſucht er ſo zu entkräften(III 5, 2 praesens divus habebitur):„Das Futur. iſt zu beachten! Alſo keine Schmeichelei, eher noch Freimütigkeit.“ Den der Unmäßigkeit(zu 29, 2 non a. verso l. merum cado):„merum iſt nicht wörtlich zu nehmen, ſondern nur der Abwechſelung wegen ſtatt vinum.“ Aber war denn der Wein im Faſſe ſchon gemiſcht? Umgekehrt wird H. ebenſo un⸗ motiviert getadelt I 15, 28:„Der Dichter zeigt wohl Kenntniſſe(sic) Homers, aber in dieſer Ode mehr tumultuariſche(!) als geordnete.“ Und dieſen Vorwurf macht man ohne jeden Anhalt— ſ. Schütz und Kießl. z. d. St.— dem Verfaſſer von Epi. II! Ähnlich zu Tuscis aequoribus IV 4, 54:„über hin. An dieſer Auffaſſung könnte irre machen, daß ja die Trojaner nicht immer auf den tuskiſchen Wogen umhergeſchleudert wurden; aber der Dichter iſt hier ungenau.“ Doch für ſolche„Ungenauig⸗ keiten“ findet R. auch wieder eine Entſchuldigung(8, 17):„Mittel wie wir, um Geſchichte zu lernen, hatte H. nicht.“ Und wenn ihm die Sprache der Liebe bei dem caelebs Horaz zu leidenſchaftlich er⸗ ſcheint, ſo hat er dafür das Schlagwort„formelhaft“ bereit: III 10, 19 hoc latus]„Dieſe Sprache und Bilder, welche, bezeichneten ſie Wahres, die größte Leidenſchaftlichkeit verraten würden, ſind durch häufigen Gebrauch in der Liebespoeſie zu Formeln geworden und im einzelnen nicht allzu ernſthaft zu nehmen.“ 26, 8„Alles in ſolchen Liebesliedern mit formelhafter Übertreibung.“ Vgl. 10 Schl. IV 1 Schl.³) Endlich will R. den Dichter auch vor dem Verdacht der Anmaßung ſchützen. III 30 (Exegi monum.) Schl.:„Von Anmaßung kann... nicht die Rede ſein. Bei den Römern iſt, wie noch jetzt bei den Italienern, die Sprache kühner als der Gedanke, bei uns Deutſchen dagegen der Ge⸗ danke kühner als die Sprache.“
9. Nicht ſelten wittert R. Beziehungen und Anſpielungen, an die Horaz ſicherlich nie gedacht hat. I 1. 7 mob. turba Quirit.]„mobilium iſt betont; aber auch Ouirit, ſteht betont den vorher er⸗ wähnten griechiſchen Verhältniſſen gegenüber.“ Kießl. trifft das Richtige mit dem einen Worte „ſpöttiſch.“ 12, 1 lyra vel tibia]„Mit der lyra deutet er die griechiſche Form und mit der tibia den römiſchen Inhalt ſeines Liedes an.“ 12 auritas fidibus ducere quercus]„Vielleicht werden die qu. gerade mit Abſicht angeführt, weil es von allen Bäumen bei ihnen am meiſten wunderbar war, da ſie ſonſt nie aufmerkſam ſind(!), ſondern immer wispern und ſchwatzen“(vgl. zu II 9, 6 aquil. querceta G.
¹) Oder man faßt ardens als„glutbeſtrahlt“,„im Schein des Feuers“.
²) Ahnlich zu III 4, 58 avidus Volc. 0mπνο⁶ν, wie das ſeine Natur iſt.“ 3) Dies„formelhaft“ ſpielt bei R. auch ſonſt eine Rolle, ſ. I 7, 9. I 25 Schl. II 13, 17 III 27, 21 u. Schl.


