Aufsatz 
Horaz und Rosenberg. Kritische Beiträge zur Erklärung der Oden des Horaz
Entstehung
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Warum nur? 28, 31 Neglegis nocituram postmodo te natis fraudem committere]postm. gehört zu fraud. com. Über die Beziehung von te mag man verſchiedener Meinung ſein; es kann als Subj. zum Inf. oder zu natis oder zu beiden gezogen werden. Postm. gehört zu nocituram; allenfalls ließe es ſich auch zu natis ziehen(den ſpäteren Geſchlechtern), aber die Verbindung postm. committere iſt rein unmöglich. Sie iſt auch keinem andern Hg. in den Sinn gekommen; es blieb R. vorbehalten Horaz den Gedanken zu imputieren: Achteſt du es gering hinterher ein Unrecht zu begehen, das ſich... rächen wird. 32, 7 sive iactat. religarat litore navim]losgebunden hatte, zu neuer Seefahrt. Zur Bedeutungange⸗ bunden hatte würde tamen nicht paſſen. Religare heißt anbinden und iſt term, tech. für das Feſt⸗ machen eines Schiffes. Für die Bedeutung losbinden gibt es nur ein ſichres Beiſpiel, Catull 63, 84. Eine beſonnene Interpretation hat alſo an der landläufigen Bedeutung feſtzuhalten, wo es irgend geht. Nun, was hat man auszuſetzen an dem Gedanken: Sonſt ein trotziger Krieger, ſang er doch(tamen) in den Pauſen(inter) der Kämpfe und Seefahrten? Auch kann iact. vom Schaukeln des Schiffsin der Brandung am Geſtade kaum geſagt ſein. Nachdem Schütz, der übrigens iactat.proleptiſch faßte, ſeinen Irrtum(3. Aufl.) aufgegeben hat, ſteht R. mit ſeiner Deutung wohl allein. 31, 18 integra c. mente heißtmit ungeſchwächter Geiſteskraft. R. verſteht darunterdie Reinheit, die den mercatores fehlte. II 1, 9 paul. sev. musa tragoediae desit theatris]Musa ſteht für ſich, sev. trag. iſt Dativ, theatr. Abl. loci. Der wahre Sachverhalt sev. trag. Genetiv, theatr. Dativ iſt den Hgg. ſo ſelbſtver⸗ ſtändlich erſchienen, daß kaum einer ein Wort darüber verliert. 3, 2 non secus in bonis temp... laetitia]iſt nur parenthetiſch und tonlos der Veranſchaulichung des Gedankens wegen hinzugeſetzt: wie du ſie einſt... zu bewahren wußteſt. So lehrt R. anſcheinend nach Nauck:Eine bloß bei⸗ läufige Erklärung des Hauptgedankens, auf welche nicht weiter Rückſicht genommen wird. Nein, es iſt Punkt 2 der Mahnung: bewahre Gleichmut in Unglück und Glück, kann alſo gar nicht entbehrt werden. 5, 9 tolle cupid. immitis uvae]Lalage gleicht hier einer noch nicht reifen Traube. Der Dichter denkt an die Fabel vom Fuchs, der ſich über die nicht erreichten Trauben tröſtet, indem er ausruft: öucané« eictwy. Dann hätte H. die Pointe der Fabel ebenſo gründlich mißverſtanden wie R.: Lalage iſt ja wirklich unreif. 11, 1 Scythes divisus obiecto Hadria]Begründung und zwar aus dem Sinne des ängſtlichen Freundes:der dir nur noch durch... getrennt ſcheint. Den Gründen, die Kießling gegen dieſe höchſt geſuchte Erklärung vorbringt, füge ich einen weiteren hinzu: nur für den optimiſtiſchen Beurteiler iſt der Hadria ein Schutz gegen den Feind im Nordoſten; der Angſtliche würde ſich ſagen, daß er ja einfach umgangen werden kann. 21 devium(scortum) heißt nicht ſchwärmeriſch(andre: eigenartig), wie R. nach Plüß erklärt, ſondernabſeits wohnend; ſie macht ſich nicht gemein. 18, 14 satis beatus iſt nicht= reich beglückt. Wenn irgendwo, ſo hat hier s. ſeine eigentliche Bedeutungausreichend. Für keine der Stellen, die Schütz aus H. anführt, kann ich die von ihm behauptete Bedeutungvöllig, tüchtig, gehörig anerkennen. 20, 6 ego, quem vocas, Maecenas]M. ruft mit Sehnſucht den ſchon tot gedachten Dichter. Ahnlich Peerlkamp:Der im Tod vorausgegangene M. ruft den Horaz zu ſich. Aber dieſe Deutung iſt unmöglich angeſichts der V. V. 23 f. Es heißt einfach: den du deiner Einladung würdigſt(Kie.) oderals Freund ehrſt (Na.). III 1, 44 Achämenes war kein uralter Perſerkönig. 4, 11 ludo fatigatumque somno]somnus iſt Müdigkeit, fatig. ermattet. Alſovon Müdigkeit ermattet? Mit Recht verweiſt man auf das Homeriſche ön zal aατι αρνεννσα wo doch gewiß öwos neben zau. nicht tautologiſch ſteht. Gemeint iſt der Zuſtand der Schlaftrunkenheit. 5, 1 Caelo ton. credidimus Jovem regnare]zu dem Glauben ge⸗ langt ſind; unrichtig ſtatt: Seither haben wir geglaubt, es gebe nur einen Gott, und der herrſche im Himmel. 5 Milesne Crassi vixit]begründend. In Proſa: an non. Das iſt ebenſo falſch wie die Notiz zu V. 15 et exemplo:In Proſa würde genauer ſtehen ut ex. Hier hängt doch ex. wie condicionibus(Dat.) von dissentientis ab, und ein ut dabei iſt rein unmöglich. V. 5 ſoll coniuge barb. zu turpis gehören:In häßlichex(!) Ehe mit. Richtig verbindet Nauck coniuge maritus. 28 nec amiss. color. lana ref. med. fuco. fucus bedeutet Purpur oder(Färbe⸗) Tang, aber doch nicht beides gleichzeitig, und ſinnlos iſt die Erklärung:Purpurgewänder, wenn ſie verſchoſſen ſind, laſſen ſich durch Auffärben mit Flechtenſaft nicht zu ihrer urſprünglichen Farbenpracht wiederherſtellen. 6, 5 Dis te minorem quod geris, imperas; hinc omne princ.]hinc geht auf den im folgenden Verſe⸗ liegenden Gedanken der Frömmigkeit(Demut?). Der folgende Vers(Di multa negl. ded. Hesp. mala) enthält keinen auch nur ähnlichen Gedanken. Soll es dafür heißen: im vorausgehenden? Aber dann iſt die Bemerkung in ihrer Selbſtverſtändlichkeit unbegreiflich. 8, 15 vig. lucern. perfer in diem]wozu aller⸗ dings bei der ſchlechten Beſchaffenheit der qualmenden Ampeln Kraft gehörte. Die Alten trugen Bedenken, eine brennende Lampe auszulöſchen. In 3. Aufl. wurde behauptet:Die Alten löſchten keine Lampe aus.