Aufsatz 
Horaz und Rosenberg. Kritische Beiträge zur Erklärung der Oden des Horaz
Entstehung
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Individualiſierungen und mythologiſchen Exkurſe¹), vor allem aber durch metriſche Fertigkeit ſeine Gelehrſamkeit zu bezeugen. R. verſteift ſich mit Unrecht auf die Bedeutunggelehrt und kennt den viel weiteren Sinn von d. nicht. Vgl. Möbius(und Halm) zu Cic. Mil.§ 8. Cic. Tusc. I 3 ap. Graec. antiquiss. e doctis genus est poetarum. 31 nymph. l. cum sat. chori]Nymphen und Satyre gegenſätzlich. Gegenſätzlich? Die gehören ja gerade zuſammen! 2, 23 vitio par. rara iuventus]Im J. 71 v. Chr. wird die Zahl der Bewohner Roms auf 683 000 angegeben; bei Beginn der chriſtlichen AÄra waren es nur noch 450 000. Woher ſtammen dieſe rein aus der Luft gegriffenen Zahlen? Marquard hatte 1,610 000 herausgerechnet, J. Beloch 800 000, doch hat Pöhlmann bewieſen, daß eine auch nur annähernde Beſtimmung der Zahl für irgend einen Zeitpunkt unmöglich iſt. 37 nim. 1. satiate ludo]den leider nur langes Waffenſpiel ſättigen konnte. Er iſt nämlich ros 1016οο. Nein; Mars iſt ſonſt à.., aber des allzu langen W. iſt ſelbſt er überdrüſſig. 3, 21 deus absc. Oceano dissoc. terras. R. faßt mit Kie. Oc. als Abl. der Trennung auf und diss. alsungeſellig, mit dem ſich keine Gemeinſchaft anknüpfen läßt. Natürlich iſt O. Abl. Inſtrum. und diss. bedeutet ſcheidend (Georges, Nauck): Die Schiffe Überſpringen keck die Schranken, welche die Gottheit zwiſchen den Ländern gezogen hat. 4, 13 mors aequo puls. p. paup. tab.!]Des Todes gleichmachende Tätigkeit zeigt ſich auch in ſeinem Pochen auf das Dach und den Giebel(h) des Hauſes. Der Tod iſt ge⸗ flügelt gedacht. Selbſtverſtändlich iſt das Pochen an die Haustür gemeint, wozu man bekanntlich⸗ den Fuß benutzte. R. hat ſich zu ſeiner Erklärung anſcheinend durch III 24, 5 verleiten laſſen,(si figit ad. sum. vertic. N. clavos). 6, 1 Scriberis Vario.. alite. Man mag mit den meiſten Hgg. den Abl. wählen ſtatt des dat. auct.(Kie.), aber das iſt kein abl. instrum., und ſinnlos iſt die Begründung: weil es ſich hier weniger um Varius Perſon handelt als um ſeine Dichtung. 10 Musa potens lyrae. R. deutet die Überſetzung an:Die M., welche.. gebeut. Gut; was ſoll aber angeſichts dieſer handgreiflichen Perſonifikation die Bemerkung:MNusa iſt die Erkenntnis der Geſetze der Lyrik? Sie iſt hier noch weniger am Platz als die zu 1, 33 Euterpe:Zuweilen ſteht M. metonymiſch für Geſang und zu III 30, 16 mihi D. lauro cinge v., Melp., comam:Melp. iſt ſeine eigene, in ihm wohnende Muſe, die erſt ſpäter zur M. der Tragödie geſtempelt wird. Die Auffaſſung iſt ſo verzwickt, daß ſie keiner Widerlegung bedarf. Schon das mihi cinge comam beweiſt ſchlagend, daß M. als eine außer ihm ſtehende Perſönlichkeit gedacht iſt(vgl. R. zu II 1, 9daß die Muſe von der Perſönlichkeit getrennt wird, zeigt mecum V. 39*). I 7, 6 carmine perpetuo]gemeint iſt ein epiſches Gedicht. Wirklich? Kie. überſetzt:in zuſammenhängender Dichtung; beſſer wäre wohl: unaufhörlich im Liede. 7, 29 Salam, ambiguam erklärt R. alsdoppeldeutig, wie die Orakelſprache ja dunkel iſt. Dem widerſpricht ſtracks das certus promis. Apollo. Georges trifft auch hier den Nagel auf den Kopf:ein zweites gleichnamiges S.(ſo auch Obb. Na. Kie. Schü.). Vielleicht hat. die falſche Deutung veranlaßt mit der Notiz:Der etwas dunkle Ausdruck ahmt die Redeweiſe der Orakel nach. 9, 1 vides, ut ſoll geſagt ſein,weil es ſich um das wirkſamere, körperliche Sehen handelt. 4 flum. constit.]Die Winter waren im Altertum in Italien weit kälter als in der Neuzeit(vgl. III 10, 8Knirſchenden Schnee erlebt der moderne Römer nicht mehr). Woher weiß das R.? Oerſtedt(Der Geiſt i. d. Natur, München 1851 II S. 243) hat dieſe Anſicht ſchlagend widerlegt, und Arago(ſ. Curtze, Die Germ. v. Tacitus, Lpz. 1868 S. 24)hat nachgewieſen, daß die Temperatur des Erdballs ſeit 3000. Jahren keine Anderung um ¹⁄½1%0 eines Grades erlitten haben könne, indem er durch 42 Beiſpiele ent⸗ kräftet, die Winter ſeien ehemals ſtrenger geweſen als jetzt. 12, 44 av. apto cum lare fundus]mit der zugefügten Hütte. Apto, wofür manche ſinngemäß, doch ohne Not arto ſchreiben, heißt paſſend, entſprechend(alſo beſcheiden Na.). 14, 6 sine funibus]die Taue ſind über dem Schiffe. Erwartet ſie jemand darunter? 8 aequor imperiosius]Überſetze durch den Poſitiv. Dann überſetzt der Schüler mindeſtens ungenau. Auch 19, 6 Glyc. nitor splend. marmore purius und III 6, 16 ille melior sagittis wird ohne Grund dierechte Komparativbedeutung geleugnet. 21, 4 dilect. Jovi]ſtatt a Jove be⸗ zeichnet ein dauerndes Verhältnis: Die geliebt blieb. Damit wird ein fremder Begriff in den dat. auct. getragen; ebenſo II 6, 5 Tib. Arg. positum colonoDativ ſt. Ablativ, damit eine innigere Ver⸗ bindung zwiſchen Verb und Subſt. entſtände. 27, 19 qu. laborabas Charybdi]als du den Namen nicht über die Lippen bringen wollteſt. Nein, es bezieht ſich auf die unwürdigen Liebesbande, in denen er ſchmachtete und noch ſchmachtet. Das Imperf., an dem ſich R. offenbar geſtoßen, haben Nauck und Küſter richtig erklärt. 21 Thessalis(venenis)fehlte nach unſerm Geſchmack. beſſer.

¹) Ahnlich zu 2, 7:Der Dichter verweilt bei der Schilderung der deukal. Flut länger, als wir es erwarten. Der⸗ artige mythiſche Erzählungen beſchäftigten gerade damals die Dichter in beſonderem Maße und gaben ihnen ge⸗ wünſchte(!) Gelegenheit, ihre epiſche Kunſt zu zeigen.