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dich 5, 2, ſich rotten 35, 14, ſchnürende Armut III 2, 1, was fördern Geſetze 24, 35, wirbeln als Tranſit. II 9, 22 u. a..
In Bezug auf Einzelheiten des Ausdrucks könnte ich mich ſehr kurz faſſen. Wenn jemand allen Ernſtes decens als Attribut der Venus I 18, 6 mit„taktvoll, vornehm“ überſetzt¹) und horridus (non te neglegit h. III 21, 10) mit„ein Eisbär“,²) ſo iſt der Gipfel der Geſchmackloſigkeit er⸗ klommen und jedes weitere Wort überflüſſig. Indeſſen ſeien bei der Wichtigkeit des Gegenſtandes aus der ungeheuren Fülle des Materials noch einige Beiſpiele erwähnt. Man kann nicht ſagen„den Frühling zermalmt(ſtatt verdrängt) der Sommer“(IV 7, 9),„ein Sang wirſt du dem Varius ſein“ (I 6, 1). Man„quält“ nicht die Rebe(31, 9) noch„haſcht“ man die Roſe(38, 3); man ſpricht auch nicht von einem„Horſt“ der Tauben(2, 10). Den Schwan als„geflügelten Sänger“ II 20, 15 kann man nicht„ſangreichen Flügelgänger“ nennen, den Purpur III 1, 42 nicht„funkelnd“(ſt. leuchtend) noch den, der Rhonewaſſer trinkt, einen„Zecher der Rhone“(II 20, 20).„Das Naß haſtet“ 3, 11 für„die Welle enteilt“ ſoll vermutlich hochpoetiſch ſein; um ſo platter und trivialer iſt die Überſetzung von susurri repetantur I 9, 20„das Liebesgeflüſter ſoll gebührend(re) beachtet werden.“ Iſt das über⸗ haupt noch Deutſch, wenn III 5, 1 Caelo ton. cred. Jovem überſetzt wird„wie wir für den Gott im Himmel den Jupiter glauben gelernt zu haben“? Und wer verſteht es, wenn 7, 11 von Chloe geſagt wird,„ſie werde durch deinen Geliebten in leidenſchaftlicher Liebe verzehrt“? Statt„Cleopatra ſuchte entlegne Küſten auf“(I 37, 24) ſagt R.„ſie tauſchte die verborgenen Säume ein“; ſtatt„das Haupt mit Myrten umwinden“ 4, 9 empfiehlt er„verſtricken“, ſtatt entthront 37, 31„entfürſtet“. Die ianua facilis 25, 5 kann gefällig, aber nicht„liebenswürdig“ genannt werden. Der Ton der Flöte iſt nicht„ſchrill“(12, 1). Für informis bei hiems II 10, 15 wird„mißgeſtaltet“ empfohlen mit dem wunderlichen Zuſatz:„Der Winter der ſüdlichen Gegenden bietet dem Maler nicht ſo dankbare Vor⸗ würfe, wie der Winter[in?] unſeren Ländern“. Als ob der Winter nicht in allen Breiten„häßlich, unfreundlich“ erſchiene! Bruta tellus I 34, 9 wird mit„der Erde Wucht“ wiedergegeben, unpaſſend, da wir W. nur von bewegten Dingen brauchen, br.(= iners Nau. Kie.) gerade das Gegenteil beſagt. Und da behauptet Mewes noch(S. 231), die Anmerkungen machten der Überſetzungskunſt R.s alle Ehre!
6. Die Bedenken ſachlicher und grammatiſcher Art ſollen gemeinſam beſprochen werden, da die ſachliche Erklärung oft von der ſprachlichen Deutung abhängt; auch hier muß ich mich auf eine Auswahl beſchränken. I 1, 4 pulver. collegisse]„Das Perf. hebt die Freude(?) über eine ſchon ausgeführte Handlung hervor.“ III 4, 52 tend. imposuisse ſoll es„das Ungeſtüme“ der Tätigkeit be⸗ zeichnen. Zu 18, 15 fossor gaudet pepulisse t. p. terram heißt es:„Der Lat. denkt nur an den Anfang der Tätigkeit, wir an den dauernden Zuſtand“. Gerade umgekehrt: Der Lat. verſetzt ſich in die Zeit, wo die Handlung abgeſchloſſen iſt und nun der Beurteilung unterliegt; ſ. Tac. Germ. 6 scut, reliquisse praec. flagitium. 16, 43 bene est, cui deus obtulit ſoll obt, das durch die bekannte Regel als reines Perf. gefordert wird, gnom. Aor. ſein. 29, 43 wird das unbequeme Perf. licet dixisse mit der wohl⸗ feilen Begründung abgetan, daß„wir in dieſem Zuſammenhange wie ſo oft die Zeit weniger genau angeben“. IV 6, 16 ſoll das Imperf.„der Anſchaulichkeit wegen“ ſtatt des Plusqu. geſetzt ſein. Repetens III 20, 6 ſoll die Bedeutung des Part. Fut. haben; in Wahrheit liegt der deſiderative Sinn in petere. Ähnlich IV 13, 6 sollicitas:„Das Präſ. hat oft die Bedeutung de conatu.“ Zu I 24, 20 qu. corrigere est nefas konſtruiert R. ſogar einen Infin. des Imp. de conatu, weil er nefas verkennt (= verſagt iſt Na.). Die bedenklichſte Verwirrung der Begriffe hinſichtlich der Tempora zeigt ſich III 29, 2 cado non ante verso]„v. iſt ſeiner Bedeutung nach ein Part. Präſ. Paſſ.“ Das Faß iſt vorher noch nie umgefüllt worden; kann die Perfektbedeutung klarer ſein?— I 1, 8 tergem. honores ſind Adilität, Prätur und Konſulat(Acron, Obb., Ri., Schü.) oder Quäſtur, Prätur und Konſulat, „die obligatoriſchen Stufen der republikaniſchen Magiſtratur“(Kie., Kü.), nicht Prätur, Konſulat und Cenſur(R. nach Gemoll). 13 trabe Cypria bedeutet nicht„auf ſtolzem Schiffe“— tr. iſt eher weg⸗ werfend geſagt—, und areae Libycae iſt nicht„gewiſſermaßen der Superlativ von a.“; die poetiſche. Individualiſierung iſt keine Steigerung. 14 das mare yrtoum iſt nicht der ſüdliche Teil des ägäiſchen Meeres, der vielmehr m. Creticum heißt; in 1. Aufl. wurde gar laut Mewes behauptet, das äg. Meer teile ſich in das kretiſche und ſiciliſche. 29 doctar. praem. fr.]„docti ſind zu allen Zeiten die Dichter geweſen, waren es aber beſonders zu Horazens Zeit; denn ein römiſcher Dichter hatte durch die
¹1) Vgl. Gratiaz decentes I 4, 6 und dec. motus IV 13, 17(hold, anmutig). 2) 4. Aufl.:„grämlich“.


