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fern liegende„gemeine“(Kie.) Erklärung verfallen aura⸗odor. Das Stärkſte leiſtet aber die Bemerkung zu II 13, 24 Sappho quer. puellis de pop.„wohl, weil ſie von ihnen mißverſtanden oder wenigſtens in ihrem Streben, die Stellung des Weibes zu heben, nicht verſtanden wurde.“ Iſt das Prüderie, um nicht zu ſagen Heuchelei, oder Unverſtand? Kie. deutet die Wahrheit mit dem einen Wort an:„erotiſche Klage“..
5. Sichres Sprachgefühl und reifer Geſchmack im Ausdruck ſind unerläßliche Vorbedingung für einen Horaz⸗Interpreten. Nun bieten trockne Anmerkungen kaum Gelegenheit, eine„gedanken⸗ und bilderreiche Sprache“, den„blühendſten Feuilletonſtil“ ¹) zu entfalten, über die R. nach Mewes verfügt, wie ja auch Melpomene ihm bei der Geburt gelächelt(Gebh.) und er den Beweis geliefert hat,„daß ſchön und geſchmackvoll und doch echt wiſſenſchaftlich ſchreiben keine Gegenſätze ſind, die ſich ausſchließen.“ Allein das Deutſch braucht doch nicht ſo ſchülerhaft zu ſein wie in folgenden Wendungen, die ſich den oben erwähnten Proben würdig anſchließen: I 1 Schl.„mein höchſtes Streben iſt erreicht.“ II 1, 38 „ein Zeitgenoſſe der Perſerkriege“. II 13, 2„Der Zornige iſt pleonaſtiſch“. III 6, 4„die alten Tempel verbeſſern“. 40„die ſich um andere Dinge kümmerte, wie die Römerin“. 26 Schl.„Ent⸗ ſchlüſſe der Art ſind nur da, um ſie wieder aufzugeben“. IV 2, 25„weniger großartige Dichter“.— Wichtiger iſt indeſſen die Wahl der Ausdrücke, die R. zur Überſetzung vorſchlägt. Hier hat ihn u. a. das Beſtreben zu Geſchmackloſigkeiten verführt, dem Plural des Originals in beſonderer Weiſe gerecht zu werden, obwohl er ſelbſt(I 14, 7) bemerkt, der Pl. ſtehe oft aus metriſchen Rückſichten für den Singular. So lehrt er zu II 3, 11 ramis:„Der Plur. wird in der deutſchen Dichterſprache gern durch ein Compoſitum mit Ge⸗ wiedergegeben“ und empfiehlt dies Verfahren noch dreimal(I 3, 20. II 13, 17. IV 4, 11). Natürlich geht das gelegentlich ſehr wohl, aber R. häuft dieſe Wendungen bis zum Überdruß. Gleich das an erſter Stelle empfohlene„Geäſt“ iſt doch nicht gerade poetiſch; „Gelüſt“(libidines IV 12, 8) ſtatt Lüſte iſt zu ſchwach; Bedenken erregen auch„das Gemäuer des Catilus“,„das Gefäll hemmen“(fluv. lapsus mor. I 12, 10),„Getüm“,„Geklipp“,„Geplane“, und geradezu geſchmacklos ſind Ausdrücke wie„Getal und Geſtein“(I 17, 11),„es ſinkt das Gebraus“ (concid. venti I 12, 30),„der Vögel Gegirr), der Zither Getön“(III 1, 20) und„das Geräuſch“ (IV 3, 18) der Laute³). Statt„flüchtige Vögel“(IV 4, 2) ſagt R.„ſchweifendes Gefieder“. In ähn⸗ lichem Sinn empfiehlt er zur Wiedergabe des. Plur. für munera II 1, 38„das hohe Amt“, II 3, 13 unguenta„der Salben Fülle“, III 10, 13 mun.„der Geſchenke Fülle“, I 22, 2 iaculis„Speerzeug“ u. a. m. II 5, 6 ſoll der„intenſive Plur.“ fluviis angedeutet werden durch die Überſetzung„Baden in dem Flußbette“, und III 5, 52 pop. reditus morantem der Plur. durch„jedesmal“ beim Part. gegeben werden. Wie poetiſch! Wenn R. endlich II 18, 14 dem Plur. Sabinis beſonderen Ausdruck verleiht („von den Sabiner fluren“), ſo begeht er den„groben Schnitzer“, vor dem Kießling z. d. St. warnt. — Umgekehrt will R. mehrfach den Plur. ſehr zur Unzeit durch den Sing. erſetzt wiſſen. Zu III 23, 1, (vgl. II 1, 18) Caelo s. si tuler. manus:„Bei Körperteilen wählt man im Deutſchen den Singular“. Richtig, aber hier durchaus deplaciert; auch für uns erhebt der Betende die Hände zum Himmel; ⁴) die Note wäre zu II 7, 8(capillos) oder zu III 11, 8 applic. aures am Platz geweſen. Ähnlich heißt es zu I 12, 8 insecut. Orphea silvae„der Wald.“ Weshalb? Klopſtock:„Des Zelten Leyer, welche die Wälder zwang, daß ſie ihr folgten“.— Unſchön wirkt ferner die alles Maß überſteigende Anwendung von Flickwörtern wie ja, nein, o, ach, ſo, dann, freilich, leider. Entbehrlich ſind ſie faſt überall, oft ſtörend und ſinnwidrig, wie I 24, 9. III 12, 10. 14, 27. 16, 17.— In der Neubildung von Kompoſiten verfährt R. mit mehr Kühnheit als Glück; ich erwähne frauenbetörend, adler⸗ glänzend, feſtlandsmüde, kriegsentlaſtet, ſchämenswert, gaſtfreundmordend, roßbluttrunken, Mordkampf, mordfroh, erſtumpfen. Die Warnung ſeines Recenſenten Mewes mißachtend hat R. in der 4. Aufl. dieſe Bildungen noch vermehrt, ſo um„mitgiftreich“ III 24, 19; die„ſaitenbeſpanntene“ Leier III 4, 4 beruht hoffentlich nur auf einem Druckfehler. Auf der andern Seite riskiert er Simplicia, die an ſich . oder in der von ihm gewählten Konſtruktion bedenklich ſind: das Meer furchen I1 1, 14, wer koſt
¹) Ein Anlauf dazu wird IV 4 g. E. genommen:„Das Gedicht gleicht einem Bukett, deſſen Blumen durch ein faſt unſichtbares Band zuſammengehalten werden. Die einzelnen Blumen ſind: 1) Druſus gleicht einem jungen Adler... Das unſichtbare Band, welches die Perlen zuſammenhält, iſt die begeiſterte Liebe zu Rom.“ Das iſt ſchon mehr blühender— Unſinn.
2) Derrach a Goethe in der Walpurgisnacht ſtatt„Girren u. Brechen der Äſte“ offenbar poetiſcher geſagt„Gegirr es Geäſts“.
3) Ähnlich IV 15, 2 Phoebus increpuit lyra„hat ſcheltend mit der Leier gerauſcht“. Kie.: griff ungeduldig in die Saiten.
4) Auch wurden die Hände nicht zurück gelegt, wie R. behauptet.


