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verſchiedenen Völkern. Noch bedenklicher iſt, daß I 38, 6 im Text mit Ritter, Kießling, Nauck, Keller⸗ Holder u. a. geſchrieben wird Simpl. myrto nih. adl. sedulus, curo— mit Recht, denn das„geſchäftig, mühſelig“ paßt weit beſſer zur Tätigkeit des Dieners—, in der Fußnote aber ausdrücklich sedulus zu curo gezogen wird. Alſo auch hier ſchreiende Diskrepanz zwiſchen Text und Kommentar. Ebenſo folgt R. IV 2, 29 im Text gedankenlos der ſicherlich unrichtigen Lesart Naucks: gr. carpentis th. per laborem, plurimum circa nemus, erklärt aber nach der abweichenden Interpunktion von Ke., Ri. u. Kie.: „plurimum zu laborem, mit ſaurer Mühe“.
Beſonders bedenklich wird dieſe Unzuverläſſigkeit in Fällen, wo die ſofortige Feſtſtellung des Fehlers nicht leicht iſt. Zu I 1, 35 vatibus wird geſagt:„Im 4. Buche braucht der Dichter von ſich lieber poeta“. Wäre dort p. häufiger, ſo handelte es ſich wohl nur um einen bedeutungsloſen Zufall. Wie liegt aber die Sache? H. braucht in IV poeta von Antonius 2, 33, von ſich 6, 30 mihi nomen d. poetae; dagegen vates von ſich ſpeziell 6, 44 vatis Horati und 3, 15 inter vatum p. me choros; allgemeiner, doch ſich einſchließend, noch 8, 27 und 9, 28. Für eine Leichtfertigkeit, die derart die Tatſachen verkehrt, gibt es keine Entſchuldigung.— Hat übrigens die 4. Aufl. manche Flüchtigkeitsfehler beſeitigt, ſo bringt ſie auch wieder neue hinzu. Zu 1 1, 28 heißt es jetzt:„Die Jagd war damals weniger eine Schule des Mutes als heute(!), aber ſchon zur Zeit des H. als(!) ein Romanis sollemne viris opus.“ Der Satz vom Komma an iſt neu; was ſoll aber das unverſtändliche„als“? Das Rätſel löſt ein Blick auf Küſter:„H. bezeichnet ſie als Rom.... opus Epi. I, 18, 49“.
Dieſelbe Flüchtigkeit verrät ſich im Gebrauch der Citate, wie ein paar Proben beweiſen:
Heine: Das gäb' ich den luſtigen Winden.
Leſſing: Ich fühle die lebendige Quelle nicht in mir, die durch eigene Kraft ſich emporarbeitet, durch eigene Kraft in ſo reichen, ſo friſchen, ſo reinen Strahlen auf⸗ ſchießt; ich muß alles durch Druckwerk und Röhren aus mir heraufpreſſen.
Goethe: Ehre verloren, viel verloren!....
Roſenberg I 26, 2 das geb' ich d. l. W.
R.(zu IV 2, 27) die durch eigene Kraft ſich empor⸗ gearbeitet, durch eigene Kraft in ſo reichen friſchen, ſo neuen Strahlen aufſchießt; ich muß alles durch Druckwerk und Röhren in mir heraus⸗ preſſen(in 4. Aufl. endlich berichtigt).
R.(zu III 5, 29) Ehre verloren, alles verloren— da wäre dir beſſer, nimmer geboren.
Mut verloren— alles verloren! Da wär' es beſſer, nicht geboren.
Mit dem„gelben“ Tiber wird II 3, 18 die„blaue“ Donau und die„grüne“ Spree verglichen, während das Lied doch aus guten Gründen nur von einem grünen Strand der Spree ſingt. Dabei ſind die Citate vielfach überflüſſig. Zu II 16, 17 brevi f. iaculamur aevo multa bedarf es keines langen Citates aus Schillers Glocke; ein Ausdruck wie„zäher Haß“ braucht nicht aus Dahn belegt zu werden, „flammende Küſſe“ nicht aus Kinkel; und Höltys„ſilberblinkend“, zu III 13, 1 fons splend. vitro an⸗ gezogen, iſt weder der Erklärung förderlich noch als Überſetzung verwendbar.
1 2. Die inhaltliche Geſamtbeſprechung der einzelnen Lieder läßt nur zu oft das Verſtändnis des Ganzen vermiſſen. So gleich I 1:„Da ſind zuerſt a) die Lebemänner, b) die Krieger u. Jäger, c) die Dichter, unter ihnen ich ſelbſt.“ Nein! H. zählt mehrere Menſchenklaſſen auf, die der oder jener Liebhaberei nachgehen, und ſetzt ſich, ſich allein zu dieſen in Gegenſatz. Die Ode I 5 Quis multa gracilis ſoll ein„Undinenthema“ behandeln, I 6 Scriberis Vario ¹)„übermütig“ geſchrieben, I 28(Archytas) eine Verhöhnung des Unſterblichkeitsglaubens ſein. Von Ode I 8 Lydia dic heißt es, ſie ſcheine nur des pointierten Schluſſes wegen da zu ſein, und mit I 9 vides ut alta stet nive candidus„unterbricht der Dichter eine bange(!) Pauſe bei einem Gelage“; die Pointe ſoll in dem betonten donec(V. 12) ſtecken. II 8 Ulla si iuris mag man einen Hymnus auf die Allgewalt der Liebe nennen, aber das zeigt doch nicht„die Anaphora der letzten Strophe“, wie R. behauptet. Die Oden II 20 Non usitata und III 30 Exegi mon., die man richtig etwa als Triumphgeſänge bezeichnen kann, werden Kampflieder genannt, I 33 Albi ne doleas„ein Lied des Oxymorons“(!). Wunderlich heißt es zu I 31 Ouid ded. p. Apoll.:„Das Gedicht gönnt als Oppoſitionsgedicht dem non die breitere Auffaſſung“. Zu I 4 Solvitur a. hiems wird bemerkt:„H.'s Waffengenoſſe Seſtius ſcheint beim Empfange dieſes Gedichts ſich durch ein heiteres Leben die politiſchen Sorgen verringert zu haben.“ Kann man einen ungeſchickten Gedanken ungeſchickter zum Ausdruck bringen? Auch der Grundgedanke von III 11 Mercuri, nam te iſt durch die Worte:„Sei eine Hypermneſtra“ ſo unglücklich wie möglich ausgedrückt.
¹) Daß hier vermöge eines poetiſchen sermo ſiguratus die Bitte verſagt und doch erfüllt werde, ſtimmt auch nicht, wenn auch Nauck und Kießling ähnliches lehren. Der Wunſch, die Taten des Auguſt und Agrippa zu beſingen, wird doch in dem anſpruchsloſen Lied in keiner Weiſe erfüllt. Wie will übrigens R. mit dieſer Ode ſeine Vermutung (III 25 Schl.) in Einklang bringen, H. habe die Taten des Aug. in alcäiſchen Strophen beſingen wollen? Sagt
H. nicht wiederholt ausdrücklich, dergleichen gehe über ſeine Kraft? Und was berechtigt zu einem Schluß auf die Form?


