Aufsatz 
Eine Ferienreise nach dem Goldnen Horn
Entstehung
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ſcheinung zeigt ſich bei wolkenloſem wie bei leicht verſchleiertem Himmel. In der Nähe geſehen zeigt das Waſſer freilich das reinſte, tiefſte Blau, zumal es hier durch keinerlei Unrat verunreinigt wird. Ich konnte der Verſuchung nicht widerſtehen, hier in der menſchenleeren Einſamkeit ein Naturbad zu nehmen, das genußreichſte in meinem Leben. Ich ſchwamm weit hinaus in die Bucht, deren Oberfläche ein warmes Lüftchen kaum kräuſelte, und als ich dann mit der Vorſicht ans Ufer ſtieg, die das glasharte, ſcharfe Geſtein nötig machte, ſah ich tief unter mir durch das klare Waſſer das bunte Seegetier faſt ſo deutlich wie 8 Tage ſpäter im Aquarium zu Neapel. Niemand iſt wohl ſo einſeitig Archäologe, daß er nicht auch dem Leben und Treiben im modernen Athen Reiz abgewinnen könnte. Über den Volkscharakter der Neugriechen nach ſo kurzer Bekanntſchaft ein Urteil fällen zu wollen wäre vermeſſen, wenn auch keineswegs ohne Bei⸗ ſpiel; der Eindruck, den ich von ihnen gewann, war durchaus günſtig. Europäiſche Arbeitgeber lobten mir einſtimmig ihre Willigkeit und An ſtelligkei, denen jedoch Mangel an Ausdauer entgegenſtehe. Unein⸗ geſchränktes Lob verdient die patriotiſche Opferwilligkeit der Hellenen in Kriegs⸗ und Friedenszeiten. Namentlich ſolche, die im Ausland reich geworden, haben der Heimat Schenkungen zugewandt, wie ſie kaum ein zweites Land aufzuweiſen hat. Baron Sina(Wien), Bernardakis (Petersburg), Awerof(Alexaadrien), Vallianos und Syngros(Athen) ſind hier an erſter Stelle zu nennen. Die Sternwarte, die Akademie, das Nationalmuſeum, das Stadion, die Ausſtellungshalle, die Bibliothek, das Polytechnikum und zahlreiche gemeinnützige Inſtitute in Athen, auch das Muſeum zu Olympia u. a. ſind Werke ihres Opferſinns. So ver⸗ dient es auch beſondere Anerkennung, daß trotz der ſchlechten Finanzlage des Staates und ſeiner Hauptſtadt alle Kunſtſchätze jedermann unentgelt⸗ lich zugänglich ſind); die Italiener und die Münchener könnten ſich daran ein Beiſpiel nehmen. Andererſeits will ich nicht verſchweigen, daß mir der Vertreter einer deutſch⸗engliſchen Geſellſchaft, der gut unterrichtet ſchien, *) Im Muſeum herrſcht ſogar Trinkgelderverbot: anaopsöstat sto robe 561⁊αα vν᷑( kya, daß) décrat 6cρ.(Wie im Deutſchen der Genetiv im Ausſterben begriffen iſt, ſo hat das Griech. den Dativ verloren; er wird entweder wie hier mit der Präpoſition umſchrieben oder ſo gewöhnlich durch den Genetiv erſetzt: 56 s gob, geben Sie mir. Das völlige Schwinden muß noch ganz neuen Datums ſein, wenigſtens hat Deffners Sprachführer v. J. 1874 die Prono⸗ minalform noi noch ganz regelmäßig.)