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Dicht am Hafen iſt der unſcheinbare Bahnhof(cradec), von dem alle 15 Min. ein ſtets gut beſetzter Zug des elektriſch betriebenen sidiro- dromos nach Athen geht, wo wir nach viertelſtündiger Fahrt auf der Endſtation am Eintrachtsplatz(Marsta oo»oοia) ausſteigen. Der weite Platz iſt von ſtattlichen Bauten umgeben und mit prächtigen Palmen beſtanden. In der ſehr empfehlenswerten deutſchen Penſion Phidiasſtraße 5, fand ich familiäre, herzliche Aufnahme, zeitweilig, weil außerhalb der Saiſon, als einziger Gaſt. Nur ein paar Häuſer weiter liegt das von Schliemann erbaute deutſche archäologiſche Inſtitut, deſſen„erſter Sekretär“— wir würden Direktor ſagen— bekanntlich W. Dörpfeld iſt. Gleich bei meinem erſten Ausgang ſtieß ich auf Herrn Dr. Prandtl, einen Reiſegenoſſen von der Galata, der das Glück hat, während eines halben Jahres ſeinen Gehalt in Athen ſtatt in irgend einem bayeriſchen Neſt verzehren zu dürfen. Er weilte nun ſchon 10 Tage hier und übernahm bereitwillig meine Führung. Natürlich galt unſer erſter Gang der Akropolis. Wir ſchlenderten die breite Univerſitätsſtraße entlang, vorbei an einigen der prächtigſten Bauten des modernen Athen, der Bibliothek, der Univerſität(navsmr’iutoy), der Akademie und der palaſtartigen Villa Schliemanns, die heute noch im Beſitz ſeiner Witwe iſt. Was für eine Stadt die Nähe eines guten Baumaterials bedeutet, ſieht man hier; in verſchwenderiſchſter Weiſe iſt der ſchönſte weiße Marmor an Sockeln, Gurten, Treppen u. ſ. w. verwandt. Das königliche Schloß (à àydxντα) iſt ein unſäglich nüchterner, kahler Bau. Ihm gegen⸗ über liegt der Verfaſſungsplatz(nareta od doyraaroc), um den
ſich die vornehmſten Hotels*) der Stadt gruppieren. An den Schloßpark ſchließt ſich der Ausſtellungspark. Hinter dem„Tor des Hadrian“ ragen
die 15 gewaltigen Säulen des Olympieion in die Luft, das von Piſtiſtratus begonnen, aber erſt von Kaiſer Hadrian vollendet ward. Die Ungeduld trieb uns raſch weiter; auch das zierliche Denkmal des Lyſikrates, das in geringer Entfernung rechts zwiſchen modernen, nichtsſagenden Häuſern ſteht, wird heute nur eines flüchtigen Blickes gewürdigt. Die Straße des Dionysius Areopagita führt uns an ein paar ſchmutzigen Kneipen vorbei zum Südfuß der Burg. Dr. Prandtl deutet nach rechts:„Das Dionyſos⸗ Theater!“ Ich dachte anfänglich an einen Scherz. Die paar trümmer⸗
*) Sie haben hohe Preiſe(Penſion 15—30 fr. täglich), wie über⸗ haupt das Leben in Athen teuer iſt. Beſſere Wohnungen ſind unter 2000 fr. kaum zu haben, 1 L. Milch koſtet 60 Pf., 1 L. Petroleum Mk. 1.10. Selbſt das Trinkwaſſer, das von auswärts gebracht wird, muß man kaufen..


