Aufsatz 
Eine Ferienreise nach dem Goldnen Horn
Entstehung
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die früher gewonnenen Bilder noch feſter unſerem Gedächtnis einzuprägen. Diesmal können wir auch die Inſel Lesbos, an der uns die Hinfahrt nachts vorübergeführt, in aller Muße beſichtigen: volle 5 Stunden fährt der Dampfer an der großen Inſel entlang. Sie iſt ziemlich dicht bevölkert 115 000 Einwohner auf 32 Q.⸗M.; zahlreiche Ortſchaften liegen halb verſteckt in freundlichem Grün, doch auch die kahlen Felswände, die nun einmal für Griechenland typiſch ſind, fehlen nicht. Die Hauptſtadt Caſtro, das alte Mytilene, zählt jetzt 20 000 Einwohner. Von den mittelalterlichen Befeſtigungen, die einſt die Hafeneinfahrt beherrſchten, ſind noch ſtarke Reſte erhalten. Lesbos mit dem 940 m hohen Eliasberge iſt noch ſichtbar, wenn das Schiff in den Golf von Smyrna einläuft. So umſpannt ein Blick die Geburtsinſel des Theophraſt und Hellanikos, des Arion, Alkaios und der Sappho, und jene Bucht, an deren Ufer Homers Geſänge entſtanden ſind.

Im Hafen von Smyrna gibt es wiederum viel Arbeit und längeren Aufenthalt. Das Zwiſchendeck wimmelt ſeit unſerer Abfahrt von Stambul von einem bunt gemiſchten Völkchen, das in ſeltſamen Geräten ſeltſame Gerichte kocht. Der flache Boden einer aufrecht ſtehenden Tonne dient ganzen Familien als Waſchbecken. Auch die Ladung wird jetzt mehr exotiſch: Feigen, Süßholz, Lorbeerblätter und perſiſcher Tabak werden in großen Maſſen unter Deck verſtaut. Erſt nach Mitternacht fahren wir weiter.

Am anderen Morgen befinden wir uns mitten in der griechiſchen Inſelwelt, unter der uns der zuvorkommende Kapitän Beſcheid ſagt. Links das maleriſche Keos mit einem freundlichen Städtchen auf halber Höhe des Gebirgs. Weiter hinten iſt Andros, in Dunſt gehüllt, noch eben ſichtbar. Rechts Euböa mit dem 1480 m hohen, ſchön geformten H. Elias. Über dem vorgelagerten Inſelchen Makroniſi(⸗,Langeoog) winken Attikas Berge. Wir ſteuern geradeswegs auf dasSäulenkap (Kap Kolonnäs) Sunium zu, deſſen Poſeidontempel in reinem Weiß) zu uns herüber leuchtet. Unfern davon rauchen die Schlote von Laurion, deſſen Erze jetzt weniger auf Silber das war ſchon zu Auguſtus' Zeit im weſentlichen ausgebeutet als auf Blei und Zink verhüttet werden. Nach ein paar Stunden gehen wir wieder im Piräus vor Anker.

*) Der lauriſche Marmor iſt nicht eiſenhaltig und deshalb dem Oxydationsprozeß nicht unterworfen geweſen, der dem penteliſchen(Parthenon!) die gelbliche Färbung verliehen hat.