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Von dem berühmten„Zug nach Weſten“ iſt in Konſtantinopel nichts zu merken. Wie um zu zeigen, daß die Stadt zum Morgenland gehört, haben ſich alle Neuanlagen mehr und mehr nach Oſten gezogen, und die Paläſte des Sultans, Dolma Bagtsche und Vildiz Kiosk“*“) liegen noch jenſeits der Frankenſtadt. Das türkiſche Stambul zeigt in der Nähe der Galata⸗ Brücke noch reges Leben und Treiben; aber je weiter man weſtwärts wandert, deſto öder wird die Stadt, die hier ſelbſt umfangreiche Wüſtungen, von Bränden herrührend, in ſich ſchließt. Und doch bietet ein Gang durch ihre regel⸗ und z. Z. pflaſterloſen Straßen viel Intereſſantes. Hier ſieht man noch zahlreich die maleriſchen Holzhäuſer mit den kleinen Fenſtern, die mit kreuzweiſe genagelten Lättchen vergittert ſind. Sehr lohnend iſt ein Beſuch der alten Stadtmauer, die mit Wagen, aber auch mit der Pferdebahn zu erreichen iſt; denn gerade zu dem beſonders ſehenswürdigen „Kanonentor“, Top Kapu, führt ein Schienenſtrang der ératpia pOT1006y. Die Geſchlechter ſind in den Wagen durch eine Scheide— wand getrennt. Die Beförderung iſt nicht ſehr prompt, denn ‚FEile iſt Teufelswerk,“ ſagt ein türkiſches Sprichwort, das der braungeſichtige, cigarettenrauchende Conducteur zu beherzigen ſcheint. Als einziger Fahrgaſt langte ich ſchließlich bei Top Kapu an. Hier drangen am 6. April 1453 die Janitſcharen Mohameds II. ein, hier ſtarb Kaiſer Konſtantin den Heldentod. Weithin verfolgt der Blick die gewaltige, halbzerfallene Doppel⸗ mauer, die von ſtarken Türmen überragt wird. Hier gewinnt man auch einen Überblick über das Hinterland, das menſchenleer, öde und kaum angebaut erſcheint.— Nicht ungern kehrt man von einem Ausflug nach dem far west in das bunte Gewühl der Frankenſtadt zurück, deren Treiben man immer neue Reize abgewinnt. Es gibt ſchwerlich eine zweite Stadt, die dem Momentphotographen ſo viel günſtige Vorwürfe für Genrebildchen aller Art bietet wie gerade Konſtantinopel. Auch der vielberufene Schmutz der Straßen, auf die alle Abfälle von Fleiſch und Knochen, Papier und Scherben, Obſtreſte und Blech geworfen werden, ſtört dieſen Eindruck keineswegs. Wenn es heißt, um die Stadt ſchön zu finden, müſſe man über den Schmutz hinweg ſehen, ſo bin ich anderer Anſicht. Iſt doch der zerlumpte Zigeunerknabe maleriſcher als der geſchniegelte Elegant der Großſtadt, das windſchiefe Bauernhaus pittoresker als die reinlich getünchte Villa. Bei Regen mag freilich der Schmutz ſtörender ſein als der Staub der trockenen Witterung, in der ich allein die Stadt geſehen habe. Damit hängt wohl auch die große Zahl der Stiefelputzer zuſammen, die mit
8 ⁴) Ebenſo Bejler Bej auf der aſiatiſchen Seite.


