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Bei einzelnen kaiſerlichen Schlöſſern ſteigt das Trinkgeld bis zu 40, ja 60 fr., während andere überhaupt nicht zugänglich ſind. Hier kommt man mit 10 Piaſtern(— Mk. 1,80) durch, doch wirkt es für unſer Gefühl verletzend, wenn an geweihter Stätte ein Softa(Candidat der Theologie) vor 2 greiſen Prieſtern ſein Examen ablegt und dieſe Gruppe vom Führer vordemonſtriert und von dem Fremden neugierig begafft wird.— Hat man außer der Aja Sofia noch etwa die Moſchee Solimans nnd die Achmeds*) ſowie eine benachbarte Türbe(Mauſoleum) beſichtigt, ſo iſt das mehr als genug. Die weiteren Sehenswürdigkeiten ſind größtenteils nahe dabei: das Serail mit der welthiſtoriſchen„Hohen Pforte,“ dem Sitz der osmaniſchen Diplomatie, und dem Altertumsmuſeum, das u. a. mehrere einzigartige Sarkophage(darunter den angeblichen Alexanders d. Gr.) und hübſche Funde von Troja enthält, dem Janitſcharenhof u. ſ. w. Nicht alle Räume ſind dem Fremden zugänglich; ſo hat den innerſten Hof des Serails noch keines Europäers Fuß betreten. Der bedeutendſte Platz der Stadt hat den Namen des geſchichtlich berühmten Hippodroms bewahrt, deſſen Stätte er einnimmt. Er hat nicht nur rauſchende Feſt⸗ lichkeiten geſehen, ſondern auch— ſo im Streit der Blauen und der Grünen— Bürgerblut in Strömen getrunken. Hier ſteht als eines der wenigen Denkmäler aus alter Zeit der aus Heliopolis ſtammende Obelisk des Theodoſius. Der Monumentalbrunnen, den Wilhelm II. 1901 geſtiftet hat, macht einen höchſt verwahrloſten Eindruck: die Trinkbecher ſind abgeriſſen, die Stufen mit Staub und Hobelſpänen bedeckt, der Marmor mit Namen bekritzelt.
Daß Böjük Tscharschi, der große Bazar, nicht übergangen werden darf, iſt ſelbſtverſtändlich. Der rieſige, ummauerte Gebäudekomplex mit ſeinen gewölbten Hallen bildet förmlich ein Stadtteil für ſich. Alle Kunſt⸗ erzeugniſſe dreier Erdteile ſind hier aufgeſtapelt, und trotz der unglaublichen Zudringlichkeit der Verkäufer iſt es ein Genuß, ſich in den labyrinthiſchen Gaſſen treiben zu laſſen. Den Warentransport aus dem Hafen hierher beſorgen die Hammals(Caſtträger), meiſt Kurden, die zu den ſtehenden Straßenfiguren auch im Frankenviertel gehören. Bei rein vegetariſcher Koſt verfügen ſie über unglaubliche Körperkräfte. Mir iſt glaubhaft ver⸗ ſichert worden, ein ſolcher Hammal könne ein Klavier auf ſeinem gepolſterten Rücken tragen.
*) Man zählt in Konſtantinopel nicht weniger als 700 Moſcheen, 250 Derwiſchklöſter und 200 Kaſernen.


