Aufsatz 
Eine Ferienreise nach dem Goldnen Horn
Entstehung
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vordringt, deſto notwendiger wird ein internationales Volapük. Die Führer und Lohndiener, faſt ausſchließlich Juden, verfügen über einen Reichtum an Sprachen, der erſtaunlich iſt, auch wenn man annimmt, daß ſie mit einem geringen Wortvorrat auskommen. Leute, die 8 Sprachen fließend ſprechen, ſind hier keine Seltenheit. Wie mit der franzöſiſchen Sprache, ſo kommt man auch mit franzöſiſchem Gold am weiteſten. Größere Zahlungen leiſtet der Fremde hier wie in Athen ausſchließlich in dieſer Münze; für kleinere ſtehen überall an den Straßen Wechsler zur Verfügung, bei denen man natürlich ſtets etwas Haare laſſen muß. Auf⸗ fällig iſt der Mangel an kleinem Geld, der ſo weit geht, daß ein 20⸗Piaſterſtück bei kleinem Einkauf nur mit 19 berechnet wird, ja daß man für 19 einzelne P. ein 20⸗P.⸗Stück eintauſchen kann.

In die Türkenſtadt Stambul, zu der die äußerſt lebhaft begangene neue Galata⸗Brücke führt, wird ſich der Fremde nicht leicht ohne Führer wagen. Nicht als ob die Bevölkerung zu fürchten wäre. Der Türke iſt vielmehr, wenn nicht gerade ſein Fanatismus entfacht iſt, wie vor einigen Jahren gegen die Armenier, der harmloſeſte Menſch der Welt, und der Spitzbube, der gleich am erſten Tage einem Reiſegefährten die goldne Uhr nebſt Kette vom Leibe weg ſtahl, war ganz gewiß kein Türke. Aber die Schwierigkeit, ja Unmöglichkeit einer Verſtändigung mit den Einge⸗ borenen kann einen doch in unbehagliche Situationen bringen, wie ich ſelbſt einmal erfahren mußte.

Die Hauptſehenswürdigkeiten Stambuls kann man in verhältnis⸗ mäßig kurzer Zeit erledigen. Der erſte Beſuch gilt meiſt der Hagia Sophia (ſpr. Aja Sofja). Der ehrwürdige Bau ſtammt aus dem 6. Jahrhundert, da das von Konſtantin 326 erbaute und derheiligen Weisheit geweihte Gotteshaus 532 niedergebrannt war. Bei der Umwandlung in eine Moſchee hat die Kirche ſich manche Änderung gefallen laſſen müſſen. Ein winziges Kreuz über einer Seitentür, das man offenbar überſehen hatte, zeigte uns der Führer beim Eingang; allein die Moſaiken auf Goldgrund ſind übertüncht, ſoweit ſie menſchliche Figuren darſtellen. Auch die Orientierung im Innern hat mit Rückſicht auf die heiligen Stätten der Mohamedaner verſchoben werden nüſſen, ſodaß die Teppiche nicht recht⸗ winklig zur Hauptaxe laufen. Trotzdem iſt der Anblick des Innern über⸗ wältigend, und das Außere wird durch die angefügten Minarets nur gehoben. Keinen guten Eindruck macht das Erheben von Eintrittsgeld hier wie bei allen Sehenswürdigkeiten, ſo auch bei den Gebetsübungen der Derwiſche wie beim wöchentlichen Selamlick(Kirchgang) des Sultans.